Donald Trump im TV "Ich war bisher sehr nett"

In seinem ersten TV-Interview nach dem jüngsten Fernsehduell holt Donald Trump zum Rundumschlag aus. Es geht um das Skandalvideo, innerparteiliche Gegner - und eine mögliche Wahlniederlage.

Donald Trump
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Auch beim zweiten TV-Duell gegen Hillary Clinton sah Donald Trump nicht besonders gut aus, statt um Politik ging es vor allem um persönliche Attacken, das Niveau war unterirdisch. Die Debatte fand vor drei Tagen statt - und seitdem steht Trump umso mehr in der Kritik. Die kommt nicht nur aus dem Lager des politischen Gegners, sondern vermehrt auch von führenden US-Republikanern. In seinem ersten TV-Interview seit der Debatte hat Trump nun auf die Kritik reagiert.

"Ich habe diese Nicht-Unterstützung satt", sagte er in der TV-Sendung "The O'Reilly Factor" des Senders Fox News. "Fakt ist, ich denke, wir sollten Unterstützung bekommen, und wir bekommen keine Unterstützung von Typen wie Paul Ryan." Der Sprecher des Abgeordnetenhauses ist derzeit der mächtigste US-Republikaner, er hatte kürzlich angekündigt, sich nicht mehr für Trump einzusetzen.

Ryan sei übersensibel, sagte Trump nun. "Wenn du niest, meldet er sich zu Wort und erklärt, das sei eine schreckliche Sache." Er wolle Ryans Unterstützung gar nicht, sie interessiere ihn auch nicht. Zuvor hatte sich Trump schon bei Twitter über Ryan und andere "illoyale Republikaner" ausgelassen.

In einem seiner berüchtigten Tweets hatte Trump erwähnt, wie angenehm es sei, dass er jetzt alle Fesseln los sei. Bei diesen Fesseln, so erklärte er nun im TV-Interview, handele es sich um einige Republikaner, die schwach und ineffizient seien. Darunter sei auch Ryan, der "gemein zum Nominierten ist".

Die jüngste Kritik am Präsidentschaftskandidaten der Republikaner war an einem Video aus dem Jahr 2005 entfacht: Darin ist Trump zu hören, wie er mit sexuellen Übergriffen auf Frauen prahlt. Sollte er deswegen die Präsidentschaftswahl am 8. November verlieren, "wäre das sehr schade", sagte Trump. "Dann muss ich zu meinem anderen Leben zurückkehren." Er glaube aber weiterhin an seinen Sieg.

Trump wiederholte, bei seinen Worten handle es sich um "Umkleidesprech". US-Präsident Barack Obama hingegen sagte bei einer Wahlkampfveranstaltung in North Carolina erneut, die Äußerungen seien inakzeptabel - sie würden selbst für einen Job im Supermarkt disqualifizieren.

Video-Chronik: Wie Trump mit sexuellen Übergriffen prahlt

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In einer aktuellen Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos liegt Clinton mit 45 Prozent klar vor Trump, er kommt auf 37 Prozent. In der Vorwoche hatte der Unterschied zwischen beiden Kandidaten nur bei fünf Prozentpunkten gelegen.

Die Umfrage wurde nach der zweiten TV-Debatte erstellt, befragt wurden 2386 Amerikaner. Beobachter hatten Clinton schon kurz nach Ende des Schlagabtauschs zur Siegerin gekürt. Das Duell fand als sogenanntes Town Hall Meeting statt, die Kandidaten konnten sich dabei frei auf der Bühne bewegen. Unangenehm aufgefallen war dabei Trump, der sich wiederholt recht nah hinter Clinton geschlichen hatte, während diese sprach.

Video-Analyse zum Duell: "Gruselig, aber leider clever"

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Er selbst habe das ganz anders wahrgenommen, sagte nun Trump. Er sei nicht in Clintons Nähe gekommen, im Gegenteil. "Ich stand an meinem Pult und plötzlich kommt sie aus dem Nichts und läuft direkt vor mich." Das dritte und letzte TV-Duell findet am 19. Oktober statt.

Noch etwas wollte Trump im Interview klarstellen: Er halte sich gar nicht für besonders direkt, sagte er. "Wirklich nicht. Ich denke, ich war bisher sehr nett."

aar/AP/Reuters

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teddyhh 12.10.2016
1. Komische Vorstellung von sehr nett..
hat Herr Trump da... aber gott lob müssen wir uns in 4 Wochen nicht mehr mit ihm beschäftigen wenn (und das ist ein zeitliches "wenn" und kein ob) er die Wahl verloren hat... dann verschwindet dieser unsägliche Mensch wieder in seinem Tower und bastelt an seiner Reality-Show...
akkzent 12.10.2016
2. Aber Herr Obama
- Präsident Barack Obama hingegen sagte bei einer Wahlkampfveranstaltung in North Carolina erneut, die Äußerungen seien inakzeptabel - sie würden selbst für einen Job im Supermarkt disqualifizieren. - Hoppla, da werden aber ganz schnell die Mitarbeitenden eines Supermarkts diskreditiert, auch wenn da keine Absicht dahintersteckt. Wenn man nun die gleichen moralischen Ansprüche wie bei Kollege Trump stellt ....
RalfHenrichs 12.10.2016
3. Ich sehe nur noch eine Chance für Trump
dass die Umfragen falsch sind. Und das jetzt nicht wegen Verschwörungstheorie sondern weil die Leute falsche Antworten geben. Wenn sie gefragt werden: wollen sie Clinton oder Trump wählen, antworten die meisten sicherlich Clinton, weil Trump ein No-Go ist, NOCH unsympathischer als Clinton (und das ist echt schon eine Leistung). In der Wahlkabine könnten sie sich aber fragen, von wem profitiere ich persönlich mehr, wer würde eine bessere Politik für den einfachen Arbeiter machen: und dann verschämt Trump wählen. Ich bin sicher, dass man diesen Effekt berücksichtigen muss, aber sollte der Abstand nicht zu groß werden, denn so extrem wird dieser Effekt auch nicht sein.
Cluedo 12.10.2016
4. Merkwürdige Vorstellung .....
Zitat von RalfHenrichsdass die Umfragen falsch sind. Und das jetzt nicht wegen Verschwörungstheorie sondern weil die Leute falsche Antworten geben. Wenn sie gefragt werden: wollen sie Clinton oder Trump wählen, antworten die meisten sicherlich Clinton, weil Trump ein No-Go ist, NOCH unsympathischer als Clinton (und das ist echt schon eine Leistung). In der Wahlkabine könnten sie sich aber fragen, von wem profitiere ich persönlich mehr, wer würde eine bessere Politik für den einfachen Arbeiter machen: und dann verschämt Trump wählen. Ich bin sicher, dass man diesen Effekt berücksichtigen muss, aber sollte der Abstand nicht zu groß werden, denn so extrem wird dieser Effekt auch nicht sein.
.... dass man ausgerechnet Trump mit einer "besseren Politik für den einfachen Arbeiter" überhaupt nur im Entferntesten in Verbindung bringen könnte. Trump ist ein Millionärskreise hineingeborener und mit allem, was wirtschaftlich und politisch "Establishment" genannt werden kann, vernetzter rücksichtsloser Wirtschaftshai. Dass er redet, als käme er aus der Gosse, macht ihn noch nicht zu einem Vertreter der "Arbeiter". Er vertritt nur seine eigenen Interessen und hält sich selbst für wichtig und bedeutend, mehr habe ich von ihm noch nicht gehört, und das ein paar Wochen vor der Wahl. Da kommt nichts mehr, weil nicht mehr da ist. Und deshalb wird seine mit Geld getriebene Kampagne am Wahltag implodieren.
Fragen&Neugier 12.10.2016
5. ständige Wahlspots wirken
Zitat von RalfHenrichsdass die Umfragen falsch sind. Und das jetzt nicht wegen Verschwörungstheorie sondern weil die Leute falsche Antworten geben. Wenn sie gefragt werden: wollen sie Clinton oder Trump wählen, antworten die meisten sicherlich Clinton, weil Trump ein No-Go ist, NOCH unsympathischer als Clinton (und das ist echt schon eine Leistung). In der Wahlkabine könnten sie sich aber fragen, von wem profitiere ich persönlich mehr, wer würde eine bessere Politik für den einfachen Arbeiter machen: und dann verschämt Trump wählen. Ich bin sicher, dass man diesen Effekt berücksichtigen muss, aber sollte der Abstand nicht zu groß werden, denn so extrem wird dieser Effekt auch nicht sein.
Der Effekt wird da sein, auch die Netzaktivitäten sind nicht unbedingt ein treffender Indikator. Ein anderer Wahlanalyst bemerkte aber, dass sich die Ressourcen bemerkbar machten, wenn ein Verhältnis von 1:2 erreicht sei. Hier soll es 1:10 sein. Die ständigen Spots von Hillary Clinton würden sich auswirken, das sei wie bei jeder anderen Werbung auch. Was tagtäglich über den TV-Schirm flimmere, das werde einem vertraut und der Mensch liebe das Vertraute, zumal gar keine Fakten kämen, sondern nur die beiden "Persönlichkeitsmarken" thematisiert würden. Das war vor ein paar Wochen. Im Gegensatz zu superklugen TV-Duell-Analysen finde ich das eine kluge Analyse.
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