Brasiliens Präsident bei Trump "Für Gott - gegen politische Korrektheit"

Bei ihrem ersten Treffen präsentieren sich Donald Trump und Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro als politische Zwillinge. Ihre gemeinsamen Gegner: Linke und kritische Medien.

Von , Washington


Diplomatie, das hat Donald Trump in seinen zwei Jahren als Präsident gelernt, kann ein schwieriges Geschäft sein. Überall lauern Gefahren und Gegner. Zumal dann, wenn man Donald Trump heißt.

Deshalb empfängt der US-Präsident am liebsten Staatsgäste, die die Welt genauso sehen wie er, die ihn nicht kritisieren, sondern anhimmeln. Also Männer wie Jair Bolsonaro, Brasiliens neuen Präsidenten. Spitzname: der "Trump der Tropen".

Bolsonaro hat sich für seine erste offizielle Auslandsreise nach seinem Wahlsieg die US-Hauptstadt ausgesucht, was der amerikanische Präsident sehr zu schätzen weiß. Trump nimmt sich im Weißen Haus für ihn viel Zeit. Die beiden lachen fröhlich, klopfen sich auf die Schulter. Und sie schenken sich gegenseitig Fußballtrikots. "Brasilien ist großartig, eine super Fußballmacht", sagt Trump. "Ich kann mich noch an Pelé erinnern."

Jair Bolsonaro, Donald Trump
DPA

Jair Bolsonaro, Donald Trump

Es ist eine neue, bemerkenswerte Allianz, die sich mit diesem Besuch zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der westlichen Hemisphäre anbahnt. In den vergangenen beiden Jahrzehnten blieben Brasiliens linksgerichtete Regierungen eher auf Distanz zu Washington. Zum größten und wichtigsten Handelspartner entwickelte sich China.

Doch nun wollen Trump und Bolsonaro vieles anders machen: "Zum ersten Mal seit langer Zeit kommt ein proamerikanischer Präsident nach Washington", stellt Bolsonaro fest.

Bolsonaro kopiert Trump

Tatsächlich sind Trump und Bolsonaro inzwischen so etwas wie politische Zwillinge. Der Brasilianer hat sich Trumps Politikstil zum Vorbild genommen, er ließ sich sogar von Trumps ehemaligem Chefstrategen Stephen Bannon beraten. Wie Trump verspricht Bolsonaro dem Wahlvolk einfache Antworten auf komplizierte Fragen. Im Wahlkampf stellte er den Brasilianern ein hartes Durchgreifen gegen Migranten, gegen die Korruption und gegen Kriminelle in Aussicht. Gleichzeitig kämpft er wie Trump gegen das Pariser Klimaschutzabkommen und schimpft auf die Vereinten Nationen.

Trump und sein Sicherheitsberater John Bolton wiederum sehen in Bolsonaro ihren neuen zentralen Verbündeten, um dem traditionellen Einfluss der USA in Süd- und Mittelamerika zu neuer Blüte zu verhelfen. Linke, sozialistische Politiker sollen zurückgedrängt werden.

Viele gemeinsame Projekte

So arbeiten die beiden Regierungen eng zusammen, um in Venezuela Machthaber Nicolás Maduro mit scharfen Sanktionen von der Macht zu vertreiben. Trump kündigt in Washington an, diese Sanktionen könnten noch ausgeweitet werden. Bolsonaro sagt, dieser "kubanischen Marionette" müsse das Handwerk gelegt werden.

Aber da ist noch mehr. Auch in etlichen anderen Bereichen werden die USA und Brasilien künftig enger zusammenarbeiten. Konkret sprachen Trump und Bolsonaro über folgende Punkte:

  • Brasilien soll einen besonderen Verbündetenstatus erhalten, der es dem Land erlauben würde, Waffen zu Sonderkonditionen in den USA zu erwerben. Völlig überraschend schloss Trump sogar eine Nato-Mitgliedschaft Brasiliens nicht aus. Dazu müsse er aber erst noch mit "einer Menge Leute reden", so Trump.
  • US-Firmen dürfen künftig eine Raketenbasis in Nordbrasilien nutzen, die es ihnen ermöglicht, Satelliten in der Nähe des Äquators schneller und günstiger ins All zu schießen.
  • Brasilien soll nach dem Willen der USA durch den Abbau von Handelsbeschränkungen mehr amerikanische Direktinvestitionen ermöglichen.
  • Washington will laut Trump den Beitritt Brasiliens zur OECD unterstützen, womit das Land in den Klub der wichtigsten Volkswirtschaften der Welt aufsteigen würde.

Ganz klar, da haben sich zwei gefunden: Bei seinem Besuch in Washington macht Bolsonaro unentwegt deutlich, wie eng er sich Trump und seinen politischen Ansichten verbunden fühlt. Brasilien und die USA stünden gemeinsam für den "Respekt für einen traditionellen, familiären Lebensstil, für den Respekt für Gott, unseren Schöpfer" - und "gegen die Gender-Ideologie oder gegen politisch korrekte Einstellungen und gegen Fake News", sagt Bolsonaro bei einem gemeinsamen Auftritt im Rosengarten des Weißen Hauses.

Bolsonaro und Trump im Rosengarten
AP

Bolsonaro und Trump im Rosengarten

Und sowieso: Er habe Amerika immer bewundert, so Bolsonaro zu Trump. "Diese Bewunderung hat sich noch vergrößert, nachdem sie Präsident geworden sind."

Für den US-Präsidenten ist so viel wohlwollender Zuspruch eine Wohltat. Mehrfach bedankt er sich bei Bolsonaro für dessen warme Worte. Besonders erfreut ihn zudem, dass der Brasilianer die gleichen Taktiken im Umgang mit kritischen Medien verwendet wie er selbst. Er sei "stolz", dass der Brasilianer den Begriff "Fake News" übernommen habe, sagt Trump zufrieden.

Ganz am Ende des Treffens will dann ein Reporter noch wissen, was der brasilianische Präsident zur US-Wahl 2020 zu sagen habe. Bolsonaro gibt eine klare Antwort: "Ich bin sicher, dass Donald Trump die nächste Wahl wieder voll und ganz gewinnen wird."

"Danke", sagt Trump. "Das sehe ich genauso."

insgesamt 86 Beiträge
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Ratzekarl 20.03.2019
1. Sprechverbote sind nicht ok
Politische Korrektheit wird vor allem in USA oft mit ausbordenden Sprechverboten assoziert, frei nach dem Motto, dass die Klatextaussage jemanden in seinen Gefühlen verletzen könnte. Dadurch wurden soviele Begriffe durch geschönte und verschleiernde Begriffe ersetzt, dass das oft die Betroffenen auch schon wieder ärgerte. Ich kann für mich persönlich nur sagen, dass ich kein Anhänger politischer Korrektheit bin, und damit mit den Neo-Reaktionären übereinstimme, aber deren anderen Kernaussagen nicht mittrage. Ich finde, man muss sich klar äußern können, halte aber Politik, die sich in die Nähe des Faschismus bewegt, dennoch für untragbar. Nur muss man das klar ausdrücken dürfen.
HanzWachner 20.03.2019
2. Na klar...
...gleich und gleich gesellt sich gern. Die Welt leidet, die Wüteriche freuts. Oje.
geotie1 20.03.2019
3.
Naja, er hat ja zuvor im kleinen Kreis ohne Trump schon mal erwähnt, wie seine Politik aussehen soll. Denn da wo die Politik nicht weiter hilft, will er die Waffe benutzen. NA, wenn das keine Aufforderung ist für seine Gegner! Ansonsten hat jeder so seine Vorstellung von seinem Gott, denn die ist zu seinem sehr Unterschiedlich. Bei meinem Gott braucht man keine Waffen, bei so andere Leute ja. Aber was soll man sagen, bisher hat noch nie jemand bewusst den Gott zu sehen bekommen. Aber wahrscheinlich sind das ja alles nur fake news!
dschungelmann 20.03.2019
4. Brasilien in der NATO?
Da krieg ich angesichts dieser beiden (noch) getarnten aber offen kommunizierten Faschisten Gaensehaut. Es wird Zeit, dass sich die Welt gegen diese Leute erhebt. Da wird ganz offen der Regimechange in Venezuela kommuniziert. UN? Voelkerrecht? In die Tonne gedrueckt. Das sind Kriminelle, keine Politiker! Meine Meinung!
s.l.bln 20.03.2019
5. Mit Gott...
...hätten die beiden bestenfalls wasbam Hut, wenn ihnen die Bibel nach der Lektüre der ersten Hälfte des alten Testamentes weggenommen worden wäre. Erstaunlich, wie oft sich ethikbefreite Soziopathen ausgerechnet auf Gott berufen, wo doch der in der Bibel skizzierte Jesus, aka ihr Religionsstifter, das Eichmodell für linke Ideen, Humanismus und political correctness war. Früher hat man solches Geschmeiß mit Sintfluten weggespült. Alternativ könnte man ihnen die Bergpredigt auf die Innenseiten der Augenlieder tätowieren. So würden ihnen im Schlaf ein paar interessante Ideen nähergebracht.
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