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15. August 2017, 23:47 Uhr

Gewalt in Charlottesville

Trump sieht Schuld weiter bei Rechten und Linken

Am Montag hatte US-Präsident Donald Trump die Gewalt von Charlottesville noch deutlich verurteilt, nun verteidigte er die rechten Demonstranten. Auch zu seinem umstrittenen Chefberater Steve Bannon äußerte er sich.

US-Präsident Donald Trump hat auf einer Pressekonferenz die rassistischen Ausschreitungen in Charlottesville im US-Bundesstaat Virgina relativiert. Es gebe "Verschulden auf beiden Seiten", sagte er. Er verteidigte zugleich die rechtsextremen Demonstranten. Dort habe es ebenfalls "sehr anständige Leute" gegeben, sagte er.

Am Samstag war es bei einer Kundgebung in der Universitätsstadt in Virginia zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Nach der Attacke eines mutmaßlichen Rechtsextremisten mit einem Auto starb eine 32-jährige Frau, 35 Menschen erlitten teils schwere Verletzungen.

Trump hatte sich in einem ersten Statement noch halbherzig zu den Vorfällen geäußert - und sich damit scharfe Kritik eingehandelt. Erst am Montag reagierte er mit deutlicheren Worten. Die Anhänger des Ku-Klux-Klans und Neonazis seien "Kriminelle", Rassismus sei "böse", so Trump.

Nun relativierte er diese scharfen Aussagen zum Teil wieder. Trump vermied es erneut, die Tat eines Mannes, der mit einem Auto in eine Menschenmenge gefahren war und eine Frau getötet hatte, als Terror zu bezeichnen. Er sagte ausdrücklich, es habe auch von Seiten der Linken in Charlottesville Gewalt gegeben. "Haben sie keine Schuld?", fragte Trump rhetorisch.

Trump verteidigt späte Reaktion

Die Rechten hatten sich am Wochenende in Charlottesville versammelt, um gegen die Entfernung eines Denkmals des Kriegsgenerals Robert E. Lee zu protestieren. Manchen gilt er als Kriegsheld, anderen als oberster Verteidiger des Unterdrückungssystems der Sklaverei. Trump fragte nun rhetorisch, ob man nicht auch die Statue von Staatsgründer George Washington entfernen müsse, schließlich sei dieser auch ein Sklavenhalter gewesen.

Außerdem verteidigte er seine späte Reaktion auf die Ausschreitungen. "Ich wollte sicher sein, dass das, was ich sage, korrekt ist", sagte Trump. Man sage nicht sofort etwas, wenn man die Fakten nicht genau kennt. "Anders als viele Reporter."

David Duke, ehemaliger Ku-Klux-Klan-Anführer, bedankte sich nach der Pressekonferenz auf Twitter bei Trump für seine "Ehrlichkeit und den Mut, die Wahrheit zu erzählen". Die US-Zeitung "Politico" schrieb auf ihrer Internetseite hingegen von der "möglicherweise desaströsesten Pressekonferenz eines Präsidenten der Geschichte".

Kein klares Bekenntnis zu Chefstrategen Steve Bannon

Trump vermied ein klares Bekenntnis zu seinem umstrittenen Chefstrategen Steve Bannon. "Er ist ein guter Mann, kein Rassist", sagte er zwar und bezeichnete seinen rechtsnationalistischen Berater als Freund. Er ließ Bannons Zukunft allerdings offen: "Wir werden sehen, was mit Herrn Bannon geschieht." Ähnlich hatte er sich auch über seinen ehemaligen Sicherheitsberater Michael Flynn geäußert, bevor er ihn feuerte.

US-Medien hatten zuvor berichtet, Bannon stehe möglicherweise kurz vor der Entlassung. Der Sender CBS berichtete unter Berufung auf eine nicht näher genannte Quelle, Bannon könnte schon zum Ende der Woche seinen Job los sein. Laut einem Bericht der "New York Times" soll Medienmogul Rupert Murdoch bereits vor der Gewalt in Charlottesville Trump aufgefordert haben, Bannon zu feuern.

Bannon ist ehemaliger Chef des rechten Portals "Breitbart News" und gilt als einer der Köpfe hinter den Machtkämpfen im Weißen Haus. Bannons einstiges Internetportal soll zum Erstarken der antisemitischen und rassistischen "Alt Right"-Bewegung beigetragen haben.

ehh/AFP/dpa

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