Nach Hurrikan "Maria" Trump relativiert Zahl der Todesopfer auf Puerto Rico

Auch zwei Wochen nach dem verheerenden Hurrikan "Maria" ist die Situation auf Puerto Rico katastrophal. Nun war Donald Trump zu Besuch im US-Außengebiet - und bagatellisierte die Auswirkungen des Sturms.

Donald Trump in Puerto Rico
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Donald Trump in Puerto Rico


US-Präsident Donald Trump hat die schwer verwüstete Karibikinsel Puerto Rico besucht. Dabei wiegelte er in einem Gespräch mit Behördenvertretern und Militärs die Folgen des Unwetters ab: Der Hurrikan "Katrina" im Jahr 2005 mit seinen "Tausenden" Toten sei im Vergleich zum aktuellen Hurrikan "Maria" eine "richtige Katastrophe" gewesen.

In Puerto Rico ist ein Großteil der 3,4 Millionen Inselbewohner noch immer ohne Strom, Trinkwasser und Telefonverbindung, auch die Lebensmittelversorgung ist unzureichend. Zunächst war von 16 Todesopfern die Rede gewesen. "16 im Vergleich zu Tausenden", sagte Trump. Natürlich sei jeder Tod schrecklich, aber Puerto Rico könne froh sein, dass nicht so viele gestorben seien wie bei "Katrina", sagte Trump. Durch "Katrina" waren in New Orleans und Umgebung im Jahr 2005 mehr als 1800 Menschen ums Leben gekommen.

In der Nacht zu Mittwoch - da hatte Trump die Insel bereits verlassen - wurde die Opferzahl erhöht. Laut Puerto Ricos Gouverneur Ricardo Rossello kamen durch "Maria" insgesamt 34 Menschen ums Leben. Er gehe zudem davon aus, dass die Sachschäden etwa 90 Milliarden Dollar betrügen.

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Hurrikan "Maria": Puerto Rico nach dem Jahrhundertsturm

Der US-Präsident wurde in den vergangenen Tagen dafür kritisiert, Puerto Rico bislang nicht genügend zu unterstützen. Trump wird unter anderem angelastet, dass die Bundesbehörden auf die Verwüstungen durch die Hurrikane "Harvey" und "Irma" in den US-Bundesstaaten Texas, Louisiana und Florida deutlich energischer reagiert hätten als auf die Katastrophe auf Puerto Rico. Die Einwohner des US-Außenterritoriums haben die amerikanische Staatsbürgerschaft, an den Präsidentschaftswahlen dürfen sie aber nicht teilnehmen.

Auf die Kritik hatte der Präsident schon kurz vor seinem Abflug zu der Insel mit überschwänglichem Lob der eigenen Regierung geantwortet. Dank dieses "unglaublichen Jobs" seien die Straßen bereits freigeräumt, und die Telekommunikation funktioniere langsam wieder.

Auch seinen auf fünf Stunden angesetzten Besuch nutzte Trump für Lobpreisungen des Katastropheneinsatzes seiner eigenen Regierung. Während der Kurzvisite sprach er von dem "großartigen" und "fantastischen Job", den die Bundesbehörden und das Militär in dem US-Außenterritorium geleistet hätten: "Das gesamte Team war fabelhaft."

Wie auch bei seinen Besuchen in den Katastrophengebieten nach dem Hurrikan "Irma" packte Trump auf Puerto Rico selbst mit an: In einem Video auf Twitter ist zu sehen, wie er verpackte Papierrollen in die Menge wirft.

In den vorherigen Tagen hatte der Präsident Gegenattacken gegen einzelne Vertreter der Inselbehörden gefahren, vor allem gegen die Bürgermeisterin von San Juan, Carmen Yulín Cruz, die sich über unzureichende Hilfen beklagt hatte. Der Präsident warf ihr "armselige Führungsqualitäten" vor - die Bürgermeisterin sei nicht in der Lage, ihre Arbeiter zu Hilfseinsätzen zu bewegen.

kry/aar/dpa/AFP/AP

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komatzu 04.10.2017
1. warum
wirft keiner die Rollen zurück aber mit voller Wucht?
Atheist_Crusader 04.10.2017
2.
Jetzt ist alles nicht mehr so schlimm? Das klingt aber gar nicht nach Trump. Sonst ist alles was durch und um ihn herum passiert immer beispiellos - schon alleine um seinen Umgang damit besser (oder weniger schwach) aussehen zu lassen. Was hat ihn dazu gebracht, seine Rhetorik derart zu ändern? Ist das etwa eine Vorwarnung dafür, dass Puerto Rico keine großen Aufbauhilfen zu erwarten hat? Denn das würde ja nur Sinn machen, wenn es angeblich gar nicht so schlimm war.
zaungast2013 04.10.2017
3. Eigenlob
Dieses immerwährende Eigenlob steht für eine eindeutige Strategie: Wenn du verloren, vergeigt oder versagt hast, behaupte einfach, ?ass du der Beste bist, gewonnen hast, der die das großartigste unter der Sonne, ach was, im Universum bist. Bei deinen Fans wirst du damit immer noch Eindruck schinden. Diesen ständigen Gebrauch von Superlativen selbst bei geringfügigsten Anlässen empfinde ich als infantil.
rumans 04.10.2017
4. dämlicher Vergleich: Katharinas Tote
waren menschen-/staatlich verursacht durch Deichbrüche. Das einzelne Elend ist nicht kleiner wenn es mehr gleiches drumherum gibt. Psychopathische Herzlosigkeit ist das.
ulmer_optimist 04.10.2017
5. Bewundernswert...
...wie Trump "mit anpackt", um die Inselbewohner bei der Beseitigung der Folgen eines kleinen Stürmchens zu unterstützen. Vermutlich sieht man an den geworfenen Klopapierrollen (was für ein Symbol!), dass höchstens noch ein laues Lüftchen weht. Hurricane sind sowieso nur eine Erfindung von politischen Gegnern, weil es den Klimawandel gar nicht gibt. Und die Erde ist eine Scheibe.
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