Russlandaffäre So viele Lügen

Donald Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen gibt an, über die Russlandgeschäfte seines Chefs die Unwahrheit gesagt zu haben. Was steckt wirklich dahinter?
Donald Trump

Donald Trump

Foto: MANDEL NGAN/ AFP

Es liegt in der Natur von wirklich großen Skandalen, dass die Wahrheit zunächst nur tröpfchenweise ans Licht kommt. So war es bislang auch mit der Russlandaffäre, die seit Monaten die Präsidentschaft von Donald Trump überschattet. Doch langsam aber sicher verwandeln sich die Tröpfchen in einen regelrechten Strom von immer neuen Enthüllungen.

Michael Cohen, Paul Manafort, Roger Stone, Jerome Corsi - die Liste der Trump-Vertrauten oder Ex-Unterstützer, die in der Affäre allein in dieser Woche als Lügner, Trickser und Täuscher überführt wurden, ist beachtlich. Sonderermittler Robert Mueller, so scheint es, kommt der Wahrheit immer näher. Und so lernt auch die amerikanische Öffentlichkeit Stück für Stück, welche Verbindungen es zwischen Donald Trump, seinem Team und Russland im Wahlkampf 2016 wirklich gab.

Besonders brisant sind die neuen Enthüllungen von Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen. Der Mann, der sich selbst einst als Trumps "Fixer" bezeichnete, hat gegenüber dem US-Bezirksgericht in New York zugegeben, über seine und Trumps geschäftliche Russlandkontakte gelogen zu haben. In einem neun Seiten langen Schreiben  des Mueller-Teams für das Gericht wird detailliert geschildert, worum es in der Sache genau geht.

Michael Cohen

Michael Cohen

Foto: Yana Paskova/ AFP

Was Cohen nun zugibt

Laut Cohen hat er als Vizepräsident von Trumps Immobilienfirma noch mitten im Wahlkampf 2016 engen Kontakt zu russischen Vertrauensleuten und Mitarbeitern von Präsident Wladimir Putin unterhalten, um den möglichen Bau eines Trump-Apartmenthauses in Moskau voranzutreiben. Unter anderem kontaktierte er dafür im Frühsommer 2016 das Büro von Putins Pressesprecher. Sogar eine Russlandreise wurde geplant. Auch unterrichtete er Donald Trump und andere Mitglieder der Trump-Familie über den Fortgang des Projekts. In dem Papier für das Gericht  ist lediglich die Rede von "Individual 1" und von der "Company", es ist jedoch klar, dass es sich dabei um Trump und seine Firma handelt.

Bislang hatte Cohen vor dem Russlandausschuss des US-Senats im Herbst 2017 eine ganz andere Version geschildert. Unter anderem hatte er angegeben, die Arbeit an dem Projekt seit bereits im Januar 2016 eingestellt worden. Also noch vor dem Beginn der Vorwahlen bei den Republikanern. Er gibt an, diese Lüge seinerzeit verbreitet zu haben, um Donald Trump zu schützen. Trump sollten weitere Fragen zu seinen wirklichen Russlandverbindungen während des Wahlkampfs erspart bleiben.

Trump spielt die Sache herunter

Schlecht für Trump: Er selbst hatte bislang stets behauptet, weder er noch seine Firma hätten im Wahlkampf geschäftliche Beziehungen nach Russland unterhalten. Das ist wichtig, denn in der vergangenen Woche hat Trump einen Katalog von Fragen für Sonderermittler Mueller beantwortet, bei denen es auch um die Russlandkontakte in Sachen "Trump Tower" gegangen sein soll. Wenn Trump dort ebenfalls jeden Kontakt im Sommer 2016 bestritten haben sollte, würde dies den neuen Aussagen seines Ex-Vertrauten Cohen nun direkt widersprechen.

Trump stünde dann konkret unter dem Verdacht, eine Falschaussage vor Ermittlern gemacht zu haben, das wäre eine Straftat.

Kein Wunder, dass Trump nun wie schon im Stormy-Daniels-Skandal versucht, Cohen als Zeugen zu diskreditieren. Cohen sei ein notorischer Lügner und eine "schwache Person", erklärte der Präsident. Sein Ex-Anwalt verbreite diese Geschichten jetzt nur, um für sich in seinen diversen Verfahren eine geringere Strafe zu erreichen.

Gleichzeitig bemühte er sich, die Sache herunterzuspielen. Er habe doch durchaus das Recht gehabt, auch während seines Wahlkampfs sein Geschäft weiter zu betreiben, sagte Trump vor Reportern. "Es gab ja das Risiko, dass ich die Wahl nicht gewinne. Dann wäre ich wieder in die Firma gegangen, warum sollte ich mir also Chancen für gute Geschäfte verbauen."

Das Manafort-Problem

Ob Trump mit dieser Verteidigungsstrategie durchkommt, ist indes ungewiss. Das Ausmaß der Lügen und Widersprüche, in die sich nicht nur Cohen, sondern auch andere Trump-Unterstützer verwickeln, nährt eher den Verdacht, dass auch Trump in der Sache seit Langem schon an mehreren Stellen die Unwahrheit sagt.

Paul Manafort

Paul Manafort

Foto: Yuri Gripas/ REUTERS

Misstrauen ist zudem angebracht, weil Trump in den letzten Tagen erneut die Möglichkeit einer Begnadigung einer anderen Schlüsselfigur der Affäre ins Gespräch gebracht hat. Paul Manafort, sein Ex-Wahlkampfchef, droht wegen diverser Vergehen eine lange Haftstrafe. Trump sagte in einem Interview, eine Begnadigung von Manafort würde er nicht ausschließen: "Warum sollte ich sie ausschließen?"

Das ist pikant, weil gerade erst eine Vereinbarung von Manafort mit Sonderermittler Mueller geplatzt ist, laut der er eigentlich als Kronzeuge in der Russlandaffäre vorgesehen war. Manafort wurde bei seinem Einsatz als Zeuge von Mueller der Lüge überführt. Worum es dabei genau geht, ist unklar. Es stellte sich aber auch heraus, dass Manaforts und Trumps Verteidigungsteams bis in die jüngste Zeit engen Kontakt zueinander gehalten haben. Trumps Anwälte wurden von Manaforts Anwälten über die Fragen des Sonderermittlers unterrichtet. Das alles könnte darauf hindeuten, dass Manafort nun deshalb nicht mehr mit Mueller kooperiert, weil er lieber auf eine Begnadigung durch Trump setzt. Quasi als Gegenleistung für sein Schweigen.

Sonderermittler Mueller, so viel steht fest, wird nicht lockerlassen, bis er der Wahrheit hinter der Russlandaffäre auf den Grund gegangen ist. Dann wird die Öffentlichkeit auch erfahren, was die wahren Gründe für die vielen Lügen sind, also, ob die Russen Trump wirklich in enger Absprache zum Wahlsieg verholfen haben. Wann der Ex-FBI-Chef seinen angekündigten Abschlussbericht in der Sache vorlegen wird, ist aber weiter unklar.

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