Ultrarechter Chefberater Steht Bannon auf Trumps Abschussliste?

Stephen Bannon soll dem US-Präsidenten nach dem rassistischen Gewaltausbruch in Charlottesville von Kritik an Neonazis abgeraten haben. Nun geht Trump offenbar auf Distanz zu seinem Chefstrategen.
Stephen Bannon

Stephen Bannon

Foto: Evan Vucci/ dpa

Er gilt als Stimme der Rechtsnationalen in Donald Trumps Team, als radikaler Kopf mit Einfluss auf den US-Präsidenten. Genau das ist jetzt Stephen Bannons Problem.

Denn nach den Ausschreitungen in Charlottesville hat Trump jede Menge Ärger. Der Grund: Er hatte die Neonazi-Krawalle zunächst nur zögerlich kritisiert - und lediglich vage und allgemein die Gewalt "auf vielen Seiten" verurteilt. Erst nach zwei Tagen und massivem Druck aus dem In- und Ausland stellte Trump klar: "Rassismus ist böse."

In der Öffentlichkeit gilt der Republikaner nun einmal mehr als Präsident, der Rechtsradikale in Schutz nimmt. Und Schuld an allem soll einer sein: Bannon.

Amerikanische Medien berichten, der Chefstratege im Weißen Haus habe Trump grundsätzlich dazu gedrängt, Rechtsextreme nicht zu heftig anzugreifen. Auch am vergangenen Wochenende sollen die beiden Männer Kontakt gehabt haben. Für Bannon geht es um eine wichtige Unterstützergruppe Trumps, die er selbst maßgeblich beeinflusst hat: Er selbst leitete einst die radikale Plattform "Breitbart News". Jetzt könnte Bannon diesen Einfluss ganz verlieren.

Laut "New York Times"  erwägt der US-Präsident schon seit Monaten, seinen Verbündeten aus Wahlkampfzeiten vor die Tür zu setzen. Trump habe Bannon in eine Art internes Exil geschickt, schreibt das Blatt. Persönlich habe Bannon den Präsidenten seit über einer Woche nicht mehr getroffen - ungewöhnlich für einen Mann, der im Oval Office lange wie selbstverständlich ein- und ausgegangen war.

Geistiger Brandstifter

Nach den Ausschreitungen im US-Bundesstaat Virginia nimmt die Kritik an Bannon zu - er gilt gewissermaßen als geistiger Brandstifter hinter den rassistischen Demonstrationen und Attacken, bei denen zuletzt sogar eine Frau ums Leben gekommen war. Bannons einstiges Internetportal soll zum Erstarken der antisemitischen und rassistischen "Alt Right"-Bewegung beigetragen haben, deren Mitglieder auch in Charlottesville demonstrierten.

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Aufmarsch der Rechten in Charlottesville: Fackeln, Fahnen, Fanatismus

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Bannon könnte schon zum Ende der Woche seinen Job los sein, berichtet nun der Sender CBS unter Berufung auf eine nicht näher genannte Quelle.

Doch schon vor den Ausschreitungen war Bannon unter Druck geraten. Laut "New York Times" soll Medienmogul Rupert Murdoch, einer der mächtigen Unterstützer des Präsidenten, Trump aufgefordert haben, seinen Chefstrategen zu feuern. Ex-Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci beschimpfte Bannon als weißen Nationalisten und machte ihn dafür verantwortlich, dass Interna an die Öffentlichkeit gelangt seien. Und Trumps neuer Stabschef, Ex-General John F. Kelly, erklärte Berichten zufolge vor Mitarbeitern, er werde Bannons Intrigen nicht akzeptieren. Trumps Schwiegersohn Jared Kushner gilt ohnehin als Gegenspieler des Chefstrategen.

Unberechenbar

Trump selbst hatte vor Monaten gezeigt, dass er nicht uneingeschränkt zu Bannon hält. Als dieser in einem "Time"-Artikel als eigentliche Macht im Weißen Haus beschrieben wurde, soll Trump äußerst verärgert gewesen sein. Kurz darauf zog er Bannon aus dem Nationalen Sicherheitsrat ab - einem Posten, den er ihm erst kurz zuvor beschafft hatte.

Doch klar ist auch: Der Präsident tut sich nicht leicht damit, Bannon einfach aus dem Weißen Haus zu jagen. Einerseits verkörpert der Nationalist jene radikale Wählerschicht, die Trump zum Sieg verholfen hat. Andererseits ist Bannon mit seiner Verbindung zur einflussreichen Breitbart-Plattform unberechenbar - gut möglich, dass er nach einem Rauswurf plötzlich gegen die Regierung schießt. Im Weißen Haus dürfte man das vermeiden wollen.

Selbst wenn Bannon geht, mögliche Nachfolger als rechtsradikale Meinungsmacher in Trumps Umfeld stehen schon bereit. Etwa Redenschreiber Stephen Miller, ein fanatischer Einwanderungsgegner. Oder Berater Sebastian Gorka. Um den gebürtigen Briten mit ungarischen Wurzeln gab es kürzlich Ärger, weil er bei einer Feier die Medaille einer ungarischen Nazi-Gruppe getragen hatte.

kev
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