Brexit-Äußerungen Corbyn verbittet sich Einmischung Trumps

Donald Trump sorgt bereits vor seinem Besuch in London für Ärger: Der US-Präsident lobt Brexit-Hardliner und sagt, wen er sich als neuen britischen Premier wünscht. Labour-Chef Corbyn zeigt sich empört.

Chef der britischen Labour-Partei Jeremy Corbyn
Peter Summers / Getty Images

Chef der britischen Labour-Partei Jeremy Corbyn


Der britische Oppositionsführer Jeremy Corbyn hat das Plädoyer von US-Präsident Donald Trump für Boris Johnson als künftigen britischen Premier als "inakzeptable Einmischung" verurteilt. Zuvor hatte er bereits eine Einladung zum Staatsbankett mit Trump in der kommenden Woche abgelehnt.

Trump hatte den Brexit-Hardliner Johnson in den vergangenen Tagen mehrmals gelobt, ebenso wie den Ober-Brexiteer Nigel Farage. Der britischen Zeitung "Sun" sagte der US-Präsident, dass Johnson als Nachfolger von Theresa May eine "exzellente Wahl"wäre. Außerdem erklärte Trumps Sicherheitsberater John Bolton, dass der Brexit gut für amerikanische Interessen wäre.

"Präsident Trumps Versuch zu entscheiden, wer der nächste britische Premierminister sein wird, ist eine völlig inakzeptable Einmischung in die Demokratie unseres Landes", teilte der langjährige Politiker Corbyn daraufhin in einer Erklärung mit. "Der nächste Premierminister sollte weder von US-Präsidenten noch von den nicht repräsentativen 100.000 Mitgliedern der konservativen Partei, sondern von den Briten in allgemeinen Wahlen bestimmt werden", fügte er hinzu.

Großbritanniens Premierministerin May hatte in der vergangenen Woche ihren Rücktritt als Vorsitzende der Conservative Party für den 7. Juni angekündigt.

Bisher kündigten zwölf Abgeordnete an, sich für den Parteivorsitz zu bewerben. Ihre Zahl soll von den konservativen Abgeordneten auf zwei Kandidaten reduziert werden, welche dann in einer Abstimmung aller Parteimitglieder antreten.

Trump hatte Mays Parteikollegen Johnson bereits bei seinem letzten Besuch in Großbritannien im Juli 2018 gelobt und kurz nach dessen Rücktritt im Protest gegen May gesagt, Johnson habe die Fähigkeiten, Premierminister zu werden.

Johnson selbst kommentierte Trumps jüngste Unterstützung nicht.

An diesem Montag wird Trump in Großbritannien zunächst von der Queen empfangen, später dann auch von May. In dem Land wird mit massiven Protesten gegen den US-Präsidenten gerechnet.

mal/Reuters



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Atheist_Crusader 01.06.2019
1.
Natürlich hat Corbyn Recht. Aber die Realität ist: es ist völlig egal ob er das akzeptiert oder nicht. Die USA haben einen derartiges politisches Gewicht - gerade verglichen mit den Briten - dass Trump sich auch weiterhin wie der hinterletzte Mensch benehmen kann ohne dass ihm Jemand die Stirn bietet. Das können sich nur Großmächte wie China leisten. Europa könnte auch so eine sein, aber dazu bräuchte es halt eine geeinte und starke EU... und das wollen die Briten ja nicht. Von daher: selbst gewähltes Schicksal. Wer alleine gelassen werden will, der steht dann eben auch alleine.
Poli Tische 01.06.2019
2. Labour-Chef Corbyn......
....ist sich sicher bewußt, dass Trump auf seine Aussage prompt auf allen Kanälen reagieren wird. Eine gute Taktik von Corbyn. Boris Johnson wird es schon grausen, von Trump zu hören. Im Gegensatz zu den USA hat Trump in Großbritannien eher einen schlechten Ruf. Sein Favorit verliert durch Trump.
Profdoc1 01.06.2019
3. Recht hat er, ...
der Herr Corbyn.
Leser1000 01.06.2019
4. Nichts Neues
Trumps Motiv liegt auf der Hand. Hauptsache es geht gegen die EU. Boris kommt ihm da gerade recht. Ansonsten sind ja sowieso alle großartig die er trifft von Kim Jong un bis sonst wen. Die Halbwertszeiten präsidentialer Gunst liegen allerdings bei Null.
j.w.pepper 01.06.2019
5. Corbyn...
...sollte einach mal die Klappe halten und sich aus der Politik zurückziehen. Nein, ich bin natürlich nicht vor Ort involviert, um das ernsthaft entscheiden zu können. Aber nach dem, was hier ankommt, handelt es sich bei Corbyn um einen marxistischen Träumer, der sich von einem Brexit das zu erartende Chaos in UK erhofft, um anschließend seine sozialistischen Spinnereien durchzusetzen. Corbyn ist deshalb nicht mehr und nicht weniger als die Fünfte Kolonne der Brexiteers (egal, in welchem Umfang diese durch Putin & Co. beeinflusst sein mögen). Ohne diese Egomanie ihres Vorsitzenden hätte sich die Labour Party auch offizeill für das einzig Vernünftige entschieden und eingesetzt: nämlich den Verbleib in der EU, der übrigens auch weitaus weiter gehende Arbeitnehmerrechte gewährleistet hätte als das, was jetzt unter Führung von Leuten wie Johnson oder Farage zu erwarten ist. Shame on you, Mr. Corbyn. You goofed it - big time.
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