Tweets zu Baltimore CNN-Moderator antwortet emotional auf Trump-Attacke

Baltimore sei ein "von Ratten befallenes Drecksloch", twitterte US-Präsident Trump. CNN-Moderator Victor Blackwell will das so nicht stehen lassen - und kämpft bei seiner Replik mit den Tränen.

Stadtansicht von Baltimore: "Gefährlichster" Ort der USA
AFP

Stadtansicht von Baltimore: "Gefährlichster" Ort der USA


Immer wieder ist da dieses eine Wort: "infested", zu Deutsch etwa "befallen". US-Präsident Donald Trump nutzte es am Samstag bei seiner Twitter-Tirade, um die mehrheitlich von Schwarzen bewohnte Stadt Baltimore niederzumachen. Ein "widerliches, von Ratten und Nagern befallenes Drecksloch" sei diese, der "schlimmste" und "gefährlichste" Ort der USA.

Die Beleidigungen waren Teil seiner Angriffe via Twitter auf den afroamerikanischen Abgeordneten Elijah Cummings. Er ist Trump-Kritiker und repräsentiert Marylands siebten Kongressbezirk im Abgeordnetenhaus - ein Bezirk, in dem mehrheitlich Afroamerikaner leben.

Dass dabei wieder das Wort "infested" fiel, ist CNN-Moderator Victor Blackwell zufolge keine Überraschung. Er analysierte und kommentierte die Tweets des Präsidenten in der Nachrichtensendung "Newsroom" am Samstagabend. Der knapp 162 Sekunden lange Clip wurde bereits von Tausenden Nutzern in dem sozialen Netzwerk geteilt. Blackwell zeigt darin auf, dass Trump den Begriff "infested" meist im Zusammenhang mit Verunglimpfungen von schwarzen politischen Gegnern benutzt.

Der CNN-Moderator stellt klar: "Wenn er [Trump, Anm. d. Red.] über einen 'Befall" twittert, geht es um Schwarze und braune Menschen." Er selbst stamme aus Baltimore, sagt Blackwell schließlich, der Stadt, in der laut dem US-Präsidenten "niemand leben will". Dort gebe es ohne Frage Herausforderungen, sagte der Moderator mit Tränen erstickter Stimme, mehrfach musste er neu ansetzen. Aber die Menschen dort seien auch Amerikaner. Sie würden genauso ihren Flaggenschwur aufsagen wie Bürger aus republikanisch regierten Orten der USA.

Cummings ist scharfer Trump-Kritiker

Die Vorsitzende des Abgeordnetenhauses Nancy Pelosi nannte Trumps Twitter-Botschaften ebenfalls "rassistisch". Cummings sei ein angesehener Kollege und trete für Bürgerrechte und wirtschaftliche Gerechtigkeit ein. "Wir alle weisen die rassistischen Attacken gegen ihn zurück." Die Zeitung "Baltimore Sun" veröffentlichte einen Leitartikel, der mit den Worten überschrieben war: "Besser ein paar Ratten in der Nachbarschaft, als eine zu sein".

Trumps Stabschef hingegen wies die Rassismus-Vorwürfe gegen den Präsidenten bei Talkshow-Auftritten am Sonntagmorgen zurück. Dieser habe bei seiner Kritik an Cummings lediglich sprachlich etwas übertrieben.

Der demokratische Bürgermeister von Baltimore, der afroamerikanische demokratische Politiker Bernard Young, kritisierte Trumps Rhetorik als "schmerzlich und gefährlich" sowie "völlig unannehmbar".

Cummings selbst twitterte seine Antwort: "Herr Präsident, ich kehre täglich in meinen Wahlkreis nach Hause zurück. Jeden Morgen wache ich auf, und ich gehe raus und kämpfe für meine Nachbarn. Es ist meine verfassungsgemäße Pflicht, die Aufsicht über die Exekutive auszuüben. Aber es ist meine moralische Pflicht, für meine Wähler zu kämpfen."

Cummings ist Vorsitzender des Ausschusses für Aufsicht und Reformen im Repräsentantenhaus. Er hatte zuletzt Untersuchungen zu den Zuständen in Sammellagern für Migranten an der US-Grenze angestoßen.

Das US-Repräsentantenhaus hatte erst Mitte des Monats "rassistische Kommentare" Trumps gegen vier demokratische Abgeordnete scharf verurteilt. (Lesen Sie hier eine Analyse dazu.)

vks



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