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US-Präsident: Trump und die Truppe

Foto: Jonathan Ernst/ REUTERS

Streit mit Ex-Admiral Jetzt verärgert Trump auch noch das Militär

Erst schwänzt der US-Präsident den Veteranen-Tag, nun streitet er sich mit dem Offizier, der den Einsatz gegen Osama Bin Laden befehligte. Unter den Soldaten wächst der Unmut über ihren Oberbefehlshaber.

Zu Donald Trumps typischen Sprüchen bei größeren Auftritt gehört das Bekenntnis zu den Streitkräften: "Ich liebe unser Militär", ruft Trump dann - und seine Fans sind entzückt.

Tatsächlich hat Trump den Militäretat deutlich erhöht. Doch inzwischen wachsen die Zweifel, ob die Liebe des "Commander-in-Chief" zur eigenen Truppe wirklich so innig ist, wie er gerne vorgibt. Trump, der als Jugendlicher eine Militärschule besuchte, dann aber den Dienst in Vietnam umging, sorgt mit allerlei Worten und Taten für immer mehr Verärgerung unter Soldaten, Offizieren und Veteranen.

Seit Tagen liefert sich Trump via Twitter und in Interviews ein Wortgefecht mit einem Kriegshelden: William McRaven. Der pensionierte Admiral ist eine Legende. Er war viele Jahre lang erst Mitglied, dann Oberbefehlshaber der Marine-Spezialeinheit "Seals". Er verantwortete die Operation in Pakistan, bei der der bekannte Terrorist Osama Bin Laden getötet wurde. Auch war er an der Festnahme von Iraks Diktator Saddam Hussein maßgeblich beteiligt. Insgesamt diente McRaven seinem Land 37 Jahre als Soldat.

William McRaven

William McRaven

Foto: Gary Cameron/ REUTERS

Ein "Hillary-Clinton-Fan"

In Trumps Augen ist McRaven jedoch der Feind: Der Ex-Offizier hat es gewagt, Trump mehrfach öffentlich zu kritisieren. Unter anderem nannte er Trumps wiederholte Angriffe auf die Medien "die größte Bedrohung für unsere Demokratie". Wer wie Trump das Recht auf freie Meinungsäußerung infrage stelle, untergrabe damit eine wichtige Säule der Verfassung, warnte McRaven.

Das war zu viel für Trump. In einem seiner typischen Wutausbrüche warf er McRaven nun vor, ein "Hillary-Clinton-Fan" und "Barack-Obama-Unterstützer" zu sein. Per Interview mit seinem Lieblingssender Fox News  stellte er zudem McRavens militärische Leistungen in Frage: "Wäre es nicht schön gewesen, wir hätten Osama Bin Laden eher gefangen?", fragte Trump spitz.

Die Attacken des Präsidenten lösten eine Welle der Solidarität mit dem Ex-Admiral aus. McRaven wies Trumps Behauptung zurück, ein Clinton-Fan zu sein; Militärs, Geheimdienstleute und auch führende Politiker der Republikaner stellten sich schützend vor ihn: "Es gibt nur wenige Amerikaner, die mehr geopfert und riskiert haben als er", schrieb Marco Rubio, Senator aus Florida, bei Twitter. McRavens Karriere sei ein Beispiel für "Ehre und Exzellenz".

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Der Fall McRaven ist aber nicht alles. Für mächtig Ärger bei vielen Militärs sorgt auch Trumps Idee aus dem Midterm-Wahlkampf, bis zu 15.000 Soldaten an der Grenze zu Mexiko zu stationieren, damit sie dort eine angebliche "Invasion" durch Migranten aufhalten, die sogenannte "Karawane". Da die Soldaten lediglich Zäune und Zelte errichten, weil sie laut Gesetz gar nicht an Grenzkontrollen teilnehmen dürfen, wurde der Sinn der Operation von Beginn an im Pentagon infrage gestellt.

Nun ist der Wahlkampf vorbei, Trump hat das Interesse an dem Thema so gut wie verloren, aber die Soldaten sind immer noch da. Wegen Trump müssen sie das bevorstehende Thanksgiving-Fest in der Wüste verbringen - statt bei ihren Lieben daheim. Insgesamt wird die Aktion die amerikanischen Steuerzahler am Ende wohl mehrere hundert Millionen Dollar kosten. Während Verteidigungsminister James Mattis den Einsatz offiziell notgedrungen als gute "Manöverübung" verteidigt, sprechen hohe Offizier hinter vorgehaltener Hand von einem "Killer" für die Moral der Truppe. Immerhin sollen nun gut 6000 Soldaten bis Weihnachten wieder nach Hause geschickt werden.

"Zu viele wichtige Anrufe"

Reichlich Aufregung verursachte Trump in letzter Zeit zudem mit seinem ungeschickten Umgang mit dem Gedenken an gefallene US-Soldaten. Erst schwänzte er vor einer Woche in Paris einen geplanten Besuch auf dem Weltkriegs-Friedhof von Aisne-Marne, angeblich weil sein Hubschrauber wegen Regens nicht starten konnte. Dann verpasste Trump bei seiner Rückkehr nach Washington auch noch die traditionelle Zeremonie zum Veteranen-Tag auf dem Militärfriedhof Arlington. Er habe an dem Tag so viel mit wichtigen Anrufen zu tun gehabt, entschuldigte sich Trump.

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Dazu passt, dass Trump auch fast zwei Jahre nach seinem Amtsantritt immer noch keine Reise zu den US-Truppen in den Einsatzgebieten in Afghanistan oder im Irak unternommen hat. Sowohl Präsident George W. Bush als auch Barack Obama waren mehrfach zu Besuch bei den Soldaten. Selbst an Feiertagen wie Thanksgiving. Trump, der in den vergangenen Jahren mehr als hundert Tage auf dem Golfplatz verbracht hat, sagte dazu, er sei bisher leider mit anderen Dingen zu beschäftigt gewesen.

Trump verliert die Freude an seinen Militärs

Wie es der Zufall will, geraten auch die Militärs in Trumps Regierung unter Druck. Während sich Trump anfangs noch gerne mit den schneidigen Offizieren umgab, verliert er nun wohl zunehmend die Freude an ihnen. Der Grund ist einfach. Sie geben dem unberechenbaren Präsidenten intern zu häufig Widerworte.

So wird bereits seit einiger Zeit in Washington über den Rückzug von Verteidigungsminister James Mattis spekuliert. Laut dem Bestseller "Furcht" von Bob Woodward soll Mattis Trump die "Aufnahmefähigkeit eines Fünft- oder Sechstklässlers" bescheinigt haben. Trump nannte Mattis daraufhin einen "Demokraten".

Und auch Trumps Stabschef John Kelly wird möglicherweise bald abgelöst. Er soll Trump als "Idioten" bezeichnet haben, was er heftig dementiert. Die Tage des früheren Generals des Marine-Korps im Weißen Haus könnten trotzdem gezählt sein. Die Namen von potenziellen Nachfolgern kursieren bereits - es sind allesamt Zivilisten.