Nach Depeschen-Leak Trump wütend, weil May an Botschafter festhält

Donald Trump hat bei seiner Twitter-Attacke gegen die britische Regierung nachgelegt: Verärgert ist der US-Präsident offenbar über Theresa Mays explizite Rückendeckung für ihren Botschafter in Washington.

REUTERS/Carlos Barria

Die Affäre um kritische interne Berichte der britischen Regierung sorgt weiter für Ärger zwischen London und Washington. Der britische Botschafter Kim Darroch beschreibt die US-Regierung darin als dysfunktional. US-Präsident Donald Trump nannte den britischen Diplomaten nun auf Twitter einen "verrückten Botschafter" und einen "sehr dummen Typen". Weiter schrieb Trump: "Ich kenne den Botschafter nicht, aber mir wurde gesagt, er sei ein aufgeblasener Dummkopf."

Offenbar in Anspielung auf Darrochs intern geäußerte, negative Einschätzung zu Trumps Regierung schrieb der US-Präsident: "Sagt ihm, die USA haben nun die beste Wirtschaft und das beste Militär auf der ganzen Welt, mit Abstand, und sie werden nur größer, besser und stärker." Die Nachricht endete mit "Danke, Herr Präsident!", womit sich Trump offenbar selbst meinte.

Wütend scheint Trump dabei vor allem über Theresa Mays Festhalten an ihrem Botschafter. Die britische Regierungschefin hatte ihr Vertrauen in den Spitzendiplomaten wiederholt bekräftigt. "Der Botschafter bleibt im Amt und wird seine Aufgaben weiterhin mit der vollen Unterstützung der Premierministerin ausführen", sagte ein Regierungssprecher nach einer Kabinettssitzung in London. Doch britische Medien zeigten sich skeptisch, ob Darroch seine Dienstzeit noch wie geplant bis Ende des Jahres durchhalten kann.

Trump hatte angekündigt, nicht mehr mit ihm zusammenzuarbeiten. Einem Bericht der BBC zufolge wurde Darroch von einem Staatsbankett zu Ehren des Emirs von Katar am Montag ausgeladen. Ein Treffen mit Trump-Tochter Ivanka und dem britischen Handelsminister Liam Fox am Dienstag soll er selbst abgesagt haben.

Wie Hunt und Johnson reagieren

Die Affäre um die geleakten Depeschen beschäftigt auch die beiden Tory-Kandidaten, die noch im Rennen um die Nachfolge von Theresa May sind: Jeremy Hunt und Boris Johnson.

  • Die Kommentare Trumps seien "respektlos und falsch", twitterte Hunt. "Wenn ich Premierminister werde, wird unser Botschafter bleiben."
  • Johnson betonte in einem Interview mit der BBC, er habe eine "gute Beziehung mit dem Weißen Haus". In seinem TV-Duell mit Hunt wollte sich Johnson am Dienstagabend nicht festlegen, ob er nach einem möglichen Sieg an Darroch festhalten werde oder nicht. Er werde nicht so anmaßend sein, zu glauben, dass er in der Lage sein werde, darüber zu entscheiden, sagte Johnson.
Johnson (l.) und Hunt beim TV-Duell des Sender ITV
Matt Frost/ITV/ REUTERS

Johnson (l.) und Hunt beim TV-Duell des Sender ITV

Für London geht es offensichtlich darum, weder die Beziehungen zu den USA zu beschädigen, noch unterwürfig zu erscheinen. Bereits am Montag hatte die britische Regierung daher beschwichtigt: Die in die Öffentlichkeit gelangten Auszüge aus den internen Berichten gäben die Intensität der Beziehungen und deren Wertschätzung durch Großbritannien nicht angemessen wieder, sagte ein Sprecher. "Das Vereinigte Königreich hat eine besondere und beständige Beziehung zu den USA, die auf unserer langen Geschichte und unserem Bekenntnis zu gemeinsamen Werten beruht, und das wird auch weiter so sein", sagte der Sprecher.

Unterdessen wurden die Forderungen in London immer lauter, den Verantwortlichen für die Weitergabe der vertraulichen Botschafterberichte zu finden. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im britischen Parlament, Tom Tugendhat, forderte sogar polizeiliche Ermittlungen.

Die britische Zeitung "Mail on Sunday" hatte am Wochenende aus vertraulichen Memos des Botschafters zitiert. Darin heißt es, der Präsident strahle Unsicherheit aus und agiere ungeschickt. Die Einschätzungen stammen den Angaben zufolge aus dem Zeitraum von 2017 bis in die Gegenwart.

mfh/AFP/dpa

insgesamt 68 Beiträge
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suferone 09.07.2019
1. Ein Vorgeschmack
auf das was GB in Zukunft erwartet! Als Mitglied der EU wären sie nicht auf gedeih und verderb einem Trump ausgeliefert sondern hätten eine Wirtschaftsmacht hinter sich. Denke die Briten werden sich noch wundern zu was sie alles gezwungen werden können! Alleine sind sie ein wirtschaftliches Leichtgewicht und solche nimmt ein Trump nicht ernst!
frenchie3 09.07.2019
2. Nun, ein Geheimnisverrat war es nicht
was der Botschafter weitergab. Donnies Reaktion würde ich als Einmischung in fremde Staatsangelegenheiten interpretieren. Würde GB nicht die EU-Abschiedstournee geben könnte man jetzt mal den amerikanischen Botschafter einbestellen um ihm beizubiegen daß Donnie (noch) nicht der Personalchef von GB ist. Und Hut ab vor Maggie
spmc-124160772355031 09.07.2019
3. Non-Nachricht
Kann es sein, dass sich hier um keine Nachricht handelt? Kann es sein, dass die Berichterstattung über 90% Trumps Tweets keine Nachrichten sind. Der Mann ist ein Lügner und seine Strategie ist die Irrationalität. Allenfalls einen Unterhaltungswert kann ich dem beimessen, mehr nicht. Warum also Energie für etwas verschwenden, das die Menschheit weiter bringt. Warum wird hier nicht über Fakten referiert oder diskutiert?
kmgeo 09.07.2019
4. USA Botschafter in Berlin
Die Beleidigung eines Botschafters durch den Gastgeber sollte man unübersetztauf Trump s Mann in Berlin übertragen
helldriver17 09.07.2019
5. Getroffene Hunde bellen am lautesten
Um das zu erkennen, was hier intern beschrieben wurde, braucht man keinen Botschafter. Das sieht jeder, der mit einer durchschnittlichen Portion Intelligenz gesegnet ist. Aber schon lustig das so ausgesprochen zu hören ... gefällt ihm natürlich nicht, also lautstark austeilen. Oje, dass es noch Leute gibt, die das glauben (wollen)...
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