Medienberichte Trump soll streng geheime Informationen an Russen weitergegeben haben

So sensibel, dass nicht mal Verbündete sie erhalten sollten: US-Präsident Trump soll angeblich Geheimdienstinformationen an Russlands Außenminister weitergegeben haben. Das Weiße Haus dementiert die Berichte.
Donald Trump (Mitte), Sergej Lawrow (l.), Sergej Kisljak im Weißen Haus

Donald Trump (Mitte), Sergej Lawrow (l.), Sergej Kisljak im Weißen Haus

Foto: Uncredited/ dpa

Das Verhältnis zwischen Donald Trump und Russland steht seit Monaten unter Beobachtung - nicht nur wegen der möglichen Verbindungen während des US-Wahlkampfs. Am vergangenen Mittwoch war es zum ersten offiziellen Treffen zwischen dem US-Präsidenten und einem hochrangigen russischen Vertreter gekommen, Außenminister Sergej Lawrow war zu Gast im Weißen Haus. Eine Zusammenkunft, die im Anschluss für Ärger sorgte, weil die Russen Fotos verbreiten ließen, was die US-Regierung eigentlich hatte verhindern wollen.

Nun berichtet die "Washington Post" , dass Trump bei dem Treffen hochsensible Geheimdienstinformationen an Lawrow und den russischen US-Botschafter Sergej Kislyak weitergegeben haben soll. Die Zeitung beruft sich auf Quellen im Weißen Haus. Demnach hätten die beiden Gäste aus Russland bei ihrem Besuch mehr erfahren, als die USA mit ihren Verbündeten teile.

Trumps Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster, der an der fraglichen Unterredung im Oval Office teilgenommen hatte, dementierte den Bericht in Teilen. Auch Außenminister Rex Tillerson, der ebenfalls im Raum war, sprang Trump zur Seite. Bei dem Treffen "wurde eine breite Palette von Themen angesprochen, darunter gemeinsame Bemühungen und Bedrohungen im Bereich Terrorbekämpfung", hieß es in einem Statement Tillersons, das das Weiße Haus - nicht das Außenministerium - veröffentlichte: "Während dieser Gespräche wurde Näheres über spezifische Bedrohungen diskutiert, es wurden aber keine Quellen, Methoden oder militärischen Operationen diskutiert." Allerdings dementierten weder Tillerson noch McMaster, dass Geheiminformationen weitergegeben worden sind.

Tatsächlich schreibt die "Washington Post" lediglich, dass man durch Trumps Aussagen auf Quellen oder Methoden schließen könnte, nicht aber, dass konkret über diese gesprochen wurde. Von Militäroperationen ist gar keine Rede in dem Bericht.

Es soll um möglichen IS-Anschlagsplan gegangen sein

Bei den Informationen, über die auch die "New York Times" berichtete, handele es sich um Material eines Geheimdienstes eines mit den USA befreundeten Landes. Die Informationen stammten aus dem inneren Zirkel des Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Aus dem, was im Oval Office gesagt wurde, sei möglicherweise auf die Quelle der Informationen und die Methode der Informationsgewinnung zu schließen. Der Urheber-Geheimdienst habe dafür keine Genehmigung erteilt. Allerdings ist es dem US-Präsidenten per Gesetz nicht verboten, Geheimnisse zu lüften.

Die Informationen seien in den USA als so vertraulich eingestuft worden, dass sie nicht einmal mit Verbündeten geteilt würden, berichtete die "Washington Post" unter Berufung auf gegenwärtige und frühere Mitarbeiter des Weißen Hauses. Dem Bericht zufolge handelte es sich um Informationen über eine mögliche Bedrohung durch IS-Terroristen, die im Zusammenhang mit der Nutzung von Laptops an Bord von Flugzeugen stünden.

Trump soll in dem Gespräch die Art und Weise enthüllt haben, wie der IS einen Anschlagsplan verfolgt habe. Unter anderem habe Trump auch diejenige Stadt im vom IS gehaltenen Gebiet enthüllt, wo der Geheimdienst die Information bekommen hat. Geheimdienstexperten sagten, dies sei extrem gefährlich, weil die Quelle aufgedeckt werden und das gesamte System der Informationsbeschaffung auffliegen könnte. Dem Bericht zufolge könnte auch Russland Interesse daran haben, die Quelle aufzudecken, mindestens aber sie zu identifizieren.

Zudem soll Trump mit seinen Information geprahlt haben. "Ich bekomme großartige Geheimdienstberichte. Ich habe Leute, die mich jeden Tag über großartige Geheiminformationen unterrichten", soll Trump gesagt haben.

Nach dem Gespräch hätten sich Mitarbeiter des Weißen Hauses um Schadensbegrenzung bemüht und die Geheimdienste CIA und NSA kontaktiert.

Heftige Kritik vom Kongress

Die Demokraten kritisierten das Verhalten Trumps scharf. Der Oppositionsführer im Senat, Charles Schumer, bezeichnete den Bericht, sollte er sich als wahr herausstellen, als irritierend: "Der Präsident schuldet den Geheimdiensten, dem amerikanischen Volk und dem Kongress eine Erklärung." Adam Schiff, Mitglied im Repräsentantenhaus, nannte die Geschichte "sehr verstörend". Er verlangte, dass der Geheimdienstausschuss umfänglich darüber unterrichtet werde, ob Informationen an die Russen weitergegeben wurden.

Senator Mark Warner, stellvertretender Vorsitzender des Geheimdienstausschusses des Senats twitterte, dass es ein Schlag ins Gesicht der Geheimdienste sei, sollte die Geschichte wahr sein. Quellen und Methoden zu riskieren, sei nicht zu entschuldigen, besonders mit Russland.

Ähnlich äußerten sich auch die Republikaner. Senator Bob Corker, Vorsitzender des Ausschusses für Außenpolitik, sagte, das Chaos, das durch fehlende Disziplin entstehe, erzeuge eine besorgniserregende Umgebung. "Offensichtlich gibt es eine Abwärtsspirale und die US-Regierung muss einen Weg finden, das in den Griff zu bekommen."

Paul Ryan, Sprecher des Abgeordnetenhauses und eigentlich Trump-Verbündeter, wies auf die Wichtigkeit hin, sensible Geheimdienstinformationen zu schützen. "Wir wissen nicht, was gesagt wurde, aber die Geheimnisse unserer Nationen zu schützen, hat höchste Priorität."

max/dpa/AP