"New York Times"-Bericht Trump beschimpft Journalisten nach neuen Kavanaugh-Recherchen

Der Fall Brett Kavanaugh ist auch nach seiner Ernennung zum Richter am Supreme Court nicht erledigt. Nachdem die "New York Times" neue Details veröffentlichte, knöpfte Donald Trump sich nun die Journalisten vor.

Doanld Trump: "Kann man glauben, was diese fürchterlichen Leute tun und sagen?"
Patrick Semansky / AP

Doanld Trump: "Kann man glauben, was diese fürchterlichen Leute tun und sagen?"


Brett Kavanaugh ist trotz der Vorwürfe wegen sexueller Übergriffe seit einem Jahr Richter am Supreme Court. Die "New York Times" rollt den Fall in einem Buch neu auf - und US-Präsident Donald Trump legt in seiner Kritik an der Zeitung nach. "Kann man glauben, was diese fürchterlichen Leute tun und sagen", schrieb Trump bei Twitter über das Blatt. Er schlug vor, dass die Zeitung "verklagt" werden sollte.

Schon am Sonntag hatte Trump erbost auf die Berichterstattung der "New York Times" über den von ihm im vergangenen Jahr nominierten Kavanaugh reagiert und dem Richter empfohlen, juristisch gegen das Blatt vorzugehen.

Der Präsident legte nun nach, weil die Zeitung inzwischen ihren Bericht in einem wichtigen Punkt ergänzte. Sie stellte klar, dass sie mit einem angeblichen Kavanaugh-Opfer, über welches sie berichtet hatte, nicht selbst gesprochen hatte. Zudem hätten Freunde der Frau gesagt, dass diese sich nicht an den angeblichen Übergriff erinnern könne.

Der angeblich von Kavanaugh begangene Übergriff vor Jahrzehnten während einer Studentenparty war der Zeitung von einem Ex-Kommilitonen des heutigen Verfassungsrichters geschildert worden.

Trump twitterte dazu, diese Berichterstattung solle Kavanaugh "zerstören" und "seine Meinungen beeinflussen". Der Richter am Supreme Court werde mit "Lügen und Falschnachrichten" angegriffen.

Kritiker fordern Amtsenthebungsverfahren

Vertreter der Oppositionspartei hatten nach dem jüngsten Artikel der "New York Times" neue Untersuchungen zu den Übergriffsvorwürfen gegen Kavanaugh gefordert. Die Präsidentschaftsbewerber Julian Castro und Kamala Harris verlangten sogar ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Richter.

Der Artikel der "New York Times" vom Wochenende drehte sich unter anderem um den Vorwurf, Kavanaugh habe sich vor Jahrzehnten während einer Erstsemesterparty entblößt, dann hätten andere Studenten seine Genitalien in die Hand einer Studentin gedrückt.

Laut "New York Times" hatte der mit dieser Schilderung zitierte Ex-Kommilitone den Vorwurf bereits während des Verfahrens zur Nominierung von Kavanaugh für das Oberste Gericht der USA gegenüber dem FBI vorgebracht. Die Bundespolizei sei dieser Anschuldigung jedoch nicht nachgegangen.

Gegen Kavanaugh waren im vergangenen Jahr während seines Nominierungsverfahrens eine Reihe gravierender Übergriffs- und Missbrauchsvorwürfen laut geworden. Der ohnehin wegen seiner erzkonservativen Ansichten hochumstrittene Richter erhielt deshalb erst nach einem äußerst erbitterten Streit zwischen Demokraten und Republikanern das erforderliche grüne Licht des US-Senats für seine Beförderung an den Supreme Court.

ptz/dpa

insgesamt 15 Beiträge
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meybauer 16.09.2019
1. Nicht ganz korrekt!
Die New Yorl Times hat mehr oder weniger den gesamten Artikel zurückgezogen und der Rest der journalistischen Welt hält den originalen Bericht, also nicht die Berichtigung, für voreilig, voreingenommen, lausig recherchiert, und politisch motiviert. Küonnte man ja auch im Speigel mal richtig darstellen und korrigieren. Da wurde ja auch posaunt. ("Versteckt" sich hinter "ptz" unser "Mann in New York", der Herr Pitzke? Denke schon ....)
corvey 16.09.2019
2.
Die USA sind dabei, sich mit internen Scheinproblemen zu befassen (heute nennt man das "Verbrauch von Ressourcen"), während ihr in der Welt nach und nach die Felle wegschwimmen...
2wwk 16.09.2019
3. NYT hat ihren Bericht schon gestern zurueckgenommen
Man hatte "vergessen" zu berichten, dass das angebliche Opfer sich weigert auszusagen und die Freunde/Bekannten des sog. Opfers sagen, dass sie ihnen gesagt hat, dass sie sich an NICHTS erinnern kann. Der NYT Artikel scheint FAKE zu sein. Beide Aussagen kommen aus dem "gleichen" Bericht/Buch!
ulrich-lr. 16.09.2019
4. Neue Details
Es sind wohl eher neue Gerüchte, die da veröffentlicht wurden. Wozu Beweise? Irgendwas bleibt schon kleben. Und genau das ist der Zweck.
Erythronium2 16.09.2019
5.
Verklagen wäre natürlich Unfug. Ansonsten liegt Herr Trump ja diesmal nicht so falsch. Der Umgangston in Amerika scheint nicht nur bei den Republikanern recht ruppig geworden zu sein. Wenn einer Leuchte der linksliberalen Presse wie der New York Times wirklich nichts Besseres einfällt, als diese zweifelhaften Anschuldigungen aus uralten Zeiten gegen einen obersten Richter in einem Buch aufzuarbeiten, dann ist das einfach völlig niveaulos.
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