Treffen an der koreanischen Grenze Donald Trump lädt Kim Jong Un ins Weiße Haus ein

Donald Trump hat am Sonntag als erster amtierender US-Präsident nordkoreanischen Boden betreten. Beim Treffen mit Machthaber Kim sprach er eine Einladung aus - und schwärmte von möglichen Immobiliendeals.

Kevin Lamarque/ REUTERS

Historischer Moment an der Demarkationslinie: Nach seinem dritten Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat Donald Trump als erster amtierender US-Präsident den Boden des kommunistischen Landes betreten.

Gemeinsam mit Kim ging Trump über die Grenze und lief einige Schritte in Nordkorea. Anschließend überschritten beide die Grenze nach Südkorea und wechselten ein paar Worte. Kim sagte, er hätte nicht erwartet, Trump jemals an der Grenze zu treffen.

Trump betonte mehrmals sein gutes persönliches Verhältnis zu Kim. "Wir mochten uns vom ersten Tag an", sagte Trump. "Es ist eine Ehre hier zu sein." Trump zeige seine Bereitschaft, an einer neuen Zukunft zu arbeiten, sagte Kim.

Trump spricht Einladung nach Washington aus

Bei ihrem Treffen sprach Trump auch eine Einladung nach Washington aus. Er wolle ihn "jetzt gleich ins Weiße Haus einladen", sagte Trump zu Kim. Sie verständigten sich zudem darauf, die Gespräche beider Länder wieder aufzunehmen. In den nächsten Wochen sollen Arbeitsgruppen auf beiden Seiten gegründet werden. Die US-Gruppe werde von Außenminister Mike Pompeo zusammengesetzt.

Trump hatte das Treffen in einer angeblich spontanen Einladung erst am Vortag via Twitter ausgesprochen. "Gestern habe ich mir so gedacht: Hey, wir sind hier, lasst uns treffen", sagte Trump. Dann habe er seine Twitter-Nachricht herausgegeben. "Nur Händeschütteln und Hallo sagen", sagt Trump. In der Folge gab es eine hektische Last-Minute-Diplomatie, die zur Akzeptierung der Einladung seitens Nordkorea führte.

Das US-Außenministerium arbeitet seit Langem mit Hochdruck an einem Wandel durch Annäherung:

  • Gleich mehrmals in wenigen Wochen traf sich Trump mit Japans Ministerpräsident Shinzo Abe, um über Nordkorea zu reden.
  • Auch auf Arbeitsebene gab es Fortschritte: Der Sondergesandte des US-Außenministeriums, Steven Biegun, führte unzählige Gespräche in Asien, zuletzt in Korea selbst.
  • Der Flug in die entmilitarisierte Zone, die die Halbinsel in Nord- und Südkorea aufteilt, sei schon "lange geplant" gewesen, gab Trump selbst zu.

Das Treffen im Video:

Vor allem Trump dürfte die weltpolitisch spektakulären Bilder nun im Kopf gehabt haben, als er sich zu dem ungewöhnlichen Schritt, den noch keiner seiner Amtsvorgänger gewagt hatte, entschied.

Doch ob das PR-Treffen substanziell zur Entspannung auf der koreanischen Halbinsel beitragen wird, ist offen. Dazu bräuchte es konkrete Maßnahmen Pjöngjangs, etwa beim Abbau von Atomanlagen. Absehbar ist das jedoch nicht. "Wenn anschließend nichts passiert, dann war es bloß Theater", sagte der frühere US-Sonderbeauftragte für Nordkorea, Joseph Yun, dem US-Fernsehsender CNN.

Trump gab sich indes zuversichtlich. "Wer hastet, der bringt sich in Schwierigkeiten", sagte der US-Präsident und erklärte, er habe keine Eile. Dasselbe hatte er zuvor zur Irankrise und zum Handelskonflikt mit China gesagt.

Auch den Nordkorea-Konflikt will Trump mit Hilfe der Wirtschaftskraft der USA lösen: Er versprach blühende Landschaften in dem bitterarmen Land. Es gebe viele Grundstücke direkt an der Küste, die hervorragend zu vermarkten seien, sagte der frühere Immobilienmogul.

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Donald Trump trifft Kim Jong Un: "Es ist eine Ehre, hier zu sein"

Für Südkoreas Moon, der sich am Grenzpunkt in Panmunjom auffällig im Hintergrund hielt, war die Mission heikel. In Südkorea und auch im benachbarten Japan mehren sich die Stimmen, die eine Politik der Annäherung für gefährlich halten. Nordkorea werde sich nie ändern und sein Faustpfand, die Atomwaffen, niemals völlig aus der Hand geben, meinen Skeptiker. Alles andere wäre demnach eine Selbstaufgabe des Systems.

Andere betonen, wie wichtig der Dialog für den Friedensprozess sei. Der Weg zur Wiedervereinigung, den Moon gerne gehen möchte, bleibt ein langer. Seit Ende des Korea-Krieges 1953 gibt es keinen offiziellen Friedensschluss auf der Halbinsel - ein entsprechender Vertrag gilt als mittelfristiges Ziel.

sen/dpa/Reuters

insgesamt 92 Beiträge
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Papazaca 30.06.2019
1. Die Wiedergeburt: Laurel und Hardy leben.
Wobei mir die deutschen Namen für die bekannten Komiker besser gefallen. Der Vergleich mit den beiden Herren auf dem Foto in Korea ist natürlich zutiefst ungerecht: Über Laurel und Hardy konnte man lachen, über die beiden in Korea sicher nicht. Aber alles geht mal vorbei.
Kanalysiert 30.06.2019
2.
So sehr ich Trump nicht leiden kann....aber den Dialog zu wählen ist mal was Richtiges, abseits von seinen ganzen anderen beknackten Aktionen.
R.H. 30.06.2019
3. Zwei Kinder,
die mit echten Atombomben spielen können, suchen die große Anerkennung für ihr krankes Ego. Wehe wenn der Friedensnobelpreis nicht kommt...
gunpot 30.06.2019
4.
Zitat von PapazacaWobei mir die deutschen Namen für die bekannten Komiker besser gefallen. Der Vergleich mit den beiden Herren auf dem Foto in Korea ist natürlich zutiefst ungerecht: Über Laurel und Hardy konnte man lachen, über die beiden in Korea sicher nicht. Aber alles geht mal vorbei.
Nein über die beiden sollte man auch nicht lachen. Alles was dem Frieden dient, sollte willkommen sein Was heute hier passiert ist, das ist ein historischer Akt, der in seiner Reichweite erst viel später richtig erkannt wird. Natürlich wird sich Trump vor Ende seiner jetzigen Wahlperiode als Friedenspräsident feiern lassen, Kim ebenfalls, dem bei Wohverhalten auch noch kräftige international und bilaterale US-Unterstützung winkt. Wir sollten bei all dem nicht die darbende Bevölkerung in NK nicht vergessen. Die dürfte vor allem profitieren. Das passt vielleicht nicht den eingeschworenen Feinden Trumps; denn alles was der tut ist doch sh.t. Dabei dürfte die Furcht vieler Demokraten mitspielen, dass Trump in den polls nun besser abschneiden dürfte. Let us see...
qualidax 30.06.2019
5. Leider wird die positive Stimmung nicht von Dauer sein ...
... nicht etwa, weil Trump - wie hierzulande immer gerne in endlosen Versionen kolportiert - dumm ist und lügt, sondern weil ihn der Deep State zuhause 1-2-fix ganz schnell wieder zurecht-formatiert. Den Eindruck hatte ich bereits öfters: Sei es ein Treffen mit Putin, zur Syrien- oder Militärpolitik. Ist er allein, tut und äußert er Dinge, die erstmal ganz vernünftig klingen ... kaum zwei Tage später ist alles (offiziell) ganz anders. Ich bin sicher, auch ein Trump kann lange nicht so, wie er will. Nicht missverstehen: Es gibt trotzdem mehr als genügend Kritik-Potentiial, aber die ewige Dumm-Lüge-Schowi-Leier ist mir deutlich zu platt ...
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