US-Wahlkampf Achtung, Mrs Clinton!

Donald Trump steht als Präsidentschaftskandidat der Republikaner fest, jetzt könnte er sogar Hillary Clinton schlagen. Und zwar aus einem ganz einfachen Grund.

"The Donald" und Melania Trump in Manhattan
AFP

"The Donald" und Melania Trump in Manhattan

Ein Kommentar von , Washington


Mit politischen Prognosen ist das so eine Sache. Komischerweise tritt doch häufiger als gedacht genau das Szenario ein, das zuvor alle Bescheidwisser ausgeschlossen haben (der Autor dieser Zeilen inklusive). So ist es auch im Fall Donald Trump.

Als er im vergangenen Sommer seine Bewerbung für das Präsidentenamt ankündigte, lachte halb Amerika laut auf. Dem Selbstdarsteller wurden im Feld der damals 17 Bewerber kaum Chancen eingeräumt. Und nun das: Nach dem klaren Sieg bei der Vorwahl in Indiana und dem Rückzug von Ted Cruz ist "The Donald" faktisch der nächste Präsidentschaftskandidat der republikanischen Partei.

Jetzt gibt es - Achtung! - wieder eine sichere Prognose vieler Experten: Trump wird bei der eigentlichen Präsidentschaftswahl im November gegen Hillary Clinton verlieren. Das mulmige Gefühl ist nur: Nach den Erfahrungen der letzten Monate könnte sich auch diese Vorhersage als falsch erweisen.

"The Donald" lädt zum Träumen ein

Zwar liegt Clinton aktuell in vielen Umfragen klar vor Trump, sie hat die Frauen, die Afroamerikaner und die Latinos auf ihrer Seite. Sie ist die erfahrenere, die vernünftigere Kandidatin. Doch Trump hat einen riesigen Vorteil: Während sie nach acht Jahren Barack Obama lediglich ein "Weiter so" verspricht, kann er frohgemut und unbefangen den radikalen Neuanfang verkünden.

Fotostrecke

8  Bilder
Vorwahlen in Indiana: Triumph und Niederlage in Indiana

Was wegen Trumps Pöbeleien gerne übersehen wird, ist sein eigentliches Erfolgsgeheimnis. Er inszeniert sich als Sieger, als Mann, der Wunder vollbringen kann. Er war erfolgreich als Immobilienunternehmer, als Showstar im Fernsehen. Nun erscheint sein klarer Triumph über Ted Cruz wie ein Beweis, dass er auch über politische Zauberkräfte verfügt.

So lädt er Amerika zum Träumen ein. Seine Botschaft, das Land wieder "großartig" zu machen, ist verführerisch. Er zielt auf die Herzen der Bürger, nicht auf ihre Köpfe. Das macht ihn so unberechenbar - und auch so erfolgreich. Verstand wird ersetzt durch Gefühl, obwohl dies in der Politik bekanntlich immer der Moment ist, in dem es meist richtig gefährlich wird.

Alles wieder "great"

Trump, der begnadete Verkäufer, lockt die Amerikaner, auch demokratische Wähler, mit der Aussicht auf ein Leben im Paradies auf Erden. Die Wirtschaft, die Jobs, das Militär - alles soll mit ihm nach Jahren der Krise wieder wunderbar beziehungsweise "great" werden. In einem hochdynamischen Einwandererland wie den USA, dessen Bürger den Mut zum Neuanfang gleichsam in ihrer DNA tragen, kann seine Botschaft verfangen.

Aufbruch, Wandel, Veränderung - diese drei Wörter bestimmen seit Jahrhunderten das Lebensgefühl der amerikanischen Gesellschaft. Und die Amerikaner lieben Sieger. Viele sagen sich deshalb: Warum sollen wir es nicht mit dem neuen Typ versuchen? Frei nach dem Motto: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

So könnte am Ende der nächste Präsident tatsächlich Donald Trump heißen. Klar, auch das ist nur wieder eine Prognose. Und: Hoffentlich ist sie falsch.

Ergebnisse der US-Vorwahlen
insgesamt 192 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
garfield 04.05.2016
1.
Nun, dann gibt es wohl nur noch eine Möglichkeit, einen Präsidenten Trump zu verhindern: Clinton sollte es Cruz nachmachen und sich zurück ziehen. Denn alle amerikanischen Umfragen, die ich hier auf Forenseiten verlinkt gesehen habe, räumen Sanders und nicht Clinton die eindeutig größeren Chancen gegen Trump ein (was auch kein Wunder ist). Apropos, was wieder mal auffällt: Während SpOn tapfer die "unpledged delegates" bei Clinton einrechnet (deren Stimmen FÜR Clinton aber nicht in Stein gemeißelt sind), zeigen die Balken z.B. bei Zeit Online nur die den beiden jeweils fest zugerechneten Stimmen. Und da sieht es ganz und gar nicht so aus, dass Clinton alles schon "im Sack" habe. Halbwegs sichere Tipps sollte man wohl erst nach der Abstimmung in Kalifornien abgeben.
BarisP 04.05.2016
2. Frau Clinton
war die unfähigste aller Außenminister und Staatssekretäre der USA. Sie unterstützte den USA Einsatz im Irak, sie war massgebend für gewaltsame Ablösung der "Regime" im nahen Osten. Dumm nur, dass es nicht so gekommen ist, wie sie sich vorgestellt hat. Als Präsidentin wird sie ihre Linie mit gewaltsamem Vorantreiben der neokonservativen Werte fortsetzen. Ich befürchte, es wird dann einen richtigen Krieg mit Russland geben. Und ich möchte noch ein paar Jahre leben. Auch ihre Nähe zu Wallstreet und US - Oligarchie stört mich sehr. Aber ich darf ja leider nicht wählen....
roithamer 04.05.2016
3. Eigentlich ist es doch egal
Bei Ronald Reagan mussten wir schon Angst haben, dann wieder bei George W. Bush. Aber jetzt bin ich alt genug und habe ausgeangstet. Auch unter einem Präsidenten Donald Trump wird die Welt nicht untergehen, genauso wenig wie unter einer Präsidentin Hillary Clinton. Wir können dem Präsidentenwahlkampf also ganz entspannt entgegen sehen. Hauptsache TTIP kommt.
jufo 04.05.2016
4. Amerika tickt anders
Interessanter.Beitrag. und ich kann mir vorstellen, dass der Autor recht hat. wir könnten etwas vom Mut und Optimismus der Amerikaner lernen. Muss ja nicht gleich Donald sein.
freudentanz 04.05.2016
5. Si läuft das in einer Demokratie
Ich kann mich noch gut daran erinnern wie lächerlich sich Europa machte als Barak Obama noch nicht Präsident war aber schon zum Messias erklärt worden ist. Peinlich. Europa hat sich damals komplett zum Affen gemacht. Ob Mdm Clinton eine gute Präsidentin sein wird wage ich zu bezweifeln da sie zu tief im Lobbyistensumpf steckt und ausser Anwälten und Bänkern niemanden mehr kennt. Frau Clinton wird eine Präsidentin sein für die, die es sich`s leisten können. Deutschland hat noch nicht so lange Übung in Demokratie denn sonst würden sie das Wichtigste nicht vergessen: In einer Demokratie herrscht eine Gewaltenteilung. Ausserdem gibt es den Kongress und den Senat. Wenn der Präsident etwas will, muss er an denen vorbei. Einfach Knopf drücken und machen funktioniert nur im Film
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.