Internet sammelt #Trumpfacts "Wer einen Moslem berührt, konvertiert automatisch zum Islam"

Für Donald Trump ist es "Fakt": In London gibt es "radikalisierte Gegenden", wo sich niemand hin traut. Diesem Halbwissen des US-Politikers hat das Internet noch ein paar #Trumpfacts hinzugefügt. Bitte schön.

US-Politiker Trump: Gewollte Provokation
REUTERS

US-Politiker Trump: Gewollte Provokation


"Der einzige Grund, warum ich nicht in einige Gegenden New Yorks gehen würde, ist die echte Gefahr, Donald Trump dort zu treffen." Mit diesem gut platzierten Konter sorgte Londons Bürgermeister Boris Johnson für große Erheiterung am späten Dienstagabend und den zwischenzeitlichen Schlusspunkt einer absurden Debatte.

Donald Trump, Republikaner und Bewerber um das US-Präsidentenamt, hatte sich im Interview mit dem US-Nachrichtensender MSNBC über die englische Hauptstadt geäußert: Einige Gegenden seien derart radikalisiert, dass dort selbst Polizisten um ihr Leben fürchten würden, sagte Trump.

Trump verstört seit Monaten mit einer Mischung aus gefährlichen Halbwahrheiten, unzulässigen Verknappungen, Verschwörungstheorien, Übertreibungen, Unwissen und schlicht bösem Willen - und findet eine aufnahmebereite Zielgruppe (einen Kommentar zur kalkulierten Hetze Trumps finden sie hier). In Großbritannien kamen diese Aussagen erwartungsgemäß weniger gut an - Trump zog auch den Hohn des Internets auf sich.

So sammelten Tausende User unter dem Hashtag #Trumpfacts bizarre Statements, die in ihrer Absurdität den bisherigen Äußerungen Trumps zu Themen wie Islam, Einwanderung und Homosexualität in nichts nachstehen - nur dass sie diese persiflieren.

"Nichts zu sehen, Leute. Nur ein ganz normaler Tag im Islamischen Staat von London, wie Trump uns gewarnt hatte", spottet User Raf. Ein Twitterer warnt vor der Radikalisierung des liebsten Frühstücksaufstrichs der Briten - und ein weiterer "enthüllt" eine IS-Terrorzelle, die vom fanatischen Mullah Kintyre geführt werde - ein Wortspiel auf Mull of Kintyre, einer Landzunge im südlichen Schottland.

Die zunehmende Radikalisierung in Großbritannien mache offensichtlich auch nicht vor dem Staatsoberhaupt halt:

Weitere, Ihnen vielleicht bislang unbekannte Fakten gefällig? Einen Moslem zu berühren lässt einen automatisch zum Islam konvertieren. Big Ben hat plötzlich frappierende Ähnlichkeit mit der Turmuhr zu Mekka. Und die Stadt Birmingham habe bereits vor Jahren die ketzerische Nachsilbe -ham (englisch: Schinken) aus ihrem Namen gestrichen und sei nunmehr als Birming bekannt.

Einen ähnlichen Wandel habe die Küstenstadt Brighton durchgemacht: Das Stadtbild sei nun von einer riesigen Moschee dominiert. Dass diese Moschee keine Moschee ist, sondern der "Royal Pavilion" aus dem Jahr 1822, würde auch einen Trump in seiner Argumentationskette nicht bremsen.

"Trumps Kampagne gehört auf den Müllhaufen der Geschichte"

Mit seinen London-Bemerkungen rechtfertigte Trump auch seine jüngste Forderung nach einem generellen Einreisestopp für Muslime in die USA. Zuletzt hatte Barack Obamas Sprecher Josh Earnest Trump als einen "Marktschreier" mit "falschem Haar" bezeichnet und die anderen republikanischen Bewerber aufgefordert, Trump die Unterstützung zu verweigern, falls dieser zum Kandidaten der Republikaner gekürt werden sollte. "Trumps Kampagne gehört schon lange auf den Müllhaufen der Geschichte", sagte Earnest.

Die Einsicht, dass er sich mit seinem Exkurs verrannt haben könnte, kommt einem Donald Trump natürlich nicht. Via Facebook fordert er: "Wir sollten SEHR SCHNELL auf Zack kommen und härter werden, sonst ist es zu spät!"

Wow, what a day. So many foolish people that refuse to acknowledge the tremendous danger and uncertainty of certain...

Posted by Donald J. Trump on Dienstag, 8. Dezember 2015

Video: Trump fordert Einreiseverbot für Muslime
US-Vorwahlen

ayy

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