Trump-Anwesen Mar-a-Lago Lagezentrum im Speisesaal - Gast soll Sicherheitsbriefing fotografiert haben

Donald Trump speiste mit Japans Ministerpräsident Abe in seinem Klub in Florida, als er vom Raketentest Nordkoreas erfuhr. Die Dinnergäste wurden Zeugen einer hektischen Lagebesprechung - und posteten offenbar Fotos auf Facebook.

Shinzo Abe und Donald Trump beim Dinner auf der Terrasse des Mar-a-Lago
AFP

Shinzo Abe und Donald Trump beim Dinner auf der Terrasse des Mar-a-Lago


Das hatten die Gäste in Donald Trumps luxuriösem Ferienresort in Florida noch nicht erlebt: Der US-Präsident speiste laut verschiedenen Medienberichten gerade mit seinem Gast aus Japan, Ministerpräsident Shinzo Abe, in seinem gut gefüllten Restaurant, als plötzlich mehrere Männer und Frauen aus seinem Stab herbeieilten. Sie hatten eine Nachricht von sicherheitspolitischer Bedeutung: Nordkorea hatte erneut eine Rakete abgefeuert.

Japan und die USA befinden sich im Konflikt mit dem isolierten Nordkorea. Machthaber Kim Jong Un hatte zuletzt in seiner Neujahrsansprache erklärt, sein Land stehe kurz vor dem Test einer Interkontinentalrakete, die auch Teile der USA erreichen könne.

Die Ausgangslage bei dem Dinner auf Trumps Anwesen Mar-a-Lago durfte also durchaus als heikel gelten. Doch aus mittlerweile gesperrten Facebook-Mitteilungen eines Klubmitglieds geht hervor, dass Trump und Abe unbedarft auf das Sicherheitsbriefing reagierten.

"Heiliger Strohsack, was für eine Hektik"

Der Investor Richard DeAgazio war an dem Abend Gast im Restaurant und sichtlich beeindruckt, was am Tisch des Präsidenten vor sich ging, berichtete unter anderem die "New York Times". "Heiliger Strohsack", schrieb DeAgazio demnach, "es war faszinierend, die Hektik beim Dinner zu beobachten, nachdem die Meldung über den nordkoreanischen Raketentest bekannt wurde."

Ein Bild DeAgazios zeigt demnach, wie Trumps Berater sich am Tisch über Abe beugen und mit einem Smartphone Licht auf Papiere werfen. Üblich wäre es in solchen Situationen, dass die Regierungschefs sich an einen sicheren Ort zurückziehen und die Lage dort analysieren.

Trump und Abe besprachen sich einige Minuten in aller Öffentlichkeit, bevor sie das Dinner verließen und weitere zehn Minuten später eine Pressekonferenz einberiefen, berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf DeAgazio.

Gäste in Hörweite, Handy gehackt?

Trumps Entscheidung, sich am Tisch zu beraten, habe gezeigt, dass der Präsident ein Mann des Volkes sei, sagte DeAgazio der Zeitung in einem Interview. Trump habe auf ihn besonnen und sehr präsidentiell gewirkt, so DeAgazio weiter.

Die "Washington Post" gibt indes zu bedenken, dass die Regierungschefs möglicherweise hochsensible Information in Hörweite von Gästen und Kellnern ausgetauscht haben; und dass die Handys, die als Taschenlampen auf die womöglich geheimen Dokumente gerichtet waren, gehackt hätten sein können.

Das Weiße Haus reagierte laut CNN nicht auf eine Anfrage, wie der Präsident auf seinem Anwesen in Florida mit sensiblen Informationen umgeht.

Rick und die Atomcodes

DeAgazio posierte laut der " New York Times" übrigens auch noch mit dem Mitarbeiter Trumps, der den Koffer mit den Codes für die Aktivierung der US-Atomwaffen trägt.

"Das ist Rick", schrieb DeAgazios lapidar zu dem Foto, "er transportiert den 'Football', den Atom-Football". So wird der Koffer mit den hochsensiblen Daten auch genannt. Inzwischen ist DeAgazios Facebook-Seite nicht mehr erreichbar.

sun

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