Erdogan besucht Trump Wer ist hier der Boss?

US-Präsident Donald Trump mühte sich, dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Washington einen schönen Empfang zu bereiten - dessen Reaktion war aber nur bedingt freundlich.
Recep Tayyip Erdogan und Donald Trump trafen sich im Weißen Haus in Washington

Recep Tayyip Erdogan und Donald Trump trafen sich im Weißen Haus in Washington

Foto: AP Photo/ Evan Vucci

An seltsame Szenen im Weißen Haus hat man sich in Washington langsam gewöhnt. Doch diese Begegnung zwischen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und US-Präsident Donald Trump bot dann doch wieder ein ganz neues Erlebnis.

In einigen Momenten schien es fast so, als sei nicht Trump der Herrscher des mächtigsten Landes der Welt, sondern Erdogan. Der türkische Präsident nutzte die Gelegenheit, um die USA vor der versammelten Presse zu belehren und zu kritisieren.

Es könne ja nun nicht angehen, dass sein Erzfeind, der Prediger Fethullah Gülen, weiterhin in den USA leben könne "auf 400 Hektar Land", monierte Erdogan zum Beispiel. Gülen sei schließlich der "Anführer einer Terrororganisation".

Auch die jüngste Resolution des US-Repräsentantenhauses, in der das Osmanische Reich für den Völkermord an den Armeniern vor hundert Jahren verantwortlich gemacht wird, sei ein Ding der Unmöglichkeit. Da werde der Versuch unternommen, die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei zu unterminieren, schimpfte der Gast aus Ankara.

Trump stand still daneben. Wenn der US-Präsident an der Reihe war, hörte er sich an wie ein Juniorpartner des Türken. Er schmeichelte Erdogan und lobte ihn, so gut er konnte. "Ich bin ein großer Fan des Präsidenten", schwärmte Trump.

Ohne Frage, der türkische Präsident kann mit diesem Besuch in Washington zufrieden sein. Die Begegnung hat zwar keine konkreten Ergebnisse hervorgebracht. Doch nachdem es zwischenzeitlich so aussah, als sei das Verhältnis zwischen den USA und der Türkei wegen des Einmarschs der türkischen Armee in Nordsyrien ernsthaft zerrüttet, war davon bei dieser Visite überhaupt nichts mehr zu spüren. Es ging Trump offensichtlich darum, die Beziehung zu Erdogan neu zu starten.

"Ein großartiger Nato-Partner"

Der US-Präsident gab sich viel Mühe, seinem Gast den Besuch so angenehm wie möglich zu gestalten. Während Erdogan die USA kritisierte, startete Trump eine regelrechte Charmeoffensive. Eine geradezu paradoxe Situation: Wer erwartet hatte, dass es umgekehrt sein würde und der Amerikaner dem Türken die Leviten lesen würde, wurde eines Besseren belehrt. Zumindest im öffentlichen Teil der Begegnung: Die Türkei sei ein großartiger Nato-Partner, betonte Trump da. Und seine Beziehung zu Erdogan sei wirklich herausragend.

Offenbar hat sich der US-Präsident entschieden, über den ganzen Syrienstreit der vergangenen Wochen möglichst den Mantel des Vergessens auszubreiten. Aus seiner Sicht ist das vielleicht das Beste: Schließlich hatte Trump dabei keine allzu gute Figur gemacht. Ihm war es nicht gelungen, Erdogan von einer Invasion in Syrien abzuhalten. Stattdessen zog er sogar die US-Truppen in der Region zurück und ließ dem türkischen Militär damit freie Hand, gegen die kurdischen Verbündeten der USA vorzugehen. Sogar viele Parteifreunde des Präsidenten sind bis heute entsetzt über Trumps Zickzackkurs in der Syrienfrage.

Trump ficht das nicht an: Er sieht in Erdogan ganz offensichtlich einen wichtigen Partner, mit dem er es sich nicht verscherzen will. Es gehe jetzt darum, in die Zukunft zu blicken, machte Trump deutlich. Das bedeute, dass zum Beispiel auch der Handel mit der Türkei ausgebaut werden solle. Ein Handelsvolumen von bald hundert Milliarden Dollar und mehr sei möglich, schwärmte er. "Das ist großartig für die Türkei und für uns."

Charmeoffensive mit Senatoren

Auch ungewöhnlich für einen solchen Besuch: Trump nutzte die Gelegenheit, um Erdogan-Kritiker aus dem US-Senat mit dem Türken zusammenzubringen. Noch vor der Visite gab es im Kongress Unmut darüber, dass Trump Erdogan nach dem ganzen Syrienstreit überhaupt zu einem solchen Besuch eingeladen hat. Im US-Kongress werden weiterhin Sanktionen gegen die Türkei diskutiert.

Nun holte Trump kurzerhand eine Gruppe von republikanischen Senatoren aus seiner Partei ins Weiße Haus, darunter Ted Cruz, Lindsey Graham und der einflussreiche Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Senat, James Risch.

Erdogan dürfte dieser Freundschaftsdienst sehr recht gewesen sein. Für ihn war es eine günstige Gelegenheit, für seine Positionen zu werben. Viele Republikaner im Senat sehen Erdogans Politik gegenüber den Kurden kritisch und stören sich an seinem autokratischen Führungsstil. Zugleich sind sie aber auch empört darüber, dass Erdogan das russische Raketenabwehrsystem S-400 gekauft hat, obwohl eigentlich auch das US-System "Patriot" zur Verfügung gestanden hätte.

Trump kündigte im Anschluss an das Treffen an, Erdogan und er hätten ihre Minister und Berater angewiesen, im Streit über das Raketensystem S-400 eine Lösung zu finden. "Wir reden darüber, und wir werden hoffentlich zu einem Ergebnis kommen", sagte Trump. Von möglichen Sanktionen gegen die Türkei sagte der US-Präsident da kein Wort.

Erdogan stand daneben und lächelte zufrieden.