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US-chinesisches Spitzentreffen: Kims Raketen, Pekings Container

Foto: © Damir Sagolj / Reuters/ REUTERS

Chinas Präsident Xi bei Trump Tacheles unter Palmen

"China tötet uns" - mit solchem Getöse machte Donald Trump Wahlkampf. Nun trifft er erstmals Präsident Xi Jinping, in seinem Prunkanwesen Mar-a-Lago. Trotz aller Frostigkeiten: Beide brauchen einander.

Schon jetzt bricht im Millionärsdomizil Palm Beach in Florida jedes Wochenende der Verkehr zusammen, wenn US-Präsident Donald Trump einfliegt, um seine Luxusresidenz Mar-a-Lago zu genießen. Doch jetzt erwischt es auch den Nachbarort Lantana, der bisher verschont geblieben war.

Denn dort, in einem feinen, sonst eher ruhigen Resort am Strand, wird am Donnerstag Trumps nächster Staatsgast nächtigen - der chinesische Präsident Xi Jinping. Die ersten Verkehrsabsperrungen werden an diesem Dienstag aufgestellt. "Bereiten Sie sich auf einen Albtraum vor", warnt Polizeichef Sean Scheller die Autofahrer.

Auch anderen könnte das 24-stündige Treffen auf die Nerven gehen. Allein die Rahmenbedingungen sind nicht sonderlich gut: Beide Seiten beäugen sich äußerst misstrauisch, Trumps diplomatische Kompetenzen stehen in Frage, harte Worte im Raum.

Unter welchen Vorzeichen findet das Treffen statt?

"Der Präsident sieht dies als ersten Schritt einer konstruktiven Beziehung", hieß es zwar am Dienstag im Weißen Haus höflich. Doch mit Xi reist ein Mann nach Florida, gegen den Trump so hart Wahlkampf gemacht hat, als wäre er ein innerparteilicher Rivale gewesen. Aus Sicht des Republikaners führt Peking einen ökonomischen Krieg gegen die USA. "China tötet uns", ist einer seiner nationalistischen Lieblingssprüche. Er wirft China vor, Amerikas Wirtschaft bewusst zu schaden - mit billiger Arbeit, Subventionen für die eigene Wirtschaft, Währungsmanipulationen.

Auch kurz nach der Wahl schickte er noch mal ein knallhartes Signal, indem er mit Taiwans Staatschefin telefonierte, was in China als massiver Eingriff in die inneren Angelegenheiten und mögliche Absage an die Ein-China-Politik interpretiert wurde - ein Eindruck, den Trump dann schnell wieder relativieren musste.

Trumps Florida-Domizil Mar-a-Lago

Trumps Florida-Domizil Mar-a-Lago

Foto: © Joe Skipper / Reuters/ REUTERS

Warum kommt Xi nicht nach Washington?

Anders als Kanzlerin Angela Merkel lädt Trump Xi auf sein Privatanwesen in Florida. Arrangiert hat das sein Schwiegersohn Jared Kushner, angeblich im Alleingang mit Chinas Botschafter Cui Tiankai. In Mar-a-Lago fühle sich Trump "wohl und zu Hause", sagt einer seiner Berater. "Er hofft, dass er dort ohne die Formalitäten Washingtons das Eis brechen kann." Schließlich hatte Trumps Vorgänger Barack Obama Xi 2013 ähnlich leger im kalifornischen Palm Springs empfangen.

Doch Mar-a-Lago zu schützen kostet die US-Steuerzahler schon so mehrere Millionen Dollar extra pro Tag. Auch ist das Kommen und Gehen in der Villa, die zugleich als Privatclub für zahlende Mitglieder dient, kaum zu kontrollieren: Während der Visite des japanischen Premiers Shinzu Abe kam es zum Eklat, als Trump eine Lagebesprechung zu Nordkorea auf der Terrasse abhielt - vor den Dinner-Gästen. Auch diesmal ist ein Dinner geplant, außerdem ein Arbeitslunch und mehrere Gesprächsrunden. Fest steht aber: Xi wird nicht gemeinsam mit Trump dessen Lieblingsbeschäftigung frönen, dem Golfspielen, denn das gilt in China als Symbol westlicher Korruption. "Sie werden vielleicht etwas herumlaufen", hieß es dazu. "Aber garantiert kein Golf."

Welche Rolle spielt der Konflikt in Nordkorea?

Nichts dürfte das Treffen so überschatten wie die Nordkorea-Krise. Das stalinistische Regime in Pjöngjang prahlt seit Monaten mit großen Fortschritten im Atomprogramm, die Aufrüstung der Regierung von Kim Jong-Un ist sowohl für die USA als auch für China ein massives Problem. Aus amerikanischer Sicht ist Nordkorea die größte Gefahr für die nationale Sicherheit. Pjöngjang arbeitet angeblich an einer nuklearen Interkontinentalrakete, die die Westküste der USA erreichen könnte.

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US-chinesisches Spitzentreffen: Kims Raketen, Pekings Container

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Trump hat die Gefahr erkannt. Dass bereits sein Außen- wie auch sein Verteidigungsminister in die Region gereist sind, zeigt, wie ernst Washington das Thema nimmt. Der Präsident selbst kündigte jüngst an, das Problem notfalls im Alleingang anzugehen, sollte China nicht mehr Druck auf Pjöngjang machen. Zuvor will er aber einen gemeinsamen Weg ausloten und eine Wiederaufnahme der so genannten "Sechs-Parteien-Gespräche" erreichen.

Trump wie Xi stecken im Dilemma: Der US-Präsident will China zu mehr Kooperation in Sachen Nordkorea drängen, sieht die Regierung von Xi aber wirtschaftspolitisch als Feind. Peking wiederum hält zum Ärger der USA noch immer die schützende Hand über Nordkorea. Eine militärische Eskalation will aber auch Xi nicht, sie hätte massiven Migrationsdruck ins eigene Land und eine stärkere Präsenz der Amerikaner vor den eigenen Grenzen zur Folge. Aber sich von Nordkorea loszusagen, hätte den Nachteil, an Einfluss auf der strategisch so wichtigen nordkoreanischen Halbinsel zu verlieren.

Man ziehe es vor, mit China zusammen auf Nordkorea einzuwirken, hieß es am Dienstag in US-Regierungskreisen. "Aber dies ist nun sehr dringend geworden. Die Uhr ist abgelaufen, und für uns sind alle Optionen auf dem Tisch."

Droht Trump einen Handelskrieg mit China anzuzetteln?

Handel ist für Trump ein zentrales Thema. "Alles dreht sich um Handel", sagte er am Wochenende in einem Interview mit der "Financial Times". Gerade in diesem Fall: Das US-Handelsdefizit mit China beläuft sich auf fast 350 Milliarden Dollar im Jahr - ein "unfairer Deal", so Trump, der den Amerikanern die Jobs wegnehme. Er wolle das mit Xi "offen und konstruktiv ansprechen", hieß es. Auch hatte er China im Wahlkampf als Währungsmanipulator bezeichnet, was die vorherige US-Regierung vermieden hatte. China dagegen weist eine Schuld am Handelsdefizit zurück, bezeichnet es als Resultat globaler Ungleichheiten und Bewegungen. In der Tat ist der - nicht nur von Trump verbreitete - Mythos vom Exporttiger kaum mehr aktuell, sank der Anteil der Exporte am chinesischen Bruttoinlandsprodukt in den vergangenen zehn Jahren doch von 35 auf 19 Prozent.

So dürfte auch Trumps Drohung von Strafzöllen eben das bleiben: eine Drohung.


Zusammengefasst: Ein entspanntes Treffen dürfte es nicht werden, wenn Donald Trump seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping begegnet. Zudem droht im Anwesen Mar-a-Lago ein Sicherheitsalbtraum. Wenn die beiden Politiker sprechen, steht das Thema Nordkorea über allem. China schützt das Kim-Regime, die USA wünschen sich mehr Druck aus Peking auf Pjöngjang. Auch die Handelsbeziehungen beider Länder liefern reichlich Diskussionsstoff.


Anmerkung: Bei der Angabe zur Höhe des US-Handelsdefizits mit China hatte sich eine Null zu viel eingeschlichen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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