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Außenpolitik der USA: Trumps Krisenherde

Foto: SCOTT OLSON/ AFP

Trumps Außenpolitik Auf Konfusionskurs

Er provoziert, befiehlt, verwirrt: In der Außen- und Sicherheitspolitik zeigt sich Donald Trump unberechenbar. Welche Ziele verfolgt der US-Präsident in Krisenregionen - und hat er überhaupt eine Strategie?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der mächtigste Mann der Welt hat keinen Plan, welche Rolle die USA im Ausland spielen sollen. Dieser Eindruck drängt sich auf, wenn man eine außenpolitische Bilanz der ersten Wochen Donald Trumps im Weißen Haus zieht. Statt Ordnung und Klarheit, wie Trump sie im Wahlkampf versprochen hatte, herrscht Verwirrung und Chaos.

Nicht nur der überraschende Luftschlag in Syrien, auch der Abwurf einer gigantischen Bombe in Afghanistan oder Drohungen in Richtung Nordkorea sollten Stärke und Tatkraft demonstrieren. Doch über eine Strategie für das, was nach den Blitzaktionen folgen soll, lässt Trump seine internationalen Partner im Unklaren.

Was will Trump in den globalen Krisenregionen? Welche Absichten hegt er in Ländern, mit denen die USA diplomatisch über Kreuz liegen oder in denen sie militärisch aktiv sind?

Klicken Sie sich durch die Weltkarte für den schnellen Überblick der außenpolitischen Brennpunkte der Trump-Regierung. Weiter unten können Sie detailliert nachlesen, welche Interessen der US-Präsident in einzelnen Regionen verfolgt.

Naher Osten: Labyrinth ohne Ausweg

US-Marschflugkörper vor der syrischen Küste

US-Marschflugkörper vor der syrischen Küste

Foto: Ford Williams/ dpa

Keine Region hat amerikanische Präsidenten vor so unlösbare Probleme gestellt wie der Nahe Osten. Seit Trump ist die Lage noch verworrener. In den Bürgerkrieg von Syrien griff er als erster US-Präsident mit Militärschlägen direkt ein, seine Strategie bleibt diffus: Die Rede ist von weiteren US-Bodentruppen und einem "politischen" Ende des Machthabers Baschar al-Assad - dafür bräuchte man Russland. Auch im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern gibt es keine klare Linie: Anfangs stellte Trump die Zweistaatenlösung in Frage, dann widersprach er sich selbst und rügte Israels Siedlungspolitik. Er machte einen konservativen Hardliner zum Israel-Botschafter. Ein explosives Versprechen, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen, liegt nach einer Intervention des jordanischen Königs Abdullah II. aber auf Eis. Noch nebulöser ist die Iran-Politik: Im Wahlkampf schwor Trump, das Atomabkommen zu "zerreißen", Außenminister Rex Tillerson schwächte das auf "Überprüfung" ab. Als Iran im Januar einen Raketentest durchführte, warnte Trump Teheran zwar und verschärfte die Sanktionen. Er vermied aber, vom Bruch des Abkommens zu sprechen.


Asien: Atomtests und Drohungen

Militärparade in Nordkorea

Militärparade in Nordkorea

Foto: Wong Maye-E/ AP

Die Spannungen mit Nordkorea haben extrem zugenommen, da nun beide Seiten unberechenbar sind. Das Regime in Pjöngjang droht mit neuen Atomtests, die Trump-Regierung mit einem militärischen Alleingang. Auch hier Verwirrung: So stellte sich heraus, dass die US-Kriegsflotte, die angeblich als Warnung auf Nordkoreas Küste zusteuerte, fast 6000 Kilometer entfernt kreuzte.

Trump braucht China als Vermittler, doch auch mit der Volksrepublik verbindet ihn eine politische Hassliebe. Im Wahlkampf beschimpfte er Peking als Währungsmanipulator und kritisierte seine Exportmacht, jetzt umgarnt er die Regierung. Die Probleme verschwinden davon nicht: Das US-Handelsdefizit mit China beläuft sich auf fast 350 Milliarden Dollar im Jahr, die zwei weltgrößten Volkswirtschaften ringen um die globale Vorherrschaft. Andere Sorgen bereitet Trump Afghanistan, wo die USA weiter Tausende Truppen stationiert haben. Der Abwurf der größten nichtatomaren US-Bombe über einer mutmaßlichen IS-Hochburg beendete den Konflikt nicht - illustrierte aber, dass alles offen ist. Schon wird die Entsendung neuer US-Bodentruppen diskutiert.


Russland: Eiszeit statt Verbrüderung

Russischer Präsident Wladimir Putin

Russischer Präsident Wladimir Putin

Foto: Alexei Druzhinin/ AP

Trump hatte sich zum Ziel gesetzt, die Beziehungen der USA zu Russland zu verbessern. Eine Reihe seiner Leute unterhält so enge Kontakte nach Moskau, dass das FBI Ermittlungen aufnahm. Doch dann befahl Trump den Luftschlag in Syrien und brüskierte Russland als engsten Verbündeten Assads, es folgte ein Stimmungstief. An einem Bruch hat trotzdem niemand Interesse: Die USA sind im Kampf gegen Islamisten auf Russland angewiesen, Moskau buhlt um internationalen Respekt. Unklar ist, mit welchen Methoden die USA den Druck auf Russland in der Syrien-Frage erhöhen wollen. Neue Sanktionen? Noch ein Luftschlag gegen das Assad-Regime? Ist am Ende ein Deal denkbar: Die USA drängen nicht mehr auf eine Rückgabe der Krim an die Ukraine und lassen bestehende Sanktionen fallen - dafür sagt sich Russland von Assad los? Antworten auf diese Fragen sind unberechenbar wie Trumps Entscheidungen.


Mexiko: Hasta la vista

US-Grenzpolizist am Zaun zu Mexiko

US-Grenzpolizist am Zaun zu Mexiko

Foto: Gregory Bull/ dpa

Ein Lieblingsfeind Trumps im Wahlkampf war Mexiko: Er verkündete seine Kandidatur mit einer pauschalen Beschimpfung mexikanischer Einwanderer als Kriminelle und Vergewaltiger und schwor, eine Mauer an der US-Südgrenze zu bauen. Doch obwohl Trump den Mauerbau per Dekret angeordnet hat, dürfte er im Kongress auf Widerstand stoßen - allein wegen der Kosten von bis zu 70 Milliarden Dollar, die sich selbst mit Strafzöllen kaum auf Mexiko abwälzen lassen. Auch Trumps Drohung, das Freihandelsabkommen Nafta aufzukündigen, steht mittlerweile in Zweifel. Durchgesetzt hat Trump freilich eine verschärfte Abschiebungspolitik für illegale Einwanderer und ein härteres Durchgreifen der Grenzpolizei, der er weitgehend freie Hand gab.


Afrika: Hunger und Soldaten

Hungerflüchtlinge in Somalia

Hungerflüchtlinge in Somalia

Foto: Farah Abdi Warsameh/ AP

Die Uno warnt vor einem Massensterben, mehr als 16 Millionen Menschen sind in Nigeria, im Südsudan oder in Somalia wegen der anhaltenden Dürre vom Hungertod bedroht. In Nigeria und Somalia wüten zudem die Terrormilizen Boko Haram und Schabab. Trump verspricht vereinzelt militärische Unterstützung im Kampf gegen Islamisten: So schickte er mehrere Dutzend US-Soldaten nach Somalia, um Schabab zurückzudrängen. In der Fläche und finanziell aber will Trump das US-Engagement deutlich drosseln, etwa bei Blauhelm-Friedensmissionen, Entwicklungshilfe und Gesundheitsprogrammen. Schon im Wahlkampf betrachtete Trump den Kontinent allenfalls als Ursprungsland unerwünschter Migranten. Diese Devise setzt sich in seiner Regierungszeit fort.