Treffen mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un Trump verspricht "Freund" Kim wirtschaftlichen Aufschwung

In Vietnam trifft Donald Trump Nordkoreas Diktator Kim Jong Un. Gelingt es den beiden, einen Friedensvertrag im Koreakonflikt auszuhandeln und das Atomprogramm zu beenden? Der US-Präsident hat viel vor.

Donald Trump erreicht den Präsidentenpalast in Hanoi
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Donald Trump erreicht den Präsidentenpalast in Hanoi


Vor seinem Gipfel mit Kim Jong Un in Hanoi hat US-Präsident Donald Trump abermals sein gutes persönliches Verhältnis zu Nordkoreas Machthaber hervorgehoben. Auf Twitter nannte er Kim seinen Freund. Zugleich stellte er dem kommunistischen Land wirtschaftliche Entwicklung und Wohlstand in Aussicht, sollte es sein Arsenal an Atomwaffen und Raketen abrüsten. "Das Potenzial ist FANTASTISCH, eine großartige Gelegenheit für meinen Freund Kim Jong Un, wie kaum eine andere in der Geschichte."

Experten der US-Investmentbank Morgan Stanley haben bereits die Chancen einer wirtschaftlichen Öffnung Nordkoreas durchgespielt. Demnach könnte eine schrittweise Liberalisierung wie in Vietnam Investitionen von bis zu neun Milliarden Dollar im Jahr nach Nordkorea locken.

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Trump trifft Kim: Showtime in Hanoi

Das zweitägige Treffen in Vietnams Hauptstadt findet acht Monate nach einem Gipfel in Singapur statt. Die erste Zusammenkunft ist nach Angaben des Weißen Hauses um 18.30 Uhr Ortszeit (12.30 Uhr deutscher Zeit) geplant. Nach der Begrüßung im Hotel Metropole wollen Trump und Kim ein 20-minütiges Gespräch unter vier Augen führen. Dann wollen beide Seiten in kleiner Runde zu einem etwa eineinhalbstündigen Abendessen zusammenkommen. Am Donnerstag sind weitere Gespräche geplant.

Trump war am Vormittag zunächst mit Vietnams Präsident Nguyen Phu Trong zusammengetroffen. Er ist zugleich Generalsekretär der Kommunistischen Partei und damit der starke Mann des südostasiatischen Landes. Die Umgebung des Hotels Metropole, wo sich Kim und Trump am Abend treffen, wurde weiträumig abgeriegelt. In der Umgebung sind auch Panzerfahrzeuge und bewaffnete Soldaten postiert.

Kim soll den Vormittag in seinem Hotel Melia verbracht haben und zeigte sich überhaupt nicht. Manche vermuten, dass er aus einem Hinterausgang verschwunden sein könnte.

Gipfelandenken in Hanoi

Über die möglichen Ergebnisse des Gipfels wird viel spekuliert. Viele erwarten eine Erklärung zum formellen Ende des Koreakriegs (1950-53). Auch über eine Schließung des nordkoreanischen Atomkomplexes Yongbyon sowie die Zulassung von Atominspekteuren, die Einrichtung von Verbindungsbüros zwischen den USA und Nordkorea und die Wiederaufnahme innerkoreanischer Wirtschaftsprojekte wird gemutmaßt.

Trotz der bereits in Singapur erklärten Bereitschaft zur Denuklearisierung wird kein Durchbruch zur Beseitigung der nordkoreanischen Atomwaffen und Raketen erwartet. Beide Seiten haben nach US-Angaben nicht einmal ein gemeinsames Verständnis, was mit Denuklearisierung gemeint ist. Auch scheint Nordkorea bislang nicht bereit, eine Liste seiner Atom- und Raketenstätten zur Verfügung zu stellen.

Mehr als 60 Jahre nach dem Koreakrieg wäre eine Friedenserklärung ein erster, symbolischer Schritt auf dem Weg zu einem Friedensvertrag. Daran müssten eigentlich auch andere wie Südkorea und China beteiligt werden. Die USA und Nordkorea befinden sich völkerrechtlich noch im Kriegszustand, weil es bis heute nur einen Waffenstillstand gibt.

Donald Trump in Vietnam
REUTERS

Donald Trump in Vietnam

Für Pjöngjang wäre ein Friedensvertrag ein Baustein für eine neue Sicherheitsarchitektur für die Region. Die stalinistische Führung will von den USA als Voraussetzung für eine Denuklearisierung glaubwürdige Sicherheitsgarantien.

Auch ob sich Nordkorea tatsächlich zur bereits angebotenen Schließung des Atomkomplexes Yongbyon und Zulassung ausländischer Inspekteure verpflichtet, muss sich zeigen. Dafür verlangt Kim korrespondierende Gegenleistungen der USA - vermutlich eine Lockerung der Sanktionen, unter denen sein isoliertes Land leidet. Konkret könnte es um die Wiedereröffnung des Industrieparks in Kaesong an der innerkoreanischen Grenze sowie die Wiederaufnahme des Reiseprogramms für südkoreanische Touristen im Kumgang-Gebirge an der Ostküste Nordkoreas gehen.

Politisch mögen die Erwartungen an das Treffen von Kim und Trump zu groß sein. Profitieren dürften dagegen zumindest Händler, Restaurantbetreiber und Künstler in Hanoi. Das Treffen der beiden markanten Politiker spiegelt sich in Kleidung, Kunst und Essen. Händler Truong Thanh Duc verkaufte etwa am ersten Verkaufstag 300 T-Shirts mit Konterfeis von Kim und Trump für umgerechnet jeweils 3,80 Euro. Am zweiten Tag kam er nicht mehr mit der Produktion der selbst bedruckten Teile nach.

Im Korea-Krieg wurden von 1950 bis 1953 schätzungsweise mehr als 3,2 Millionen Menschen getötet. Mit dem Waffenstillstandsabkommen, das den 38. Breitengrad als Grenze zwischen dem kommunistischen Norden und dem westlich orientierten Süden bestätigte, endete der Konflikt nach 37 Monaten.

Video zum Gipfel: "Formal befindet man sich im Kriegszustand"

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Offiziell unterhalten die USA und Nordkorea keine diplomatischen Beziehungen. Die USA lassen sich in dem Land von Schweden vertreten. Bisher haben beide Länder auch über Kanäle in den Vereinten Nationen kommuniziert.

apr/dpa



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KingTut 27.02.2019
1. Gedämpfte Erwartungen ...
... um es milde auszudrücken. Die seriösen US-Medien erhoffen sich von diesem Gipfel keine konkreten Ergebnisse hinsichtlich der nuklearen Abrüstung Nord-Koreas. Es wird eher befürchtet, dass es weitere Geschenke von Trump an seinen Freund Kim geben wird, während dieser insgeheim weiter aufrüstet. Dabei ist erschreckend, dass Trump wohl insbesondere auf Putin hört und ihm dermaßen vertraut, dass er dessen Wort über jenes der eigenen Geheimdienste und des FBI stellt. Der Fernsehsender MSNBC (Rachel Maddow vom 25.02.) bezog sich dabei auf besorgniserregende Berichte des Wall Street Journal und auf Aussagen des früheren FBI Direktors Andres McCabe. Übrigens: Zeitgleich mit Trump und Kim ist auch der russische Außenminister Lawrow in Hanoi. Zufall?
smokiebrandy 27.02.2019
2. Ich denke , da treffen sich zwei unheimlich gute Selbstdarsteller...
Trump braucht gerade jetzt mal wieder ein außenpolitisches Achtungszeichen...Kim braucht die Beendigung der internationalen Isolation. Trump hat keineswegs vor , den Nordkoreanern irgendwelche Sanktionen zu erlassen und Kim wird einen Teufel tun und seine Lebensversicherung aufkündigen. Keiner der beiden möchte in Vorleistung gehen...also werden wir nichts wirklich Neues nach diesem Schaugipfel zu hören bekommen Wenn Trump von Kim als seinem guten Freund spricht , scheint er keine besseren Freunde zu haben...schlecht...
justice005 27.02.2019
3. kein gutes Signal
Die Botschaft, die grade vermittelt wird, ist folgende: Man muss nur Atomwaffen bauen und die Welt bedrohen, und schon kommen die USA und bieten ein Wirtschaftswunder an. Das ist ein verheerendes Signal an die Diktatoren dieser Welt. Deshalb halte ich die Vorgehensweise von Trump für einen großen Fehler. Besser wäre es, konsequent zu signalisieren, dass der Bau von Atomwaffen keinen Sinn ergibt. Außerdem bezweifle ich auch einen Erfolg. Wirtschaftliche Stabilität und ein friedvolles zivilisiertes Leben setzt eine gewisse Ethik der Staatsführung voraus. Und ein Diktator, der keine Skrupel hat, Kritiker kurzerhand zu ermorden oder in Arbeitslager zu stecken, kann kein Land nach vorne bringen. Durch eine wirtschaftliche Hilfe wird nur der Diktator gestützt und seine Macht gefestigt. Außerdem wird Kim seine Atomwaffen auch nicht abrüsten, denn diese sind ja das einzige Druckmittel, was er hat. Wir werden also vordergründig vielleicht einen "Erfolg" sehen, aber langfristig wird sich das als sehr schlechtes Vorbild für alle anderen Diktatoren auf der Welt erweisen. So weit denkt Trump aber nicht, weil er nur sein schlicht denkendes Wählerpotential auf dem Schirm hat.
klausindo 27.02.2019
4. Trumps trip to VietNam...
ich glaube das Trunp diese Show bur abzieht um von den erdrückenden Problemen zu Hause abzulenken. Kim hat auch große Probleme im eigenen Land mit einer Hungersnot. Nord Korea wird niemals das Atomprogramm aufgeben und Trump hat sowieso keine Ahnung was hier in Asien los ist.
Hermes75 27.02.2019
5.
Zitat von smokiebrandyTrump braucht gerade jetzt mal wieder ein außenpolitisches Achtungszeichen...Kim braucht die Beendigung der internationalen Isolation. Trump hat keineswegs vor , den Nordkoreanern irgendwelche Sanktionen zu erlassen und Kim wird einen Teufel tun und seine Lebensversicherung aufkündigen. Keiner der beiden möchte in Vorleistung gehen...also werden wir nichts wirklich Neues nach diesem Schaugipfel zu hören bekommen Wenn Trump von Kim als seinem guten Freund spricht , scheint er keine besseren Freunde zu haben...schlecht...
Ob Trump jemanden als "Freund" bezeichnet hat keine Bedeutung. Für Trump ist jemand ein "Freund", wenn er in diesem Moment gerade nützlich für ihn ist - morgen kann das schon wieder ganz anders aussehen. Ob Trump grundsätzlich in der Lage ist Freunde zu haben, wage ich zu bezweifeln, da es ihm an der nötigen Empathie fehlt und er sein ganzes Leben nur von Leute Opportunisten und Ja-Sagern umgeben war. Jenseits von Trumps Charakterschwächen, ist es bemerkenswert wie erfolgreich Kim die Ziele Nordkoreas umsetzt. Es ist kein Geheimnis, dass es das oberste Ziel der nordkoreanischen Führung ist, von den USA anerkannt zu werden. Das Regime möchte auf Augenhöhe mit dem ehemaligen Kriegsgegner verhandeln und um dieses zu erreichen hat man über Jahrzehnte an der Entwicklung nuklearer Interkontinentalraketen gearbeitet. Alle früheren US-Regierung haben dem Regime Gipfeltreffen verweigert, da Norkorea mit Südkorea einen Frieden schließen müsste - nicht mit den USA. Trump in seinem unentdlich Narzissmus bietet den Nordkoreanern jetzt die Chance zu erreichen was sie immer wollten: Einen Separatfrieden mit den USA. In seinem bestreben "Erfolge" präsentieren zu können, wird Trump Kim sehr wohl entgegen kommen (siehe die Aussetzung der Militärmanöver) - das einzige was Nordkorea tun muss, ist seine Zusagen erst etwas später zu brechen, wenn die Aufmerksamkeit sich wieder auf andere Trump-Skandale richtet.
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