Kritik von Papst Franziskus Ein Segen für Trump

Seine Rivalen wehren sich, jetzt düpiert ihn auch noch der Papst: Vor der Wahl in South Carolina wächst der Widerstand gegen Donald Trump. Und der? Scheint fast glücklich darüber.
Kritik von Papst Franziskus: Ein Segen für Trump

Kritik von Papst Franziskus: Ein Segen für Trump

Foto: Paul Sancya/ AP/dpa

Der Kandidat kommt zu spät. In der Halle des Städtchens Gaffney in South Carolina warten 3000 Anhänger ungeduldig. Was ist los mit Donald Trump?

Ja, was ist los mit ihm? Nach normalen Maßstäben des politischen Geschäfts würde man sagen: Es läuft nicht sonderlich gut für Trump. Der Papst ist auf ihn losgegangen. Ein Mann, der eine Mauer bauen wolle, um Menschen fernzuhalten, sei kein Christ, ließ Franziskus zum Abschluss seiner Mexiko-Reise wissen. Der Heilige Vater warnt vor Donald Trump. Zwei Tage vor der so wichtigen Vorwahl in South Carolina. Die christliche Rechte wird aufhorchen, sie wird sich Trump noch einmal genauer anschauen und am Ende fehlen ihm genau aus diesem Lager wichtige Stimmen.

So wird es doch laufen. Oder?

Auftritt Trump. Er wirkt aufgedreht, fast glücklich über die Vorlage des Papstes. Es interessiert ihn nicht die Bohne, was Franziskus über ihn denkt. Er spult sein Programm ab, hier eine Spitze, da eine Attacke. Trotzig ruft er: "Wir werden diese Mauer bauen!" Und: "Wir werden siegen!" Die Menge in Gaffney jubelt. Punkt aus.

Boom, boom, Trump

Es läuft schon lange nichts mehr nach normalen Maßstäben in diesem Wahlkampf, auch jetzt nicht. Trump, so scheint es, sieht in dem Duell mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche keinesfalls eine Gefahr. Eher eine Chance. "Infam" nennt er den Einwurf des Papstes. Sobald der "Islamische Staat" (IS) einmal den Vatikan angreife, würde sich der Papst noch einen Präsident Trump herbeiwünschen, schimpfte der Milliardär in einer Mitteilung . Von wegen Demut. Ich bringe die Geschichte erst noch richtig in Fahrt. Boom, boom, Trump.

Video: Papst über Donald Trump - "Dieser Mann ist kein Christ"

Die Fehde kommt aus seiner Sicht ja auch nicht wirklich ungelegen. Sie lenkt ab von Problemen, die gerade am Horizont auftauchen. Sein aggressiver Auftritt in der jüngsten TV-Debatte zum Beispiel, für die hat er schlechte Kritiken bekommen. Zwei landesweite Umfragen sehen ihn plötzlich hinter seinem Rivalen Ted Cruz. Und seinen anderen Gegnern scheint inzwischen klar zu sein, dass Trump eine echte Chance auf die Kandidatur hat, wenn sie nicht mal anfangen, sich zu wehren.

Zum Beispiel Jeb Bush. Der schimpft auf Trump, als wäre er für die Republikaner gefährlicher als Hillary Clinton. "Trump wäre ein komplettes Desaster", ruft er in einer Halle in Columbia. "Er ist kein Konservativer. Er hat unsere Partei überfallen!" Rauschender Beifall. Man kann sich in diesem Moment nicht vorstellen, dass Bush jemals auf die Idee kommen würde, Trump zu wählen, wenn dieser denn für die Republikaner ins Rennen ziehen würde.

Rubio und Haley werden Trump gefährlich

Unangenehmer als die Kritik Bushs ist für Trump die Zielstrebigkeit, mit der Marco Rubio seinen Aufstieg als Alternative zu ihm inszeniert. Der 44-jährige Senator schlägt auffallend freundliche Töne an. Er verzichtet weitgehend darauf, in South Carolina seine Rivalen per Fernsehwerbung anzugreifen, konzentriert sich auf seinen Ruf nach einem Generationenwechsel in der amerikanischen Politik und hat mit diesem Kurs eine enorm wichtige Unterstützerin gewonnen: Nikki Haley.

Die aufstrebende und äußerst beliebte Gouverneurin von South Carolina schlug sich in dieser Woche auf Rubios Seite. Nach dem Charleston-Massaker im vergangenen Juni hatte sie die Konföderierten-Flagge vom Landesparlament entfernen lassen. Das war gut und richtig. Kürzlich erwiderte sie für die Republikaner Barack Obamas Rede zur Lage der Nation. Das war professionell. Rubio und Haley: Zwei junge Kandidaten für den Wechsel. Diese Botschaft senden die beiden vor dem wichtigen Samstag aus.

Trump hat realisiert, dass die Koalition gegen ihn wächst. Noch immer liegt er in Umfragen in South Carolina klar vorne, aber auch er weiß, dass er etwas für die Mobilisierung seiner Anhänger tun muss. Je weniger Kandidaten es in den kommenden Wochen schaffen, desto umkämpfter werden die Vorwahlen.

Trump-Unterstützer in Gaffney, South Carolina

Trump-Unterstützer in Gaffney, South Carolina

Foto: ALEX WONG/ AFP

Trump über Franziskus: "Er ist ein guter Mann"

Seine Fehde mit dem Papst könnte sich in dieser Hinsicht als hilfreich erweisen, übertreiben will er es aber auch nicht. "Ich will keinen Krieg mit dem Papst. Er ist ein guter Mann", sagt er am Abend. Trump dominiert, erstmals nach längerer Zeit, mal wieder sämtliche Schlagzeilen und Nachrichtensendungen. Das reicht ihm. Und die Auseinandersetzung hilft ihm dabei, sich erneut als starker Mann zu präsentieren, der sich nichts sagen lässt. Und zwar von niemandem. Nicht einmal vom Papst.

Seine Fans lieben ihn dafür. In Gaffney sitzt Alison, 52, ganz nah bei Trump an der Bühne. Sie verteidigt ihren Helden. "Trump sagt die richtigen Dinge über Migranten", meint Alison. Und überhaupt: Der Papst sei vielleicht auch falsch übersetzt worden. Alles also ein Missverständnis. Gleich daneben sitzt Rentner William. Er glaubt nicht an ein Missverständnis. Im Gegenteil.

"Der Papst", sagt der 79-Jährige, "soll seine Nase nicht in Dinge stecken, die ihn nichts angehen".

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