Im Telefongespräch mit Duterte Trump soll Atom-U-Boot-Tabu gebrochen haben

Die angebliche Mitschrift eines Telefongesprächs zwischen US-Präsident Trump und seinem philippinischen Kollegen Duterte sorgt für Entsetzen: Der Amerikaner soll verraten haben, dass zwei US-Atom-U-Boote vor Nordkoreas Küste stationiert waren.

Donald Trump
AP

Donald Trump


US-Präsident Donald Trump hat mit dem philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte telefoniert. Dabei hat er seinen Amtskollegen wohl nicht nur für dessen blutigen Anti-Drogenkrieg gelobt - sondern plauderte auch aus, dass Washington zu dem Zeitpunkt zwei Atom-U-Boote vor der Küste Nordkoreas stationiert hatte.

Ein angebliches Protokoll des Telefonats, das bereits Ende April stattfand, wurde nun öffentlich, es soll von der philippinischen Regierung stammen. Dem Transkript zufolge sagte Trump zu Duterte, wegen Nordkoreas Atomprogramms sei ein "großer, großer Konflikt" mit dem Land wahrscheinlich. Alle Optionen seien auf dem Tisch. Die USA hätten "eine Menge Feuerkraft" in der Region, sagte Trump den Angaben zufolge zu Duterte. "Wir haben zwei U-Boote, die besten der Welt", sagte er. "Nicht, dass wir sie auch wirklich benutzen wollen." Er wolle die Krise auf diplomatischem Weg lösen

Immer wieder provoziert Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un mit dem Test von Atomraketen. Erst am Sonntag hatte die nordkoreanische Armee eine Langstreckenrakete getestet, die nach offiziellen Angaben schwere Atomsprengköpfe bis in die USA tragen könnte.

Das Pentagon dürfte nach dem Bekanntwerden der Inhalte des Telefongesprächs zwischen Trump und Duterte schockiert gewesen sein. Das amerikanische Verteidigungsministerium gibt aus strategischen Gründen nie preis, wo es seine U-Boote einsetzt.

Trump nannte Kim Jong Un der Mitschrift zufolge einen "Verrückten". Man dürfe ihn nicht frei herumlaufen lassen. "Wir haben eine große Schlagkraft, mehr als er, 20 Mal - aber wir wollen sie nicht einsetzen", soll Trump zu Duterte gesagt haben.

Erst vor Kurzem war Trump in die Kritik geraten, weil er bei einem Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow geheime Informationen zur Terrormiliz "Islamischer Staat" weiter gegeben haben und als Quelle den israelischen Geheimdienst genannt haben soll. Er selbst bestreitet das.

kry/Reuters

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