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22. März 2016, 01:13 Uhr

US-Wahlkampf

Trump fabuliert von "Drittem Weltkrieg mit Russland"

Donald Trump umreißt in der "Washington Post" Konturen seiner Außenpolitik, sollte er Präsident werden. Mit der Nato will er weniger zu tun haben, die Uno findet er undemokratisch, den Iran-Deal katastrophal. An die Republikaner richtet er eine Warnung.

Donald Trump hat sich in einem Interview mit der "Washington Post" dafür ausgesprochen, das Engagement der USA in der Nato zu verringern. "Wir können uns das gewiss nicht mehr leisten", sagte der 69-Jährige am Montag. "Die Nato kostet uns ein Vermögen, und ja, wir beschützen Europa mit der Nato, aber wir zahlen viel Geld."

Die USA stellten im vergangenen Jahr 72 Prozent der gesamten Verteidigungsausgaben der Nato. Führende Vertreter haben immer wieder an andere Mitgliedstaaten appelliert, ihre Ausgaben zu erhöhen.

Trump stellte insbesondere die Rolle der USA im Ukraine-Konflikt infrage. "Die Ukraine ist ein Land, das uns viel weniger betrifft als andere Länder in der Nato", sagte er. "Sie machen gar nichts. Und ich sage: "Warum kümmert sich Deutschland mit der Nato nicht um die Ukraine? Warum machen andere Länder nichts, die in der Nachbarschaft der Ukraine liegen? Warum sind immer wir diejenigen, die führen, möglicherweise den Dritten Weltkrieg mit Russland." Einen vollständigen Rückzug der USA aus der Nato schloss Trump allerdings aus.

Berater von zweifelhaftem Ruf

Trump zeigte bei seinem Auftritt am Montag in Washington einen seltenen Einblick in seine außenpolitischen Prioritäten und nannte in dem Gespräch mit der Zeitung auch die Namen seiner Berater, die allenfalls am Rande des außenpolitischen Establishments in Washington verortet sind.

Als seinen Anti-Terror-Berater stellte Trump den libanesischstämmigen Politikprofessor Walid Phares vor, der an einer kleinen Privatuniversität in Washington lehrt und als Experte für den konservativen Nachrichtensender Fox News tätig ist.

Im Verteidigungsbereich steht ihm der pensionierte General Keith Kellogg zur Seite, der nach dem US-Einmarsch im Irak im Jahr 2003 für einige Monate in leitender Funktion an der Übergangsverwaltung für das Zweistromland beteiligt war. Ebenfalls auf der Liste stehen die industrienahen Energieexperten Carter Page und George Papadopoulos.

Außerdem nannte Trump den ehemaligen Pentagon-Generalinspekteur Joe Schmitz, der laut "Washington Post" später unter anderem bei der umstrittenen US-Sicherheitsfirma Blackwater arbeitete. Für den wenig bekannten konservativen Think Tank Center for Security Policy verfasste er einen Bericht mit dem Titel "Scharia - die Bedrohung für Amerika".

Geleitet wird das außenpolitische Team laut "Washington Post" vom republikanischen Senator Jeff Sessions aus Alabama.

Kritik an der Uno

Trump kritisierte auch die Uno. Die Organisation sei "kein Freund der Demokratie, der Freiheit, den Vereinigten Staaten oder von Israel". Ein durch die Vereinten Nationen herbeigeführtes Abkommen zwischen den verfeindeten Parteien Israel und Palästina wäre ein "Desaster".

Für seine innerparteilichen Widersacher hielt er eine Warnung bereit: Sollten die Republikaner beim Nominierungsparteitag einen noch nicht genannten republikanischen Kandidaten in eine Kampfabstimmung gegen ihn schicken, könne das "desaströse Konsequenzen" haben. Dann sei der Wahlsieg der Demokraten quasi ausgemacht. "Wenn die Leute schlau sind, werden sie sich der aktuellen Bewegung anpassen", sagte der Milliardär. "Wenn sie nicht schlau sein wollen, werden sie fortführen, was sie gerade tun und damit einen herben Verlust einstecken müssen."

Wie immer gab sich Trump selbstbewusst und siegessicher: Mit ihm an der Spitze hätten die Republikaner die besten Chancen, bei den Wahlen am 8. November ins Weiße Haus einzuziehen. Als sei seine Kandidatur bereits entschieden, versprach er, sieben bis zehn mögliche Richter für den Supreme Court zu benennen.

Seit seinen jüngsten Erfolgen bei den Vorwahlen in Florida und Illinois nimmt in den USA der Widerstand gegen eine mögliche Präsidentschaftskandidatur des populistischen Milliardärs deutlich an Schärfe zu.

Trump sagte, die Einigung im Atomstreit mit Iran "zu demontieren"

Am Abend sprach Trump auch vor den Mitgliedern der Israel-freundlichen Lobby-Gruppe AIPAC (The American Israel Public Affairs Committee) - nur Stunden, nachdem ihn die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton bei ihrem Auftritt dort dafür verurteilt hat, eine neutrale Position im Israel-Palästina-Konflikt einzunehmen.

"Amerika kann sich nicht neutral verhalten, wenn es um Israels Sicherheit und Überleben geht", sagte Clinton in ihrer Rede vor AIPAC - ohne Trumps Namen direkt zu nennen. "Wer das nicht versteht, sollte nicht unser Präsident werden."

Trumps Auftritt vor der AIPAC-Mitgliedschaft enthielt eine eindeutige Botschaft. "Meine Priorität Nummer eins ist, den desaströsen Deal mit dem Iran zu demontieren." Dieser Deal sei eine Katastrophe. "Für Amerika, für Israel und für den ganzen Nahen Osten."

Mitte Januar waren nach dem Inkrafttreten des im Juli 2015 abgeschlossenen Atomabkommens die meisten Handels- und Finanzsanktionen gegen den Iran aufgehoben worden. Teheran hatte sich im Gegenzug zu weitreichenden internationalen Kontrollen seines Atomprogramms bereit erklärt. Der Westen hatte dem Iran vorgeworfen, heimlich an einer Atombombe zu arbeiten. Die iranische Regierung wies dies stets zurück.

Trump sagte, US-Präsident Barack Obama sei womöglich "das Schlimmste, was Israel je passiert ist". Der Favorit für die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner kündigte an, im Falle eines Wahlsiegs Jerusalem als israelische Hauptstadt anzuerkennen und die US-Botschaft von Tel Aviv in die "ewige Hauptstadt des jüdischen Volkes" zu verlegen.

jat/kry/Reuters/AP/AFP/dpa

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