Trump und die Khan-Affäre "Kampf um die Seele der republikanischen Partei"

Barack Obama, John McCain, Paul Ryan: Nach Donald Trumps Attacken gegen die Eltern eines gefallenen US-Soldaten wächst die Kritik am Präsidentschaftskandidaten. Der hat eine Verschwörungstheorie parat.

Trump in Columbus
REUTERS

Trump in Columbus


Nach seinen abfälligen Äußerungen über die Familie eines muslimischen US-Kriegsveteranen wird die Kritik am republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump lauter. Sie kommt nicht nur von der politischen Konkurrenz, sondern vermehrt auch aus seiner eigenen Partei.

Er könne nicht genug betonen, wie wenig er mit den Kommentaren von Herrn Trump übereinstimme, sagte John McCain, republikanischer Senator und Schwergewicht in der Partei. "Ich hoffe, die Amerikaner verstehen, dass dies nicht die Sichtweise der republikanischen Partei, ihrer Mitarbeiter oder Kandidaten widerspiegelt."

McCain war 2008 selbst Kandidat im Rennen ums Weiße Haus, er ist außerdem Vietnam-Veteran. Trump hatte McCain im Vorwahlkampf dafür kritisiert, dass er im Kriegseinsatz in Gefangenschaft geraten war.

"Unsere Partei hat ihn zwar nominiert", sagte McCain nun über Trump, "aber das bedeutet nicht, dass damit eine Lizenz einhergeht, die Besten unter uns zu diffamieren." Er bedankte sich bei den Eltern des getöteten Soldaten dafür, dass sie in die USA einwanderten. "Wir sind Ihretwegen ein besseres Land."

Am vergangenen Donnerstagabend hatten die Eltern, Khizr und Ghazala Khan, beim Demokraten-Parteitag in Philadelphia auf der Bühne gestanden. Khizr Khan hatte eine bewegende Rede über seinen Sohn, der 2004 im Irak mit 27 Jahren bei einem Autobombenanschlag getötet worden war, gehalten. Zudem hatte er Trump und dessen Äußerungen über Muslime kritisiert, denen dieser die Einreise in die USA verbieten wolle. Der Politiker hatte reagiert, indem er zunächst unterstellte, Ghazala Khan habe wohl nichts sagen dürfen (hier lesen Sie mehr zu ihrer Reaktion). Dann hatte er sich selbst als Opfer dargestellt, schließlich sei er "böse attackiert" worden.

"Trump kann nicht zum Präsidenten gewählt werden"

Paul Ryan, Sprecher des Repräsentantenhauses und einer der einflussreichsten US-Republikaner, sprach am Montag von einem "Kampf um die Seele der republikanischen Partei". Er nannte Trump nicht beim Namen, sondern redete bei einer Spendengala in Colorado von einem "Kandidaten der anderen Art". Er warnte davor, aus der Wahl einen "Wettbewerb der Persönlichkeiten" zu machen. Ryan hatte schon zuvor via Twitter gefordert, die Schicksale von Familien wie den Khans stets zu würdigen.

Noch deutlicher wurde Sally Bradshaw: Sie arbeitete fast 30 Jahre lang für die US-Republikaner, zuletzt als Top-Beraterin von Jeb Bush - jetzt hat sie die Partei verlassen. Das habe sie schon seit Monaten erwogen, sagte Bradshaw dem US-Sender CNN. Aber erst jetzt - nach Trumps Beleidigungen in Richtung des Ehepaares Khan - habe sie es tatsächlich getan. Trumps Worte seien "verachtenswert" gewesen und hätten sie "krank gemacht".

Die Republikaner hätten einen "absoluten Narzissten nominiert, einen Frauenfeind, einen bigotten Menschen", sagte Bradshaw. Sollte es bei der Präsidentschaftswahl im November knapp werden, werde sie für Hillary Clinton stimmen. "Donald Trump kann nicht zum Präsidenten gewählt werden."

Der amtierende Präsident Barack Obama kritisierte Trump bei einer Rede vor Hinterbliebenen und Veteranen ebenfalls - allerdings ohne ihn beim Namen zu nennen. Als Oberster Kommandierender sei er den Blödsinn leid, den manche Leute über Amerikas Militär und Soldaten erzählten, sagte Obama bei einem Treffen von kriegsversehrten Veteranen in Atlanta. "Sie repräsentieren das Beste in unserem Land", sagte Obama über Soldaten, die im Kriegseinsatz verwundet oder gar getötet wurden.

US-Milliardär Warren Buffett sagte, Trump habe mit seinen jüngsten Kommentaren "das Fass zum Überlaufen gebracht". Buffett unterstützt die Demokratin Clinton im Wahlkampf. Er werde alles dafür tun, um Trump zu schlagen, kündigte er nun an und zielte unter anderem auf die Steuererklärung des Republikaners ab. Trump weigert sich seit Monaten beharrlich, diese zu veröffentlichen, im US-Wahlkampf ist das sehr unüblich. Buffett sagte nun, Trump mache das wohl aus Angst. Und: "Du fürchtest dich nur, wenn du etwas zu befürchten hast."

Die US-Veteranenorganisation VFW veröffentlichte eine Erklärung, in der sie Trumps Worte scharf verurteilt. Er habe schon in der Vergangenheit immer wieder ausgeteilt, sobald er sich angegriffen gefühlt habe, heißt es darin. Aber die Mutter eines getöteten Soldaten zu beleidigen, überschreite eine Grenze. Das könne nicht wiedergutgemacht werden. Die Organisation veröffentlichte einen Link zu der Erklärung über ihren Twitter-Account, unter anderem John McCain verbreitete diesen.

Trumps Verschwörungstheorie

Donald Trump selbst meldete sich ebenfalls am Montag zu Wort: Er geht eigenen Angaben zufolge davon aus, dass es bei der Präsidentschaftswahl am 8. November nicht mit rechten Dingen zugehen wird. "Ich befürchte, die Wahl wird manipuliert werden, ich muss da ganz ehrlich sein", sagte Trump in Columbus im US-Bundesstaat Ohio. Einzelheiten oder konkrete Details nannte er nicht. Aber er höre "immer häufiger", dass die Wahl womöglich nicht fair ablaufen werde.

Die Veranstaltung in Columbus war Trumps erster Wahlkampfauftritt seit Beginn der Khan-Affäre. Der Politiker sprach etwa eine Stunde, erwähnte den Vorfall aber mit keinem Wort.

Khizr Khan hatte bei seinem Auftritt auf dem Parteitag der Demokraten unter anderem ein Exemplar der US-Verfassung hochgehalten und Trump gefragt, ob er diese überhaupt gelesen habe. Seitdem ist das Werk offenbar sehr gefragt: Die Taschenausgabe der US-Verfassung schaffte es inzwischen auf Platz zwei von Amazons Bestsellerliste.

Video: Khizr Khans bewegende Rede in Philadelphia

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aar/dpa/AP/Reuters/AFP

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Seite 1
niklot1147 02.08.2016
1. Warren Buffett
Der Multimilliardär unterstützt H. Clinton, Das genau ist der Grund dafür, dass sie von vielen Amerikanern verabscheut wird. Wer Clinton wählt, wählt Buffett. Dass er jetzt Wähler zur Wahl fahren will, damit sie Clinton wählen, sagt alles.
upalatus 02.08.2016
2.
Trumps Talente liegen im Destruktiven, Schauspiel, altmanninfantilem Kopfleerstand. Spass hat er dran, zweifellos, aber bitte verschone er die ohnehin zwirlige Welt damit.
muellerthomas 02.08.2016
3.
Zitat von niklot1147Der Multimilliardär unterstützt H. Clinton, Das genau ist der Grund dafür, dass sie von vielen Amerikanern verabscheut wird. Wer Clinton wählt, wählt Buffett. Dass er jetzt Wähler zur Wahl fahren will, damit sie Clinton wählen, sagt alles.
Was ist denn Ihr Einwand gegen Buffett, der in den USA in der breiten Bevölkerung ein sehr hohes Ansehen geniesst?
MannAusmNorden 02.08.2016
4. Trumps Theorie
Donal Trump glaubt, dass die Wahl nicht fair ablaufen wird? Wenn sie denn nicht fair wird, dann glaube ich aber auch dass sie eher zu Gunsten von Mr. Trump gehen wird. Und wenn das so ist, dann würde ich die Wahl wirklich anfechten... naja, mal sehen.
wildthin9 02.08.2016
5.
Zitat von niklot1147Der Multimilliardär unterstützt H. Clinton, Das genau ist der Grund dafür, dass sie von vielen Amerikanern verabscheut wird. Wer Clinton wählt, wählt Buffett. Dass er jetzt Wähler zur Wahl fahren will, damit sie Clinton wählen, sagt alles.
Nun, Mr. Buffett ist aber ein Multimillionär der schon mehrfach öffentlich erwähnt hat daß das Steuersystem ungerecht ist, weil Er weniger Steuern zahlt als seine eigene Sekräterin. "Ihn" zu wählen kann so falsch nicht sein...
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