US-Wahlkampf Trump-Team will Ukraine-Connection von Joe Bidens Sohn durchleuchten

Der frühere Vizepräsident Joe Biden will bei der US-Wahl 2020 antreten. Donald Trumps Team sucht schon jetzt nach kompromittierendem Material - und glaubt, in der Ukraine fündig werden zu können.

Joe Biden mit seinem Sohn Hunter, im Jahr 2010
AP

Joe Biden mit seinem Sohn Hunter, im Jahr 2010


Es war eine delikate Personalie zu einem brisanten Zeitpunkt: Mitte Mai 2014 wurde bekannt, dass der Sohn des damaligen US-Vizepräsidenten Joe Biden in den Aufsichtsrat eines Gaskonzerns aufrückt - und zwar in der Ukraine. Nach der von den USA und Europa begrüßten Maidan-Revolution begann damals im Ostteil des Landes gerade der bis heute andauernde Krieg mit von Russland unterstützten und hochgerüsteten Verbänden.

Hunter Biden heuerte damals als eine Art Cheflobbyist bei einer Holding namens Burisma an, der Gasfirma eines ukrainischen Oligarchen. Er war dort nicht der einzige Ausländer: Im Burisma-Aufsichtsrat saßen damals bereits mehrere Amerikaner. Der ehemalige polnische Präsident Alexander Kwasniewski gehört dem Gremium noch heute an. Hunter Biden ist aus dem Aufsichtsrat der Ukrainer Anfang 2019 wieder ausgeschieden.

Damals, im Mai 2014, gab das Weiße Haus nur eine lapidare Erklärung ab. Der Sohn des Vize-Präsident sowie alle anderen Familienmitglieder auch seien "freie Bürger der USA. Ihr berufliches Engagement geht die Regierung ebenso wenig an, wie den Präsidenten oder seinen Stellvertreter."

Warum wurde das Verfahren plötzlich wieder eröffnet?

Fünf Jahre später könnte der Vorgang Vater Joe Biden allerdings einholen. Rudy Giuliani, US-Präsident Donald Trumps Anwalt, stand nach Berichten von US-Medien kurz vor einer Reise nach Kiew. Die "New York Times" berichtet, Giuliani habe sich bei mehreren Gesprächen mit dem amtierenden Generalstaatsanwalt der Ukraine über den Stand von Ermittlungen zu Hunter Biden und Burisma erkundigt (hier geht es zum Report). Während einer dieser Runden soll Giuliani Trump aufgeregt angerufen und über die Sachlage informiert haben.

Der ukrainische Generalstaatsanwalt ist ein Gefolgsmann des ukrainischen Noch-Präsidenten Petro Poroschenko. Er hatte das Burisma-Verfahren im März wieder eröffnet - nachdem es im Jahr 2016 eigentlich bereits geschlossen worden war. Die "New York Times" spekuliert, womöglich sei es dem Poroschenko-Lager darum gegangen, sich "bei der Trump-Administration anzubiedern" und im Gegenzug Hilfe aus Washington im damals noch laufenden ukrainischen Wahlkampf zu bekommen.

Inzwischen hat Poroschenko die Wahl verloren, er ist nur noch kurze Zeit im Amt. Auch deshalb wollte Giuliani nach Kiew und bemühte sich um ein Treffen mit Wahlsieger Wolodymir Selensky, der das Präsidentenamt Anfang Juni antreten wird. Er habe mit dem Kontakt "sicherstellen wollen, dass die Untersuchung weitergeht", hat Giuliani in einem kurzen Interview zu Protokoll gegeben.

Unter US-Demokraten sorgte das Bekanntwerden seiner Reisepläne für Aufregung: Giuliani habe "heute zugegeben, eine ausländische Regierung um Hilfe zu ersuchen. Schon wieder", twitterte der demokratische Abgeordnete Adam Schiff aus Kalifornien.

Giuliani hat den Kiew-Trip allerdings inzwischen gestrichen. Er hat offenbar keinen Termin beim gewählten Präsidenten Selensky bekommen.

beb



insgesamt 35 Beiträge
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damic 11.05.2019
1. Als ob die eigene Hütte...
Nicht schon längst in Flammen stünde, sucht er noch eine Nebenbeschäftigung. Ich dachte immer schlimmer kann's für unsere Amerikanischen Freunde nimmer kommen, aber Ihr President scheint den Verstand völlig verloren haben...
Malto Cortese 11.05.2019
2. Der Junge muß an die frische Luft
Meine Güte, "Hunter" brauchte halt nach seinem koksbedingten Rauswurf aus der Navy endlich mal einen festen Job - warum also nicht in den New Territories in the East, in der frisch eroberten Post-Putsch Ukraine. Der Gasladen gehört doch dem südöstlichen Feudalherren Benny Kolomoijsky, wenn ich mich recht entsinne. Da wächst doch zusammen, was zusammen gehört.
sven2016 11.05.2019
3. Dirty Donald schickt seinen neuen
Cohen nach Osteuropa, um "Schmutz" zu sammeln. Giuliani hat in der Gegend und auch in den seriösen Kaukasusrepubliken als Berater (in welcher Sache?) schon Millionen verdient, da hat er sicher gute Kontakte. Der nächste Trumpwahlkampf wird genauso verlogen und dreckig wie die beiden letzten. Diese Mafiafamilie kann nicht anders. Ob es Biden überhaupt in die Endauswahl schaffen wird, ist zweifelhaft. Zu alt und zu upperclass connected.
kein-freund-von-despoten 11.05.2019
4.
Hat der derzeitige Amtsinhaber im Weißen Haus so wenige Erfolge vorzuweisen, dass er jetzt schon nach Schmutz graben lässt ? Noch dazu bei einem Familienangehörigen ( Sohn ) des noch nicht einmal nominierten Gegenkandidaten ? Dabei läuft doch schon längst der von den US-Bürgern finanzierte Wahl-KAMPF auf der typischen US-amerikanischen Weise ( Bolton lässt grüßen ) : Truppenaufmarsch am Golf ... und als Extra noch Handelskrieg mit China.
MatthiasSchweiz 11.05.2019
5.
Im Artikel steht: "Nach der von den USA und Europa begrüßten Maidan-Revolution"? Dort müsste stehen: "Nach der von den USA und Europa inszenierten Maidan-Revolution". Ganz vorne dabei an vorderster Ostfront die deutsche Bundesregierung und deutsche EU-Politiker. Und dabei scheuten sie nicht einmal davor zurück, die bewaffneten Rechtsradikalen auf dem Maidan zu unterstützen, ohne die der Umsturz nicht gelungen wäre. Was für eine Schande bedonders für Deutschland. Die Rechtsradikalen, die nach dem Putsch gleich in den Osten gezogen sind, um dort Denkmäler zu stürzen und Proteste gegen den Putsch gewaltsam niederzuschlagen, was der Auslöser für den Bürgerkrieg gewesen ist. Die Toten vom Maidan, von Odessa, im Bürgerkrieg, die mieserable soziale und wirtschaftliche Lage in der Ukraine - alles in der Verantwortung des Westens und seiner feinen Verbündeten in der Ukraine.
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