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25. Mai 2019, 13:33 Uhr

US-Präsident in Japan

Trump steigt in den Ring

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Im Handelskrieg mit Peking hat Donald Trump zuletzt nachgelegt. Nun besucht der US-Präsident Chinas Rivalen Japan, um über Handel zu sprechen - und eine japanische Tradition zu feiern.

Sumo hat Donald Trump schon immer fasziniert, das sagte der US-Präsident vor wenigen Wochen. Nun kann er diese Faszination bei seinem mehrtägigen Besuch in Japan ausleben: Trump wird am kommenden Sonntag in der Sporthalle Rygoku Kokugikan in Tokio beim großen Sommerturnier der traditionellen japanischen Sportart dabei sein.

Im Anschluss an das Finale, das er zusammen mit seiner Frau Melania anschaut, soll er selbst noch einen Pokal überreichen - und steigt dafür in den Ring. Den Pokal, der von japanischen Medien längst Trump Cup genannt wird, ließ der US-Präsident extra anfertigen.

Es ist nicht der einzige Termin, bei dem Japans Ministerpräsident Shinzo Abe versuchen wird, seinen Gast bis zum kommenden Dienstag bei Laune zu halten. Die beiden werden vermutlich auch eine Runde Golf spielen, wie sie es etwa schon im November 2017 in der Nähe von Tokio taten.

Die Beziehung zwischen Abe und Trump ist vorbelastet. Nach seinem Amtsantritt stieg Trump aus den Verhandlungen zum Transpazifischen Freihandelsabkommen (TPP) aus, an dem neben den USA und Japan noch zehn weitere Staaten teilnehmen sollten. Die rechtsnationale Regierung von Abe wollte mit diesem Abkommen den alten Rivalen China außen vor lassen. Letztlich blieb Abe nichts anderes übrig, als das Abkommen mit den verbliebenen Staaten abzuschließen - ohne den engen Verbündeten USA.

Um China wird es oft gehen bei diesem Besuch. Mit der Volksrepublik hatte der US-Präsident im vergangenen Jahr einen Handelskrieg angezettelt, der sich weiter zuspitzt. Erst vor wenigen Wochen verhängte Trump neue Zölle auf chinesische Importe im Volumen von 200 Milliarden Dollar. Die Auswirkungen könnten erheblich sein: Organisationen wie der Internationale Währungsfonds oder die Weltbank gehen inzwischen davon aus, dass die eskalierenden Konflikte die Weltwirtschaft lähmen werden.

Trump wird vom neuen Kaiser empfangen

Auch in Japan hat sich Trump neue Feinde gemacht, als er androhte, Strafzölle auf Auto-Importe aus der Europäischen Union und Japan zu verhängen. Aus Japan werden jedes Jahr etwa 1,7 Millionen Fahrzeuge in die USA eingeführt. Erst wenige Tage vor seinem Tokio-Trip verkündete Trump, eine Entscheidung über die Zölle doch noch ein halbes Jahr aufschieben zu wollen. Die Sorgen bei den japanischen Autobauern dürften damit nicht kleiner geworden sein. Toyota wertete die Drohungen nach eigenen Angaben als Zeichen, in den USA nicht erwünscht zu sein.

Der Trump-Trip nach Tokio soll den Ärger wieder vergessen machen. Bei seinem dreitägigen Besuch wird dem US-Präsidenten eine weitere Ehre zuteil: Als erster ausländischer Staatsgast wird er von dem neuen japanischen Kaiser Naruhito empfangen. Er hatte den Thron erst im Mai von seinem Vater Akihito übernommen, der abgedankt hatte. Der Empfang für Trump sei ein Symbol für die unerschütterliche Allianz beider Staaten, erklärte der japanische Regierungssprecher Yoshihide Suga.

Auf diese Allianz mit den USA ist Abe gerade in diesen Zeiten angewiesen. Nach Informationen der "Japan Times" werden die beiden Politiker einen Marinestützpunkt in der Nähe von Tokio besuchen und dort einen neuen Hubschrauberträger begutachten. In dem Bericht wird eine anonyme Regierungsquelle zitiert, wonach der Besuch "eine Botschaft nach China senden" solle. Die Volksrepublik baut im Zuge des gigantischen Infrastrukturprojekts "Neue Seidenstraße" derzeit die maritimen Routen und die Flottenstärke der Marine massiv aus (mehr dazu lesen Sie hier). Die USA halten mit Stützpunkten in japanischem und südkoreanischem Gebiet dagegen.

Doch nicht nur die militärischen Drohgebärden, auch der Handelskrieg zwischen den USA und China sorgt in Japan für Anspannung. "Ich hoffe sehr, dass die USA und China am Ende zu einer rationalen Lösung kommen", sagte Abe. Dafür sollten sich beide Staaten an internationale Regeln halten. Im Juni wird Japan zum ersten Mal den Gipfel der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer ausrichten. Auch dafür will Abe Trump offenbar bei Laune halten: Der Gipfel in Osaka soll nicht ohne den US-Präsidenten stattfinden.

Die Bilder vom Sumoturnier dürften sich bestens eignen, um Trump als Japan-affin zu inszenieren. Vor ihm hatte schon einmal ein Staatsgast Pokale an Sumoringer verteilt: der ehemalige französische Präsident Jacques Chirac. Eine Tradition wurde daraus aber nicht, im Gegenteil: Sein Nachfolger Nicolas Sarkozy nannte den Sport einen "Wettkampf zwischen zwei fetten Männern" und "wohl kaum etwas für Intellektuelle".

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