Trump, Erdogan und die russischen S-400-Raketen Beziehungsstatus kompliziert

Die Türkei erhält demnächst hochmoderne S-400-Raketen. Für den Nato-Partner USA ist das ein Problem - denn sie stammen aus Russland. Entsprechend heikel war das Treffen Trumps und Erdogans auf dem G20-Gipfel.
S-400-Waffensystem bei einer Rüstungsschau nahe Moskau

S-400-Waffensystem bei einer Rüstungsschau nahe Moskau

Foto: MAXIM SHIPENKOV/EPA-EFE/REX

Für ein Foto posierten die Präsidenten Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan beim G20-Gipfel in Osaka beide mit gestreckten Daumen. Doch das Verhältnis ihrer Länder Türkei und USA ist derzeit durchaus angespannt - denn Erdogans Regierung in Ankara hat für ihre Streitkräfte das russische Raketenabwehrsystem S-400 gekauft.

Trump sagte nun dazu, die USA befänden sich in einer "komplizierten Situation", wie sie auf den türkischen S-400-Vertrag reagieren sollten. "Es ist ein Problem, keine Frage." Man suche nach einer Lösung, sagte Trump - und kritisierte die Vorgängerregierung Barack Obamas, weil diese für den Verkauf amerikanischer "Patriot"- Luftabwehrraketen an die Türkei Bedingungen gestellt habe.

Trump sagte aber auch: Durch den Kauf russischer Raketen seien auch Sanktionen gegen den Nato-Partner Türkei nicht ausgeschlossen. "Wir schauen uns das an." Der US-Präsident kündigte auch an, die Türkei besuchen zu wollen. Zum genauen Zeitpunkt sagte er nichts.

Erdogan: Keine Schwierigkeiten

Der Kauf des russischen Raketenabwehrsystems S-400 war bereits vor Jahren bekannt geworden. "Es ist ein abgeschlossener Deal", bekräftigte Erdogan erst vor ein paar Tagen den Erwerb. Die ersten Lieferungen werden im Juli erwartet. Als mögliche Sanktion könnten die USA die Beteiligung der Türkei an US-Kampfjets F-35 blockieren. Das Land könnte von der gemeinsamen Produktion ausgeschlossen werden.

Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan in Osaka

Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan in Osaka

Foto: Presidential Press Service/dpa

Erdogan sieht dagegen keine Schwierigkeiten in dem umstrittenen Kauf. Es gebe keine Rückschläge, man erwarte die Auslieferung, sagte er am Rande des G20-Gipfels. Laut Nachrichtenagentur Reuters sagte Erdogan auch, Trump habe ihm zugesichert, dass es keine Sanktionen wegen des S-400-Kaufs gebe. Eine Bestätigung für diese Angabe gibt es bislang nicht.

Die USA sehen in dem hochmodernen russischen S-400-System eine Bedrohung: Das Pentagon argumentiert, dass Russland über die in der Türkei installierten Raketen an Daten über die Fähigkeiten der neuen F-35-Tarnkappenflugzeuge gelangen könnte. Die USA hatten dem Nato-Partner Türkei eine Frist bis Ende Juli gesetzt, um auf den Kauf zu verzichten.

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apr/Reuters/AP
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