Trumps Schwiegersohn Kushner soll geheimen Gesprächskanal zum Kreml sondiert haben

Bei den Ermittlungen zu Russlandkontakten des Trump-Teams rückt dessen Schwiegersohn und Berater immer mehr in den Fokus: Jared Kushner soll intensivere Kontakte nach Moskau gehabt haben als bislang bekannt.

Jared Kushner
REUTERS

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Donald Trumps Schwiegersohn, Jared Kushner, soll die Möglichkeit eines geheimen Gesprächskanals zum Kreml erwogen haben. Das berichten die "Washington Post" und die Nachrichtenagentur Reuters übereinstimmend. Demnach führte Kushner im Dezember 2016, nach der Wahl Trumps zum US-Präsidenten, entsprechende Gespräche mit dem russischen Botschafter in Washington, Sergej Kisljak.

Die "Washington Post" beruft sich auf Regierungsbeamte, die in der Sache informiert wurden. Quelle sollen russische Aufzeichnungen sein. Für das FBI prüft Robert Mueller als Sonderermittler die Frage, ob das Trump-Lager in Verwicklungen mit der russischen Regierung verstrickt war. Kushner, einer der wichtigsten Berater des Präsidenten, hatte sein Treffen mit Kisljak zunächst nicht pflichtgemäß angegeben, dies jedoch später nachgeholt.

Den Berichten zufolge soll Kushner vorgeschlagen haben, die russische Botschaft in Washington für die Kommunikation zwischen Trumps Übergangsteam mit dem Kreml zu nutzen. Ein geheimer und sicherer Draht hätte gewährleisten sollen, dass die Kommunikation abgeschottet bleibt.

"Kushner hat an Tausenden Gesprächen teilgenommen"

Bereits während des Wahlkampfes habe es zudem zwei Telefongespräche zwischen Kushner und Kisljak gegeben, berichtet Reuters unter Berufung auf zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. Bei den Gesprächen sei es um den Kampf gegen den Terrorismus und eine Verbesserung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den USA und Russland gegangen, sagten sechs Insider.

Kushners Anwältin erklärte, ihr Mandant erinnere sich nicht an die Gespräche, die den Informationen nach zwischen April und November 2016 geführt wurden. "Herr Kushner hat in dieser Zeit an Tausenden Gesprächen teilgenommen", sagte sie.

Die US-Bundespolizei FBI sei Anfang des Jahres bei ihren Ermittlungen zu einer möglichen russischen Einflussnahme auf den Wahlkampf auf Kushner aufmerksam geworden, sagten ein aktiver und ein ehemaliger Mitarbeiter des Sicherheitsapparats. Kushner sei aber nicht ein Ziel in diesen Ermittlungen, sagte der noch aktive Mitarbeiter. Das FBI lehnte eine Stellungnahme ab. Die russische Botschaft erklärte, sich grundsätzlich nicht zu einzelnen diplomatischen Kontakten zu äußern. Vom US-Präsidialamt war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

cte/dpa/Reuters

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