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Treffen in Brüssel: Macrons Dauerhandschlag mit Trump

Foto: FRANCOIS LENOIR/ REUTERS

Trump und die EU Dieser Besuch verlief nicht ganz so "amazing"

Donald Trump hat sich mit der Führung der EU getroffen - doch die Differenzen sind immens. Auch menschlich lief es nicht ganz rund.

Nein, so richtig freundlich ging es nicht zu, als Donald Trump am späten Vormittag vor dem Brüsseler Ratsgebäude eintraf, um der EU eine Stippvisite abzustatten. "Sie wissen, dass wir zwei Präsidenten haben", sagte Donald Tusk, der Ratspräsident. "Ja, das weiß ich", sagte Trump stolz. Jean-Claude Juncker, der Kommissionschef deutet auf Tusk: "Einer zu viel." Tusk murmelt, an Trump gewandt, wie kompliziert das alles sei in der EU.

Trump schaut sich die Szene amüsiert an. Ob er weiß, dass sich eine Zeitlang halb Europa über ihn lustig gemacht hat, weil er nach einem Telefonat mit Tusk nicht mehr sicher war, ob er nicht doch mit Juncker gesprochen hatte ("ein sehr angenehmer Herr rief mich an")?

Es sollte ein Termin der Heilung sein, doch dazu kam es nicht. Auch wenn die Offiziellen danach gute Stimmung zu verbreiten versuchten: Zwischen der US-Regierung und der EU liegen weiterhin Welten. Tusk redete nach dem rund einstündigen Treff nicht lange drum herum: In der Klimapolitik und beim Handel gebe es Differenzen, sagte er. "Und ich bin nicht 100 Prozent sicher, dass wir heute sagen können, dass wir eine gemeinsame Meinung zu Russland haben."

Alles prima also zwischen Europa und den USA - außer bei Klima, Handel und Russland? Es scheint, als sei es nach dem Treffen zwischen der EU-Spitze und Trump einfacher, die paar Punkte aufzuzählen, bei denen man sich einig ist, als die vielen, wo das nicht der Fall ist.

In EU-Kreisen wird betont, es sei schon ein toller Erfolg, dass das Treffen überhaupt zustande gekommen sei. Immerhin sei Trump ganz früh in seiner Präsidentschaft zur EU gekommen, Barack Obama habe sich erst viel später blicken lassen. Wie sich jeder die Dinge halt schönredet.

Trump fürchtet Jobverluste durch Brexit

Schon mit seiner Körperhaltung zeigte Trump im Europagebäude, wer der Boss ist. Als er mit Juncker und Tusk vor einer Sitzgruppe steht und genug vom Fotografiertwerden hat, zeigt er mit beiden Handflächen gönnerhaft auf die Sofas: Der Gast bedeutet den Gastgebern, sich zu setzen. Hausherr Tusk und Komapgnon Juncker folgen brav.

Ein bisschen Smalltalk gibt es noch, Trump erzählt, wie toll sein Trip bislang verlaufen sei. "Sehr spektakulär" sei es etwa in Saudi-Arabien gewesen. "Ich glaube nicht, dass es jemals so etwas schon gegeben hat." Auch beim Papst sei es "terrific" gewesen.

Einen wie Juncker erschüttert das freilich nicht. Jaja, brummt er vor sich hin. Informationen amerikanischer Medien zufolge brüstete sich Trump erneut mit seinem Wahlsieg.

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Treffen in Brüssel: Macrons Dauerhandschlag mit Trump

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Umdenken bei Trump? Am ehesten vielleicht beim Thema Brexit. Den britischen Austritt aus der EU hielt Trump bisher für eine tolle Sache. Jetzt, so sagen es EU-Offizielle, habe Trump seiner Sorge Ausdruck verliehen, dass der Brexit amerikanische Jobs vernichten könnte. Lob von der Weltmacht gab es in Sachen Nordkorea. Man wisse die harten EU-Sanktionen gegen das Land zu schätzen, so die Amerikaner.

Juncker setzte sich bei dem Gespräch für weitere Handelskooperationen mit den USA ein. Handel sei eine Win-win-Situation, sagte er nach Angaben von EU-Beamten. Trump aber hat den Handel bisher eher als Nullsummenspiel begriffen, frei nach dem Motto: Wer etwas gewinnen will, muss es anderen wegnehmen. Das Handelsabkommen TPP mit einer Reihe asiatischer Staaten hat Trump gleich nach seinem Amtsantritt zerfleddert, das fast fertig verhandelte TTIP-Abkommen mit den Europäern gilt als praktisch tot. Und bei allem zeigt seine Regierung protektionistische Tendenzen - "America first" eben.

Keine Einladung nach Washington

Immerhin: Nach dem Treffen mit Tusk und Juncker hieß es, beide Seiten unterstützten die Einrichtung einer Arbeitsgruppe - was als kleinster gemeinsamer Nenner immer geht. Auch wolle man künftig enger mit Entwicklungsländern zusammenarbeiten, um unfaire Handelspraktiken zu bekämpfen.

Richtig schwierig dürfte es jedoch beim Klimaschutz werden. Auch beim Treffen mit Juncker und Tusk gab es offenbar keine Anzeichen, dass Trump von seiner bisherigen Einschätzung, der Klimawandel sei nur Schwindel, abweichen könnte. Die mit Umweltfragen befassten Bundesbehörden lässt Trump von erklärten Umweltschutzgegnern leiten, Budgets und Personal will er radikal kürzen. Den Ausstieg aus dem Pariser Klimavertrag plant die US-Regierung nicht, stattdessen will sie ihn neu verhandeln - und wählt damit genau den Weg, auf dem sie dem internationalen Klimaschutz den größten Schaden zufügen kann.

Nach 45 Minuten zu Dritt wurde die Runde bei der EU dann deutlich erweitert. Ob Trump verwirrt war, ist nicht überliefert. Jedenfalls gesellten sich neben einigen Beratern auch EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani und EU-Chefdiplomatin Federica Mogherini für 25 Minuten dazu. "Unsere Außenministerin", wie Tusk stolz sagte.

Eine Einladung an die EU-Spitze, ihn in Washington zu besuchen, sprach Trump nicht aus. Man sieht sich ohnehin bald wieder - am Freitag beim G7-Gipfel auf Sizilien.


Zusammengefasst: US-Präsident Donald Trump kam für eine Stippvisite bei der EU-Führung in Brüssel vorbei. Doch konkrete Ergebnisse waren nach den rund einstündigen Gesprächen Mangelware. In der Handelspolitik, beim Klimaschutz und im Umgang mit Russland sind sich beide Seiten nach wie vor uneinig. Anzeichen für eine Annäherung gab es zumindest offiziell nicht.

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