Südkoreas Präsident Moon bei Trump Zu Optimismus verpflichtet

Ein Durchbruch muss her, möglichst schnell: Nach dem gescheiterten Gipfel zwischen Donald Trump und Kim Jong Un in Hanoi will Südkoreas Präsident Moon die Gespräche retten.

Moon Jae In bei Donald Trump (Archiv): "Durch raue See steuern"
YONHAP / EPA-EFE / REX

Moon Jae In bei Donald Trump (Archiv): "Durch raue See steuern"

Von , Seoul


Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Es ist keine leichte Reise für Südkoreas Präsidenten Moon Jae In. Am Donnerstag wird er US-Präsident Donald Trump in Washington treffen. Und wenn es für ihn in diesen Tagen einen Leitgedanken gibt, dann wohl am ehesten den berühmten Satz des Philosophen Karl Popper: "Optimismus ist Pflicht."

Nach der erfolgreichen Gipfeldiplomatie im vergangenen Jahr war die Moon-Regierung zuversichtlich in das neue Jahr gestartet. Sie setzte große Erwartungen in das Treffen zwischen Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un im vietnamesischen Hanoi - und war überrumpelt, als dieses ohne Ergebnis endete.

Nach der Enttäuschung muss Moon nun die Diplomatie wiederbeleben. Anfang des Monats sagte er: "Um neues Land zu erreichen, müssen wir durch raue See steuern." Was bleibt ihm anderes übrig, als optimistisch zu sein?

Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Abbau militärischer Spannungen

Nur wenn sich Kim und Trump beim Thema atomarer Abrüstung einigen, kann auch über eine Lockerung der Sanktionen gegen Nordkorea gesprochen werden - und der Friedensprozess auf der koreanischen Halbinsel voranschreiten. Die Regierung in Seoul dringt etwa auf Wirtschaftsprojekte mit dem Norden, doch unter den bestehenden Sanktionen ist das momentan nicht möglich.

Für die Bevölkerung von Südkorea sind die Verhandlungen keine theoretischen Gedankenspiele, was im Rest der Welt manchmal untergeht:

  • Es geht für sie um wirtschaftliche Zusammenarbeit, um den Abbau militärischer Spannungen und darum, menschliches Leid zu lindern.
  • Durch die Teilung des Landes getrennte Familien hoffen darauf, ihre Verwandten künftig öfter treffen oder sich zumindest Briefe schreiben zu können. Mit der Entspannungspolitik verbinden sich konkrete Hoffnungen, wohl wissend, wie fragil sie sein kann.

Denn die Hauptstadt Seoul liegt nur etwa 60 Kilometer von der Grenze entfernt und damit in Reichweite nordkoreanischer Raketen. Die Machthaber in Pjöngjang hielten in den vergangenen Jahrzehnten "also 25 Millionen Menschen als Geiseln - nämlich die Bevölkerung vom Großraum Seoul", wie es der Nordkorea-Experte Andrei Lankow treffend formulierte.

Doch da Trump und Kim Ende Februar in Hanoi zumindest nach außen im Guten auseinandergegangen sind, blieb man in Seoul zuletzt zuversichtlich. Bereits im vergangenen Jahr schaltete sich Moon immer wieder als Vermittler zwischen Washington und Pjöngjang ein. Ganz im Sinne Karl Poppers also: "Man muss sich auf die Dinge konzentrieren, die gemacht werden sollen und für die man verantwortlich ist."

Kim und Trump in Hanoi (Archiv): Nach außen im Guten
REUTERS

Kim und Trump in Hanoi (Archiv): Nach außen im Guten

Denn Vermittlung ist auch jetzt wieder dringend notwendig. Seit dem Hanoi-Gipfel hat es laut einem Bericht der "Washington Post" keine Treffen auf Arbeitsebene gegeben zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea. Die USA hätten dem Kim-Regime zwar signalisiert, dass sie bereit für weitere Gespräche seien - hätten aber von den Verhandlungsführern in Pjöngjang "nichts gehört".

"Diese Reise ist sehr wichtig"

Doch auch für die Verständigung zwischen Südkorea und den USA ist das Treffen am Donnerstag wichtig: Beide Seiten betonen, es gehe darum, die "Allianz zu stärken". Moon wandte sich am 1. April gegen jene Kritiker, die "einen Keil" zwischen Seoul und Washington treiben wollten.

"Diese Reise ist wirklich sehr wichtig", meint der frühere Diplomat Shin Kak Soo. Denn das Hauptproblem für Seoul und Washington ist momentan, dass beide Seiten unterschiedliche Auffassungen haben, wie man mit Pjöngjang umgehen soll. Wie viele Experten meint er: "Südkorea und die USA müssen eine gemeinsame Linie entwickeln, wie das Thema Nordkorea zu lösen ist."

Moon plädiert dafür:

  • die Sanktionen gegen Nordkorea teilweise aufzuheben,
  • und will diesen Vorschlag offenbar Trump am Donnerstag unterbreiten.
  • Seoul geht es besonders darum, die Sonderwirtschaftszone Kaesong wiederzubeleben, in der Süd- und Nordkoreaner zusammenarbeiten können, die nun aber geschlossen ist, und die Tourismusregion um den Berg Kumgang erneut für Südkoreaner zu öffnen.
  • Die Haltung der US-Regierung dazu war jedoch zuletzt ablehnend.

Washington fordert eine komplette und überprüfbare atomare Abrüstung Nordkoreas, bevor Sanktionen gelockert werden. Als Nordkorea beim Gipfel in Hanoi die Aufhebung aller Uno-Strafmaßnahmen forderte, die seit 2016 verhängt wurden, und im Gegenzug die Schließung der Atomanlage bei Yongbyon anbot, war das den Amerikanern zu wenig. Die Folge: Der Gipfel scheiterte.

US-Außenminister Mike Pompeo bekräftigte die Haltung seiner Regierung am Mittwoch vor dem Senat in Washington. Er sagte aber auch, dass er "ein wenig Raum lassen" wolle. Dass Pompeo damit Flexibilität in Verhandlungen mit Pjöngjang signalisierte, wurde in Seoul aufmerksam registriert.

Es braucht eine umfassende, langfristige Strategie

Während also in Nordkorea am Donnerstag die Volksversammlung zusammenkommt, wird es für Moon und Trump in den USA darum gehen, eine gemeinsame Strategie für die Zukunft zu entwickeln. Einige Beobachter glauben, dass auch schon der nächste Gipfel mit Kim in Planung ist.

Doch Jeffrey Robertson, Außenpolitik-Experte an der Seouler Yonsei-Universität, hält diese Fokussierung auf Gipfel für verfehlt und empfiehlt der südkoreanischen Regierung einen anderen Weg: "Ihr Ziel ist richtig, aber ihre diplomatische Strategie ist falsch."

Gipfeldiplomatie sei angebracht in Krisensituationen. Aber wenn die Krise überstanden sei, brauche es mehr als das: nämlich eine umfassende, langfristige Strategie. Zumal vor dem Hintergrund, dass Moon nur noch drei Jahre regieren wird; Südkoreas Präsidenten haben nur eine einmalige fünfjährige Amtszeit.

Er empfiehlt Südkorea, sich mit anderen Staaten zusammenzutun, um den Druck auf Washington zu erhöhen, die Sanktionen zu lockern. Ein Weg wäre seiner Ansicht nach eine internationale Kommission, besetzt mit Experten aus aller Welt, mit Politikern aus unterschiedlichen politischen Lagern, die Lösungen entwickeln könnten. Es gehe nicht zuletzt darum, "die Art und Weise zu verändern, wie die Welt auf die koreanische Halbinsel blickt".


Zusammengefasst: Südkoreas Präsident Moon Jae In trifft US-Präsident Donald Trump. Ziel des Treffens ist es, eine gemeinsame Politik im Umgang mit Nordkorea zu finden, nachdem das Gipfeltreffen zwischen Trump und dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un Ende Februar in Hanoi ein Flop war. Ob die gemeinsame Strategie wirklich erarbeitet werden kann, ist offen.

insgesamt 14 Beiträge
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fatal.justice 11.04.2019
1. Dass...
... sich der südkoreanische Machthaber gen Washington bewegen muss, um sich ein wohlwollendes Kopfnicken des Bündnispartners einzuholen, ist ja wohl ein Witz. Niemand wird letztendlich verhindern können, dass Süd- und Nordkorea vereinigt werden. Das ist der Wunsch nahezu aller Bewohner der Halbinsel. Die Crux ist, dass das Kim-Imperium möglichst glimpflich entschädigt werden muss. Eine Wiedervereinigung wird nur stattfinden, wenn Straffreiheit veranlasst wird. Das ist schwer zu akzeptieren, aber für den Moment nötig, um Millionen von Menschen aus dem nordkoreanischen Gulag zu befreien.
Beat Adler 11.04.2019
2. Wer entscheidet ueber Nordkorea? China! Nur China! Allein China!
Wer entscheidet ueber Nordkorea? China! Nur China! Allein China! Wenn Moon also etwas in Sachen Ende des nordkoreanischen Atomwaffenprogrammes erreichen will, langfristig den Frieden auf der koreanischen Halbinsel sichern will, muss er zur Fuehrung der alleinseligmachenden, kommunistischen Einheitspartei in Beijing reisen. Trump hilft da nicht weiter. Seit Trump am 18. Maerz 2018 voellig unnoetigerweise den Handelskrieg gegen China vom Zaun riss, seitdem alle Friedensbemuehungen mit Nordkorea im Sand verlaufen, die Abruestungen der Atomwaffen erst Recht, zeigt auf, dass es China ist, das Trump plus Moon ins Leere laufen laesst. mfG Beat
Beat Adler 11.04.2019
3. Wer entscheidet ueber Nordkorea? China! Nur China! Allein China!
Wer entscheidet ueber Nordkorea? China! Nur China! Allein China! Wenn Moon also etwas in Sachen Ende des nordkoreanischen Atomwaffenprogrammes erreichen will, langfristig den Frieden auf der koreanischen Halbinsel sichern will, muss er zur Fuehrung der alleinseligmachenden, kommunistischen Einheitspartei in Beijing reisen. Trump hilft da nicht weiter. Seit Trump am 18. Maerz 2018 voellig unnoetigerweise den Handelskrieg gegen China vom Zaun riss, seitdem alle Friedensbemuehungen mit Nordkorea im Sand verlaufen, die Abruestungen der Atomwaffen erst Recht, zeigt auf, dass es China ist, das Trump plus Moon ins Leere laufen laesst. mfG Beat
Atheist_Crusader 11.04.2019
4.
Ich beneide den Mann echt nicht. Zwischen Kim und Trump muss er sich mit zwei psychopathischen Kleinkindern arrangieren, noch dazu mit den Chinesen die nicht minder gewissenlos sind aber dazu auch noch kompetent. Ja, Trump ist theoretisch auf der gleichen Seite wie Südkorea, aber eben nur theoretisch. Er hat mit seinen kindischen Tweets bereits mit dem Leben aller auf der koreanischen Halbinsel gespielt, wollte (laut Woodwards Buch) gezielte Schläge auf nordkoreanische Atomanlagen befehlen (was nur aufgrund der Weigerung des inzwischen abgetretenen Mattis scheiterte), und seinen allgemeien Kurs gegenüber dem Land kann man nur als planlos bezeichnen: Vernichtsundrohungen gefolgt von Heilsversprechen, Ziellosigkeit geflogt von Ultimaten... Ich wünsche den Südkoreanern wirklich, dass sie die Zukunft heil überstehen. Neben dem entmündigten nordkoreanischen Volk sind sie in dieser politischen Schmierenkomödie die einzigen für die ich Sympathie finden kann.
freddygrant 11.04.2019
5. Nehmt doch diese ...
... Atombomber USA aus eurer koreanischen und besonders regionalen Politik und Diplomatie einfach heraus und regelt eurer nationalstaatlichen Beziehungen und Zusammenleben in Südostasien unter euch selbst. Wenn die EU-Europäer endlich da wären, wo sie im Interesse des Frieden hin wollen könnten sie längst ein Vorblid für euch sein - die USA definitiv nicht - oder besser nie!
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