Trump-Telefonat mit Journalisten Wenn plötzlich der Präsident anruft

Es war eine krachende Niederlage: Donald Trumps Gesundheitsreform schaffte es im Kongress nicht mal zur Abstimmung. Da griff der Präsident zum Telefon - und rief ausgerechnet bei der geschmähten Presse an.

Donald Trump (Archiv)
AP

Donald Trump (Archiv)


"Fake-News"-Vorwürfe, Schikane auf Pressekonferenzen: Zwischen US-Präsident Donald Trump und vielen Parlamentskorrespondenten knirscht es gewaltig. Um seine jüngste Niederlage im Kongress einzugestehen, rief Trump jedoch bei zwei Journalisten von "New York Times" und "Washington Post" an. Zuvor war sein Plan gescheitert, die Gesundheitsreform Obamacare durch ein Trumpcare-Gesetz abzuschaffen.

"Hallo Bob, wir haben es zurückgezogen": So soll das Gespräch mit "Post"-Korrespondent Robert Costa begonnen haben. Costa gilt laut "Politico" als der Trump-Flüsterer unter den US-Hauptstadtreportern. Bevor er nur eine Frage habe stellen können, so beschreibt es Costa für die Online-Ausgabe der "Post", habe der Präsident die Demokraten für die Niederlage verantwortlich gemacht.

"Sie (die Demokraten, Anm. der Red.) werden schon noch zu uns kommen, wir werden nicht zu ihnen gehen müssen", zitiert Costa den US-Präsidenten. "Nachdem Obamacare explodiert ist."

Die von Trump maßgeblich gestützte Gesundheitsreform hatten die Republikaner am Freitag kurz vor der Abstimmung im Repräsentantenhaus zurückgezogen, weil keine Mehrheit absehbar war. Damit nahm der Vorschlag nicht einmal die erste wichtige parlamentarische Hürde.

Fünf bis zwölf Stimmen sollen gefehlt haben, sagte der Präsident laut Costa. Mit Blick auf die Republikaner habe er ergänzt: "Ich bin ein Team-Player. Sie fielen aber etwas zurück, und das ist hart, wenn du fast 100 Prozent der Stimmen brauchst, und wir keine Stimmen, null, von den Demokraten bekommen."

Selbstkritik? Fehlanzeige. Immerhin aber schob Trump auch nicht Paul Ryan, dem republikanischen Vorsitzenden im Repräsentantenhaus, die Verantwortung zu. "Ich gebe Paul keine Schuld", sagte Trump dem "Post"-Reporter zufolge.

Costa twitterte das Telefonat fleißig mit:

Auch Costas "New-York-Times"-Kollegin Maggie Haberman erhielt offenbar einen Anruf des US-Präsidenten. Dabei habe Trump ungewohnte Disziplin gezeigt, schrieb sie ebenfalls auf Twitter: Der Präsident wolle übers Wochenende im Weißen Haus bleiben und die Folgen seines Scheiterns im Fernsehen verfolgen.

US-Vizepräsident Mike Pence kündigte derweil neue Gesundheitspläne an: "Wir werden den Obamacare-Albtraum beenden." Das Scheitern sei ein "Sieg für den Status quo in Washington, aber ich verspreche Ihnen, dass er nicht lange andauern wird", sagte er in einer Rede in West Virginia. Am Freitag sei der Kongress "noch nicht so weit" gewesen.

apr/dpa



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Nordeeskipper 25.03.2017
1.
Jetzt mal ehrlich: wenn jemand diese Story in einem Roman erfinden würde, kein Mensch fände das auch nur im entferntesten glaubwürdig.
willibaldus 25.03.2017
2.
Dann muss aber wohl eine inhaltliche Änderung her. Und mehr Gespräche darüber, um auszuloten, ob es dazu eine Mehrheit im Parlament gibt. Donald muss dann schon irgendwie noch zum Politiker werden, wenn das was werden soll.
doctoronsen 25.03.2017
3. Die anderen
Klar sind die anderen schuld. In diesem Fall die Demokraten. Wenn Fußballer einen Elfmeter verschossen haben, dann erzählen sie ja auch, der Gegner sei schuld. /Ironie aus/
jensruminy 25.03.2017
4. Trump scheint zu lernen ....
.... wer weiß, vielleicht wird er sogar später mal als ein 'guter' Präsident gelten?!?
thoscha 25.03.2017
5. Knapp daneben ist leider auch vorbei, oder Mr. Trump??
Jetzt weiß es also die ganze Welt - die Reps sind nicht Schuld an der Obama-Care Pleite! Nein, es sind einzig und allein die Demokraten. Da Sie geschlossen gegen die Gesundheitsreform gestimmt bzw. diese blockiert haben. Aber da muss ich mich doch fragen, wie kurz denn das Trumpsche Gedächnis ist?! Zu Obamas Zeiten haben die Reps einen auf Totalverweigerung gemacht, ohne Rücksicht auf Verluste. Einfach so aus Prinzip, denn die ultra- libertären bzw. erzkonservativen Anhänger der Tea-Party wollten damit nur eines erreichen: die Gesundheitsreform sollte gestoppt oder noch besser für alle - sollte sie entgültig zerschlagen werden. So war das damals also - es gab einfach trotz vieler Verhandlungen keine Chance auf einen gemeinsamen Konsens! Und so erfolgte durch die extremistischen Reps der "Government Shutdown"! Was für ein Farce und Schmach für Amerika. Diese wohl - habenden Abgeordneten, die sich alles was der Gesundheitsapparat für die Reichen hergibt leisten können, sie wollten also ihren eigenen Wählern eine gesetzliche Grundversorgung bzw. allgemeine Krankenversicherung nicht zugestehen? Menschen denen die finanzielle Möglichkeit fehlte, selbst den minimalsten Schutz zu bezahlen , sollten sich also frei entscheiden können, welchen Versicherer sie wählen wollen und wieviel sie selbst bereit sind für ihre Gesundheit zu bezahlen, unabhängig von den nicht zu vergessenden Zuzahlungen die unweigerlich dazu- kommen und sich zu horrender Größe summieren konnten! DAS war also die ART der Freiheit, für die Wähler der Reps! Und jetzt wo es um eine Reform geht, die Millionen Amerikanern die Grundlage für die Versorgung entziehen soll - die Demokraten dagegen sind, aber nicht nur des Protestes wegen sondern weil sie genau diese Menschen davor schützen wollen - da sind natürlich alle anderen Schuld nur nicht der Chef und seine hirnlose Bande. Das alles haben Mr. Trump und die republikanische Partei sicher schon vergessen, ist ja erst 3 Jahre her - eine Ewigkeit also! Trump macht sich wirklich lächerlich mit seinen unqualifizierten Äußerungen und unhaltbaren Schuldzuweisungen. Das er noch dazu seine geschmähten "Fake-News" anruft uns sich zu solchen aussagen herablässt, zeigt wie er wirklich tickt. UND er TICKT wirklich - eine Untersuchung seiner geistigen Gesundheit wäre angebracht und nötig!
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