Präsidentschaftsrennen Trump posaunt Handynummer eines Konkurrenten hinaus

Er kandidiert für die US-Präsidentschaftskandidatur - und von Fairplay hält er wenig. Wer Donald Trump in die Quere kommt, muss mit Ärger rechnen.


Die Liste derer, die auf den US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump wütend sind, wird länger. Nun dürfte es sich der Milliardär auch mit Lindsey Graham verscherzt haben, Senator aus South Carolina. Gut, Graham hatte Trump in einem Fernsehinterview ermahnt, nicht "the world's biggest jackass" (also in etwa: "der größte Vollidiot") zu werden. Das war auch nicht ganz fein. Doch Trumps Reaktion war nicht besser: Er las Grahams Handynummer vor, öffentlich.

"Er hat mir die Nummer vor drei Jahren gegeben. Ich weiß nicht, ob es noch die aktuelle ist", sagte Trump bei einer Veranstaltung in South Carolina (hier zu sehen bei CNN). Graham sei ein Idiot, ein "absolutes Leichtgewicht". Dann hielt er einen Zettel mit der Nummer in die Kameras und las die Ziffern vor. "Versuchen Sie's", sagte Trump. "Er wird nichts ausrichten, aber zumindest wird er mit Ihnen sprechen."

Graham ist Senator eben jenes US-Bundesstaats, in dem Trump die Rede hielt. Doch er nahm die Attacke mit Humor: Seine Mailbox habe sich schnell gefüllt, sagte er. Nun brauche er wohl ein neues Telefon. Auf Twitter fragte er: "iPhone oder Android?"

Wenn Trump in dem Tempo weitermacht, steht er schon bald mit seiner Kampagne einsam da: Der Immobilien-Tycoon prahlte mit seinem Vermögen von zehn Milliarden Dollar, er polterte gegen Mexikaner, machte sich einen Song von Neil Young im Wahlkampf zu eigen.

Am Wochenende ging er dann Senator John McCain an: "Er ist ein Kriegsheld, weil er gefangen wurde. Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden, okay?", sagte er. McCain war mehr als fünf Jahre in Vietnam in Kriegsgefangenschaft und wurde dort gefoltert.

Trumps Beliebtheit scheint das jedoch nicht zu schaden: Eine aktuelle Umfrage unter Anhängern der Republikaner im Auftrag von "Washington Post" und ABC News sieht Trump derzeit als klaren Spitzenreiter im Rennen um die Kandidatur. Die Demoskopen räumen ein, dass die Zahl der Befragten mit 341 sehr klein war und die Fehlertoleranz deshalb bei 6,5 Prozentpunkten liegt. Trotzdem dürfte die Umfrage Trumps Kampagne neuen Schwung geben.

Auch in einer Umfrage der Manmouth University unter Republikanern in Iowa landete er mit 13 Prozent auf dem zweiten Platz. Iowa ist deshalb besonders wichtig, weil dort im Januar 2016 die Vorwahlen beginnen.

Video-Überblick: Das sind die Bewerber für die nächste US-Wahl

vek

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