Marc Pitzke

Donald Trump Schluss mit lustig

Lange galt Trump als Witzfigur. Seine Tiraden, seine Ausfälle, seine Frisur: "The Donald" garantierte Bombenstimmung und mediale Aufmerksamkeit. Doch jetzt bedroht er den Weltfrieden. Es ist Zeit, radikal umzudenken.
Donald Trump

Donald Trump

Foto: Evan Vucci/ AP

Dieser US-Präsidentschaftswahlkampf war mal lustig. Insbesondere auf Seiten der Republikaner: 17 Vorwahlkandidaten balgten sich da anfangs, darunter obskure Gouverneure und Ex-Gouverneure, ein Gehirnchirurg a.D., der obligatorische Rick Santorum sowie Immobilien-"Mogul" und Reality-"Star" Donald Trump. Die ersten Debatten mussten in zwei Schichten stattfinden, da nicht alle Herren - und die eine Frau - gleichzeitig auf die Bühne passten.

Auch Trump war mal lächerlich und amüsant. Selbst wenn er sich menschenverachtend über alle mokierte, die ihm im Weg standen: Immigranten, Frauen, Muslime, Behinderte, Veteranen und die Parteirivalen, die nacheinander aus den Latschen kippten - "Little Marco", "Low-energy Jeb", "Lyin' Ted". Es war eine spektakuläre TV-Show, brachte tolle Quoten und jede Menge Aufmerksamkeit. Irre, was der Trump wieder gesagt hat! Dass es hier ums mächtigste Amt der Welt ging, geriet bei all der Belustigung vielen schnell in Vergessenheit.

Doch jetzt ist Schluss mit lustig. Trump hat seine wahre Seite gezeigt. Und siehe da, die menschenverachtende Show war gar keine Show, wie viele dachten, sie war keine Maske, aufgesetzt für die Vorwahlen. Die menschenverachtende Show war Trump. Sie ist Trump. Hinter dem bösen Mr. Hyde steckt kein guter Dr. Jekyll. Donald Trump ist das Monster Hyde, pur und ganz ohne Jekyll - ohne Mitgefühl, ohne Reue, ohne Selbstkontrolle.

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Und das ist nicht mehr lustig. Es ist an der Zeit, Trump nicht länger als normalen Kandidaten zu behandeln, ihn semantisch gleichzustellen mit den anderen - allen voran Hillary Clinton, die ihrerseits zwar eine beschädigte, dubiose Kandidatin ist. Doch eine Präsidentin Clinton wäre keine Gefahr für den Weltfrieden.

Das Trump-Spektakel - begafft, geduldet, gratis propagiert von vielen Medien - ist zur internationalen Katastrophe geworden. Viele Amerikaner erwägen allen Ernstes, einen Mann an die Nuklearcodes zu lassen, der zur Gewalt gegen den politischen Gegner aufruft und dann augenzwinkernd sagt, er sei mal wieder falsch verstanden worden. Seine Anhänger verstehen ihn kaum falsch: Gedemütigt vom demografischen Wandel und dem kaputten System der USA, waren sie gewaltbereit von der ersten Stunde an. Sie warteten nur auf ihren Führer.

Dass dieser lügt, dass er keine Ahnung hat von Weltpolitik, Innenpolitik, Wirtschaftspolitik oder den Finessen der Diplomatie, das stört sie nicht. Zu lange schon leben sie in einer Scheinwelt, in der Realität und Wahn verwischen. Trumps Fantastereien legitimieren sie.

Auch stört es sie nicht, dass er selbst nichts von dem glaubt, was er sagt. Trump ist eine TV-Kunstfigur, eine leere Hülle, ein angeblicher Milliardär, der den Mann des Volkes spielt. Seine "Positionen" wechseln mit dem Klima der Hallen, in denen er herumbellt wie ein Taschendiktator aus einem B-Movie. Sein "Programm" ist ein Sammelsurium aus abgegriffenen Talkingpoints, die ihm andere in den Teleprompter gelegt haben, vom dem er sie widerwillig abliest, bevor er sich lieber wieder seinem Lieblingsthema widmet: Trump.

Trump sei ein neuer Hitler, sagen manche, ein neuer Mussolini. Ein Despot in spe, der sich das Volk mit Panikmache unterjoche. Dafür jedoch ist er viel zu faul: Er will nur siegen - am anschließenden, mühsamen Regierungsgeschäft hat er bisher keinerlei Interesse gezeigt und wird es sicher auch nie zeigen.

Dazu fehlt ihm auch jede politische Agenda. Trumps einzige Agenda ist er selbst, ist die Möbiussschleife der Selbstbestätigung: "Keiner kennt das System besser als ich, weshalb ich allein es richten kann", rief er beim Parteitag - ein Satz, der die ganze Illusion seines Konstrukts enthüllte.

Solche Leute sind aber nicht minder gefährlich als Diktatoren mit einer Mission. Denn die Möbiusschleife ist jetzt gerissen: Trumps Aufstieg beruhte einzig auf dem Prinzip des ewigen Siegens. Doch nun siegt er nicht mehr. Die meisten Medien haben sein Spiel längst durchschaut, ebenso die meisten Republikaner. Auf beiden Seiten haben viele in ihrem zynischen Opportunismus so lange mitgespielt, wie Trump ihnen Quoten, Klicks und Wahlchancen garantierte. Jetzt auf einmal springen sie ab, doch nicht aus Gewissensbissen, sondern nur aus Angst um die eigene Existenz.

Zu spät. Die Katastrophe ist nicht mehr aufzuhalten. Selbst und gerade wenn Trump verliert oder aussteigt: Er wird sein Spielzeug kaputtmachen wie ein beleidigtes Kind. Schon jetzt hat er die US-Gesellschaft nachhaltig vergiftet, er hat eine 162-jährige Partei zerstört. Seine aufgepeitschten Jünger werden das Feld nicht in Frieden räumen. Lustig wird das nicht werden.

Im Video: Trumps Waffen-Appell - Gewaltaufruf gegen Clinton?

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