US-Nationalfeiertag Bomber und Bombast - Trump kapert den 4. Juli

Tarnkappenjets am Himmel, Panzer im Zentrum der Hauptstadt - mit einer martialischen Show hat sich US-Präsident Donald Trump am Nationalfeiertag inszeniert. Kern seiner Rede: die Macht des Militärs.

MANDEL NGAN/ AFP

Begleitet von einer aufwendig inszenierten Flugschau hat Präsident Donald Trump im Herzen von Washington die Streitkräfte gefeiert. "Unsere Nation ist heute stärker als je zuvor. Sie ist jetzt am stärksten", sagte er am Donnerstag in seiner Rede anlässlich des amerikanischen Unabhängigkeitstags. Die Veranstaltung hatte er schon im Vorfeld als "Salut an Amerika" bezeichnet.

"Seit über 65 Jahren hat es keine feindliche Luftwaffe geschafft, auch nur einen einzigen amerikanischen Soldaten zu töten. Denn der Himmel gehört den Vereinigten Staaten von Amerika", so der Präsident. Die Zukunft der USA sei auf Männer und Frauen angewiesen, die willens seien, das Land zu verteidigen. Trump, der selbst nie im Militär gedient hat, rief junge Amerikaner dazu auf, in die Streitkräfte einzutreten.

Der Präsident trat auf der Nationalpromenade in der US-Hauptstadt vor dem Lincoln Memorial auf, einem Symbol der nationalen Einheit. In seiner Rede ging er auf besondere Momente der amerikanischen Geschichte und die Gründungsmythen der USA ein, erwähnte zahlreiche Helden der amerikanischen Geschichte, darunter auch berühmte Vertreter der Bürgerrechtsbewegung.

Angriffe auf den Gegner blieben aus - Kritik kommt trotzdem

Im Zentrum der patriotisch geprägten Rede aber standen die einzelnen Teilstreitkräfte des Militärs. Während der Zeremonie flogen Militärflugzeuge und Kampfhubschrauber sowie die Präsidentenmaschine Air Force One über die National Mall im Zentrum von Washington. Außerdem wurden Panzer aufgestellt. Zahlreiche Zuhörer stimmten immer wieder "USA, USA, USA"-Sprechchöre an.

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Trumps Rede zum 4. Juli: Regen, Kampfjets, Patriotismus

Anders als von Kritikern vermutet, nutzte Trump seine Rede aber nicht für Verbalattacken auf politische Gegner oder um eigene Verdienste hervorzuheben. Trotzdem ist die Rede ein Bruch mit den Gepflogenheiten: Am Unabhängigkeitstag am 4. Juli, an dem an die Gründung der Vereinigten Staaten im Jahr 1776 erinnert wird, steht der US-Präsident für gewöhnlich nicht im Mittelpunkt und hält auch keine Rede.

Eigentlich sollte eine echte Parade her

Seine Gegner warfen ihm dann auch vor, die Spaltung des Landes weiter voranzutreiben, mit Steuergeldern eine pompöse Militärparade zu veranstalten und 16 Monate vor der Präsidentschaftswahl Werbung für sich selbst zu machen. Vor dem Weißen Haus verbrannten Demonstranten eine US-Flagge.

Trump hatte sich ursprünglich eine große Militärparade gewünscht. Er hatte am 14. Juli 2017 auf den Pariser Champs-Élysées der traditionellen Militärparade zum französischen Nationalfeiertag beigewohnt und sich beeindruckt von der pompösen Schau gezeigt. Überlegungen für eine große Militärparade in Washington wurden aber aus Kostengründen fallengelassen.

Video: Panzer in Washington

REUTERS

jok/Reuters/dpa

insgesamt 206 Beiträge
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schwarzmaler 05.07.2019
1. Heldenverehrung
Bei einem Land dessen Menschen (selbst liberale) einen so kritiklosen Umgang mit seinen Soldaten pflegt, sind Militärparaden auch nicht der große Aufreger.
1bc 05.07.2019
2. Richtigstellung
die Militaerparade wurde nicht aus Kostengruenden abgesagt, so etwas hat den Praesidenten nie gestoert und er gibt nach wie vor ungezuegelt Riesenmengen an Steuergeldern aus und das Defizit steigt und steigt. Der wahre grund ist Sicherheit: der Grund und bodenunter Washington's Strassen haelt das Auffahren der schweren Kriegsmaschinerie nicht aus und wuerde zusammenbrechen, wenn Panzer drueberrollen. Das sah wohl auch unser Stable Genius ein. Trotzdem wurden eben diese Panzer auds dem ganzen Land per Zug hergefahren (siehe Kostenpreis!) aber auf der Mall auf Spezialfahrzeugen ausgestellt, und nicht ueber die Strassen der Innenstadt donnern gelassen. Happy 4th
ebieberich 05.07.2019
3. American hubris
Seit ich denken kann habe ich nie verstanden, was jemanden eigentlich so stolz auf das Land macht, in das man hineingeboren wird. Bei den meisten hoert doch der Beitrag zur Gesellschaft mit dem Moment auf, in dem man es gerade so schafft, aus dem Mutterleib zu kriechen. Und dann faengt sofort das Schreien an, bis zum Moment, in dem man dann endlich wieder verschwindet. Und darauf soll man dann stolz sein? Bei Fox News gab's heute eine Umfrage zum 4. Juli: ueber 70% der Republikaner sind stolz darauf Amerikaner zu sein, (Kinderfolter an der Grenze inklusive, wurde aber nicht erwaehnt). Wenn man denn fragt, was sie so stolz macht, kommt meistens: Militaer, Demokratie, Verfassung, freie Rede und so. Wenn man dann nochmals nachfragt, was denn in der amerikanischen Verfassung und Demokratie so besonders ist auf das man stolz ist, kommt im allgemeinen nichts. Und dass die Amerikaner im Militaer die besten sind, ist ja mittlerweile leidlich bekannt. Was bleibt ist also ein nicht fundiertes oder irgendwie gerechtfertigtes Gefuehl von Stolz, dass letztendlich zur amerikanischen Selbstueberzeugung (oder Selbstueberschaetzung) fuehrt. Und das wurde heute mal wieder mit viel Pomp abgefeiert. Wer glaubt, dass es dabei um Unabhaengigkeit ging, irrt gewaltig.
wittchen2000 05.07.2019
4. 100% schrecklich
Die USA sind wie Dr. Jeckyll und Mr.Hyde, und jetzt gerade ist leider Mr.Hyde an der Reihe scheinbar. Ich bin lansam müde jeden Tag aufs Neue geschockt zu sein von dem unfassbaren Unsnn den Herr Trump veranstaltet Hoffentlich wird er noch rechtzeitig abgesetzt bevor es entgültig zu spät ist.
Cannonier 05.07.2019
5. Seid nicht so kleinlich
Was dem einen die Christopher Street Day Parade ist dem anderen eben die Militärshow. Zumal jede grosse Militärmacht eine hat, Russland, China. Schreibt man auch da solche kleinlichen Aufreger? Ach ich vergass: es ist halt Trump, der macht ja nichts richtig. Die Nemesis der Deutschen :)
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