Nach Botschafter-Leak Trump teilt gegen britische Regierung aus

Theresa May habe beim Brexit "Chaos" angerichtet, und mit dem britischen US-Botschafter werde man sich nicht mehr befassen: Donald Trump verschärft im Streit um geleakte Depeschen seine Kritik an London.
May und Trump 2018 in Chequers: "Es war die Queen, die mich am meisten beeindruckt hat"

May und Trump 2018 in Chequers: "Es war die Queen, die mich am meisten beeindruckt hat"

Foto: Stefan Rousseau/ REUTERS

Donald Trump hat nach dem Bekanntwerden kritischer Einschätzungen des britischen Botschafters in den USA die Regierung in London kritisiert. Die scheidende Premierministerin Theresa May und ihre Mitarbeiter hätten beim Brexit "Chaos" angerichtet, schrieb der US-Präsident bei Twitter. "Ich habe ihr gesagt, wie es getan werden sollte, aber sie hat sich entschieden, einen anderen Weg einzuschlagen."

Immerhin gibt es laut Trump auch eine "gute Nachricht für das wunderbare Vereinigte Königreich": nämlich dass das Land "bald einen neuen Premierminister" haben werde. Seinen Staatsbesuch im vergangenen Monat habe er zwar rundum genossen, schrieb Trump weiter. Es sei aber die Queen gewesen, die ihn am meisten beeindruckt habe.

Hintergrund für Trumps Twitter-Attacke gegen May sind geheime Briefings des britischen Botschafters in den USA, die am Wochenende in der "Mail on Sunday"  abgedruckt wurden. Darin soll Botschafter Kim Darroch die US-Regierung als "einzigartig dysfunktional" bezeichnet haben. Trump wird dem Bericht zufolge als "unsicher" und "inkompetent" beschrieben.

Am Montag erklärte Trump nun bei Twitter, Darroch sei in den USA "nicht beliebt" und genieße kein Ansehen. Man werde sich nicht mehr mit Darroch befassen. Einzelheiten dazu nannte Trump nicht. Schon am Tag zuvor hatte er erklärt, er und seine Regierung seien "keine großen Fans" des britischen Diplomaten: Darroch habe Großbritannien "nicht gut gedient".

May bekräftigte nach den Tweets des US-Präsidenten am Montagabend ihre Unterstützung für den Spitzendiplomaten. Sie sei inhaltlich zwar nicht einer Meinung mit ihm. Aber: "Sir Kim Darroch hat weiterhin die volle Unterstützung der Premierministerin", sagte ein Regierungssprecher in London.

May (r.) im Januar 2017 bei Trump (l.) im Weißen Haus - in der Mitte ist Botschafter Darroch zu sehen

May (r.) im Januar 2017 bei Trump (l.) im Weißen Haus - in der Mitte ist Botschafter Darroch zu sehen

Foto: Carlos Barria/ REUTERS

Das britische Außenministerium hat die Echtheit der Vermerke Darrochs nicht infrage gestellt. Eine Sprecherin sagte, Botschafter würden dafür bezahlt, "dass sie ehrlich sind" und Minister mit einer "aufrichtigen, ungeschminkten Einschätzung der Politik in ihrem Land versorgen".

Außenminister Jeremy Hunt sagte am Montag, britische Diplomaten in der ganzen Welt müssten darauf vertrauen können, "dass sie uns weiterhin ihre ehrlichen Einschätzungen geben können". Natürlich werde es "ernste Konsequenzen geben, falls und sobald wir herausfinden, wer verantwortlich ist". Zugleich versuchte Hunt, die Wogen zu glätten: Die US-Regierung bleibe unter Trump "höchst effektiv und der bestmögliche Freund Großbritanniens auf der internationalen Bühne".

Großbritannien bekommt einen neuen Premierminister - muss Darroch gehen?

Darroch gilt als einer der erfahrensten britischen Diplomaten. Seine Amtszeit läuft noch bis Ende des Jahres. Dann ist es am neuen Premierminister, einen britischen Botschafter für die USA zu ernennen. Neben Ex-Außenminister und Brexit-Hardliner Boris Johnson ist auch Hunt noch im Rennen um Mays Nachfolge an der Partei- und Regierungsspitze.

Am Dienstag treten Johnson und Hunt in einem TV-Duell gegeneinander an. Der neue Vorsitzende der konservativen Tories soll bis Ende Juli gekürt sein, die Entscheidung treffen die 160.000 Parteimitglieder. In der Woche des 22. Juli wird der Name des Siegers voraussichtlich bekanntgegeben. Er wird dann auch automatisch Regierungschef.

Trump war Anfang Juni für einen dreitägigen Staatsbesuch nach Großbritannien gereist, in London traf er unter anderem Queen Elizabeth II. und Theresa May (mehr zu seiner Reise lesen Sie hier). Das Verhältnis zwischen Trump und May war in der Vergangenheit immer wieder erschüttert worden, etwa als Trump ihren Brexit-Kurs kritisierte oder ihren Widersacher Boris Johnson lobte.

aar/dpa/AFP