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27. August 2018, 19:27 Uhr

Tod des US-Senators

Trump soll Würdigung McCains verhindert haben

John McCain und Donald Trump machten aus ihrer Abneigung füreinander keinen Hehl: Doch der US-Präsident soll dem Kontrahenten eine angemessene Würdigung selbst nach dessen Tod verweigern.

Über die Grenzen der USA hinaus haben Menschen ihre Trauer über den Tod des US-Senators John McCain bekundet. US-Präsident Donald Trump hielt seine Wertschätzung offenbar in Grenzen: Einem Bericht der "Washington Post" zufolge wehrte er sich gegen eine weitergehende offizielle Würdigung seines unerbittlichen Kritikers.

Das Weiße Haus habe eigentlich eine Erklärung vorbereitet, in der McCain als "Held" bezeichnet wird, wie die Tageszeitung berichtete. Trump habe diese Würdigung seines Kritikers aber verhindert. Seine einzige Reaktion war demnach ein kurzer Beileids-Tweet.

Trumps Pressesprecherin Sarah Sanders und auch sein Stabschef John Kelly hätten sich für diese Erklärung ausgesprochen, hieß es. Dem Bericht zufolge bestand Trump aber darauf, stattdessen bloß eine kurze Nachricht bei Twitter abzusetzen. Er hatte McCains Familie nach dessen Tod am Samstag sein "tiefstes Mitgefühl und Respekt" ausgesprochen und geschrieben: "Unsere Herzen und Gebete sind bei Euch!"

Dagegen würdigte Trumps Stellvertreter Mike Pence den verstorbenen Politiker, der "sein Leben dieser Nation in unserer Armee und dem öffentlichen Leben widmete". Selbst Trumps Ehefrau Melania dankte McCain auf Twitter für seinen Verdienst. Auch alle noch lebenden Ex-Präsidenten ehrten McCain in bewegten Worten.

Flagge am Montag wieder auf Vollmast

Am Tag nach dem Tod McCains setzte sich Trump noch einen Schritt weiter über das Protokoll hinweg: Während die Flagge auf dem Dach des Weißen Hauses am Sonntag auf Halbmast stand, wurde sie am Montag bereits wieder auf Vollmast gehisst. Eigentlich soll die Flagge am Todestag und am darauffolgenden Tag auf Halbmast stehen, wie im US-Code, der Sammlung des Bundesrechts, festgehalten ist. Mehrere Mitglieder des Senats beider Parteien forderten, die Flagge weiter auf Halbmast zu belassen.

Daraufhin wurde die Flagge später am selben Tag wieder auf Halbmast gesetzt. Donald Trump sagte, er haben ein Schreiben unterzeichnet, nach dem er die Flagge bis zur Beerdigung McCains nicht mehr auf Vollmast hissen werde. Gleichzeitig gab er bekannt, dass er den "Einsatz für das Land" des Senators schätze.

McCain und Trump: Ein zerrüttetes Verhältnis

McCains Verhältnis zu Trump war stark belastet. Während des Präsidentschaftswahlkampfs hatte Trump den Veteranen, der mehr als fünf Jahre in Kriegsgefangenschaft verbrachte, übel verhöhnt. Für ihn sei McCain "kein Held", sagte Trump, der selbst einst den Wehrdienst umgangen hatte: "Ich mag Leute, die nicht gefangen wurden, okay?"

Noch vom Krankenbett aus setzte McCain wenige Wochen vor seinem Tod eine Erklärung mit vernichtender Kritik an Trumps Treffen mit Kreml-Chef Wladimir Putin ab. Die Pressekonferenz in Helsinki nannte er "einen der schmachvollsten Auftritte eines amerikanischen Präsidenten seit Menschengedenken".

Trump darf nicht zu McCains Beerdigung

Monate vor seinem Tod ließ McCain zudem verbreiten, dass er Trump nicht als Trauergast bei seiner Beerdigung wolle. Stattdessen wünschte er sich Medienberichten zufolge, dass der demokratische Ex-Präsident Obama und Ex-Präsident George W. Bush bei der Trauerfeier reden.

McCain gehörte zu den prominentesten Mitgliedern des US-Senats. Ab 1983 saß McCain zunächst im Repräsentantenhaus und seit 1987 im Senat. Als Präsidentschaftskandidat der Republikaner verlor er 2008 gegen den Demokraten Barack Obama.

ans/dpa/AP/Reuters

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