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31. März 2016, 03:59 Uhr

US-Wahlkampf

Trump stolpert beim Thema Abtreibung

Frauen, die abtreiben, müssen bestraft werden. Mit dieser Aussage hat US-Präsidentschaftsbewerber Trump heftige Reaktionen bei Befürwortern und Gegnern von Schwangerschaftsabbrüchen ausgelöst. Daraufhin revidierte er seine Aussage.

Frauen sollten für Abtreibungen büßen müssen, wenn diese in den USA für illegal erklärt würden. "Es muss eine Art von Bestrafung geben", sagte der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump in einem Interview des Senders MSNBC am Mittwoch. Befürworter des Rechts auf Abtreibung reagierten mit Empörung.

Die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton verkündete über Twitter: "Gerade, als man dachte, es könnte nicht schlimmer werden. Furchtbar und vielsagend."

In einem Post zeigte sie die entscheidende Sequenz des Interviews und erklärte dazu: Wir dürfen niemanden in die Nähe des Weißen Hauses lassen, der Frauenrechte so missachtet.

Auch bei Abtreibungsgegnern stieß Trumps Aussage auf Unverständnis. John Kasich, der wie Trump darum kämpft, von den Republikanern als Präsidentschaftskandidat nominiert zu werden, lehnte die Position Trumps entschieden ab. Er trete für ein Abtreibungsverbot ein, mit Ausnahmen im Fall von Vergewaltigung, Inzest oder wenn das Leben der Schwangeren in Gefahr sei. Aber natürlich dürfte eine Frau nicht bestraft werden. Er gehe davon aus, dass Trump sich nun aus der Sache herausreden wolle, er sei missverstanden worden oder er habe das so nicht gesagt. Aber: Trumps Aussage sei keine angemessene Antwort.

Die "New York Times" zitiert Jeanne Mancini von der Organisation "March for Life Education and Defense Fund" mit den Worten, Trumps Einstellung sei mit der Pro-Life-Bewegung nicht zu vereinbaren und erst recht nicht mit Frauen, die den traurigen Weg einer Abtreibung gewählt hätten. Kein Anhänger der Pro-Life-Bewegung würde jemals eine Frau dafür bestrafen wollen.

Trump, der in Meinungsumfragen bei Frauen schlecht abschneidet, ließ drei Stunden nach dem Interview eine Erklärung verbreiten, die seine Äußerungen relativieren sollte. Er plädiere für ein Verbot von Abtreibungen und für eine Regelung, wonach der Arzt zu bestrafen sei und nicht die Frau. "Die Frau ist in diesem Fall ebenso ein Opfer wie das Leben in ihrem Leib."

Schwangerschaftsabbrüche sind in den USA seit einer Entscheidung des Obersten Gerichts im Jahr 1973 weitgehend legal. 1992 bekräftigte der Supreme Court, dass die freie Entscheidung zu einer Abtreibung vom 14. Zusatz der US-Verfassung geschützt wird.

Trotzdem sind Abtreibungen in den USA ein hochbrisantes Thema, das im Wahlkampf der Präsidentschaftskandidaten Befürworter und Gegner mobilisiert. Viele Konservative lehnen Schwangerschaftsabbrüche vehement ab und betrachten dies als Kernelement ihrer politischen Überzeugungen. Wie ein Kandidat sich zu dem Thema positioniert ist daher von großer Bedeutung für seine Glaubwürdigkeit innerhalb der Partei.

Trump, der als Außenseiter antrat, aber inzwischen gute Chancen hat, Präsidentschaftskandidat der Republikaner zu werden, hat sich erst vor kurzer Zeit als dezidierter Gegner von Schwangerschaftsabbrüchen positioniert.

Am Obersten Gerichtshof steht im Juni eine der wichtigsten Entscheidungen seit Jahren zum Thema an: In dem Fall geht es um ein Gesetz in Texas, in dessen Folge 30 von 40 Abtreibungskliniken geschlossen wurden. Das Urteil hätte eine landesweite Signalwirkung.

In den Vorwahlen der Partei liegt Trump deutlich in Führung vor den beiden noch verbliebenen Mitbewerbern Ted Cruz und Kasich.

jul/dpa/AFP

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