Künftiger US-Präsident Trump nennt Nato "obsolet"

In einem Zeitungsinterview bezeichnet Donald Trump die Flüchtlingspolitik der deutschen Kanzlerin als "katastrophalen Fehler". Die Nato erklärt er in dieser Form überholt. Und für BMW kündigt er einen 35-prozentigen Einfuhrzoll an.
Künftiger US-Präsident Donald Trump

Künftiger US-Präsident Donald Trump

Foto: SHANNON STAPLETON/ REUTERS

Lob für den Brexit, düstere Prognosen für die EU, schärfere Grenzkontrollen in den USA: Wenige Tage vor seiner Amtseinführung macht der künftige US-Präsident Donald Trump in einem Interview deutlich, auf was sich die Welt einstellen muss.

In dem Gespräch, das die "Bild"-Zeitung  und die Londoner "Times"  mit Trump führten, kritisiert der künftige Präsident die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) als "katastrophalen Fehler".

Deutschland habe "all diese Leute" ins Land gelassen, wo auch immer sie hergekommen seien, sagte Trump. "Sie wissen, dass ich Deutschland liebe, weil mein Vater aus Deutschland stammt, und ich will mich nicht in einer ähnlichen Situation wiederfinden." Die USA würden von seinem ersten Amtstag an auf sichere Grenzen setzen.

Die Verteidigungsallianz Nato bezeichnete Trump mehrfach als "obsolet". Sie sei vor langer Zeit entworfen worden, und viel zu wenige Mitgliedsländer zahlten das, was sie müssten. "Wir sollten diese Länder schützen, aber viele dieser Länder zahlen nicht, was sie zahlen müssten", sagte er. "Das ist sehr unfair gegenüber den USA. Abgesehen davon ist mir die Nato sehr wichtig."

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Strafzölle für deutsche Autokonzerne

Den deutschen Autoherstellern könnten unter Trump harte Zeiten bevorstehen. Er sagte: "Sie können Autos für die USA bauen, aber sie werden für jedes Auto, das in die USA kommt, 35 Prozent Steuern zahlen." Dem Hersteller BMW, der 2019 eine Fabrik in Mexiko eröffnen will, legte Trump nahe, die Fabrik in den USA zu bauen.

Wenn BMW von Mexiko aus in andere Länder verkaufen wolle, sei das in Ordnung, sagte Trump. "Aber wenn sie in Mexiko eine Fabrik bauen und Autos in die USA verkaufen wollen ohne eine 35-Prozent-Steuer, dann können sie das vergessen."

Außerdem kritisierte er die Handelsbeziehungen zwischen europäischen und US-amerikanischen Autoherstellern als einseitig. "Wenn man durch die 5th Avenue geht, hat jeder einen Mercedes-Benz vor seinem Haus stehen, stimmt's? Tatsache ist, dass ihr den USA gegenüber sehr unfair wart."

Harte Zeiten für die EU

Der Europäischen Union sagte Trump nach dem Brexit, dem Austritt Großbritanniens, schwere Zeiten voraus. "Wenn Sie mich fragen, es werden weitere Länder austreten." Der Zustand der EU sei ihm aber nicht sehr wichtig. "Schauen Sie, zum Teil wurde die Union gegründet, um die USA im Handel zu schlagen, nicht wahr? Also ist es mir ziemlich egal, ob sie getrennt oder vereint ist, für mich spielt es keine Rolle." Trump sagte, er glaube an den Freihandel, aber es müsse ein kluger Handel sein, um ihn fair zu nennen.

Trump deutete außerdem eine Neubewertung der Russland-Sanktionen an. Er stellte dies in einen Zusammenhang mit atomarer Abrüstung. "Zum einen finde ich, dass es deutlich weniger Nuklearwaffen geben sollte und sie erheblich reduziert werden müssten, das gehört dazu. Aber da sind diese Sanktionen, und Russland leidet im Moment schwer darunter." Er glaube, es könne manches gehen, von dem viele Leute profitierten.

Geheimdienstberichte über angeblich kompromittierendes Material Russlands gegen ihn bezeichnete er als reine Fälschung, als "fake news". Auf die Frage, wer seiner Ansicht nach dahinter stecke, sagte er: "Ich glaube, es können wahrscheinlich die Nachrichtendienste sein, es könnten die Demokraten sein."

@realDonaldTrump twittert weiter

Den Kurznachrichtendienst Twitter will Trump auch als Präsident intensiv nutzen. "Wenn ich etwas öffentlich sage und wenn ich den Zeitungen etwas sage, und sie es nicht akkurat wiedergeben, ist das wirklich schlecht." Wenn er dagegen twittere, sei es sehr exakt und schlage sofort als Nachricht durch. Mit Pressekonferenzen erreiche er nicht annähernd die gleiche Zahl an Leuten.

Als Präsident werde er den Account @realDonaldTrump behalten. "Ich kann bing, bing, bing machen, und sie veröffentlichen es, sobald ich es twittere. Heute Morgen im Fernsehen bei Fox: ,Donald Trump, wir haben Breaking News!' Dann haue ich ein Ding raus."

asc
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