Eklat im Weißen Haus "Sarah Sanders sollte gefeuert werden"

Seit Jahrzehnten berichtet Brian Karem über das Weiße Haus, er war auch beim jüngsten Streit zwischen Präsident und CNN-Reporter dabei. Im SPIEGEL-Interview macht er Trump und seiner Sprecherin schwere Vorwürfe.
Regierungssprecherin Sarah Huckabee Sanders

Regierungssprecherin Sarah Huckabee Sanders

Foto: SHAWN THEW/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Wenn CNN-Reporter Jim Acosta und US-Präsident Donald Trump aufeinandertreffen, dann knallt es meistens. Acosta nervte den Republikaner schon häufiger mit seinen Fragen. Doch die jüngste Begegnung bei der Pressekonferenz im Weißen Haus hat eine neue Qualität - aus mehreren Gründen.

Erstens entzog das Weiße Haus dem Journalisten die Presseakkreditierung "bis auf Weiteres". Damit ist ihm der Zugang zum Weißen Haus verwehrt. Schon das ist ein ungewöhnlicher Schritt. Doch für wesentlich mehr Kritik sorgte die Begründung von Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders. Acosta soll sich vehement dagegen gewehrt haben, das Mikrofon zurückzugeben und dabei die "Hände auf die Praktikantin gelegt" haben. Das könne nicht toleriert werden.

Als Beweis veröffentlichte Sanders ein Video, das die strittige Szene zeigen soll. Tatsächlich behielt Acosta trotz mehrfacher Aufforderung das Mikrofon. Doch das angebliche Beweisvideo ist äußerst umstritten. Wie sich herausstellte, stammt es von der rechten Verschwörungsseite "Infowars" - und ist laut mehreren Medienberichten bearbeitet worden.

So entsteht der Eindruck, Acosta habe den Arm der Mitarbeiterin des Weißen Hauses massiv weggedrückt. Andere Aufzeichnungen zeigen ein etwas anderes Bild.

Korrespondent Brian Karem war als Journalist bei der Skandal-Pressekonferenz dabei und zeigt sich im SPIEGEL-Interview entsetzt vom Verhalten und den Anschuldigungen der Regierung.

Zur Person

Brian Karem ist der Chefredakteur der "Sentinel Newspapers", einer Lokalzeitungsgruppe im Großraum Washington. Nebenher schreibt er eine Kolumne für das Magazin "Playboy". Aus dem Weißen Haus berichtet er, seit Ronald Reagan US-Präsident war.

SPIEGEL ONLINE: Sie berichten seit Jahren aus dem Weißen Haus, lieferten sich mit Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders selbst schon Wortgefechte. War das Verhältnis zwischen Präsident und Medien jemals so schlecht?

Karem: Seit Donald Trump Präsident ist, versucht die Regierung, Journalisten einzuschüchtern. Der Vorfall mit Jim Acosta ist eine Fortsetzung dessen. Dem Weißen Haus ist die freie Presse ziemlich egal. Sie sind eher daran interessiert, sie zu drangsalieren und schikanieren. Wie sich Trump und sein Team gegenüber Jim Acosta verhalten haben, war eines Präsidenten nicht würdig, unverschämt und nicht legal.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Kollege Acosta weigerte sich bei der Pressekonferenz, das Mikrofon abzugeben und stellte weiter Fragen. Trumps Sprecherin verurteilte dieses Verhalten. Sie teilte ein Twitter-Video, auf dem zu sehen sein soll, wie Acosta die Hand der Mitarbeiterin mit Gewalt wegdrückte. Experten sprechen von einer Fälschung.

Karem: Sarah Sanders ist schlicht eine Lügnerin. Sie sollte gefeuert werden. Sarah Sanders ist die schlechteste Pressesprecherin des Präsidenten, mit der ich in meiner 30-jährigen Karriere zusammengearbeitet habe.

Video zu Jim Acosta: Ein Journalist als Lieblingsfeind des US-Präsidenten

SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE: Was sagen Sie zu dem Video?

Karem: Noch mal: Sarah Sanders lügt. Sie hat ein manipuliertes Video verwendet, als Beleg für ihre Lügen. Das gehört sich nicht. Diese Regierung hat keinerlei Beziehung zu Fakten und der Wahrheit, sie will nur ihre Propaganda verbreiten - und nennt uns dann noch Lügenpresse.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie noch Hoffnung, dass sich das Verhältnis zwischen Medien und der Regierung bessern könnte?

Karem: Mir fehlt da die Vorstellungskraft für Veränderungen. Trump wird an seinem Kurs festhalten - das heißt: Er hat den Medien den Krieg erklärt und versucht, einen Keil zwischen die Journalisten zu treiben. Wir müssen dagegenhalten, indem wir unsere Arbeit machen und ihm und den Menschen die Auswirkungen dieser Politik vor Augen führen.

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern haben Trumps Sprache, seine Kritik an Medien, Demokraten und Immigranten bei den Midterm-Wahlen einen spürbaren Effekt gehabt?

Karem: Donald Trump hat bei den Midterms das Repräsentantenhaus und damit viel Einfluss verloren. Auch wenn er das öffentlich anders darstellt. Von nun an kann Trump Anhörungen über seine Vergehen dort nicht mehr verhindern. Die Demokraten werden versuchen, dass die Befragungen öffentlich im Fernsehen ausgestrahlt werden. So können die Menschen von Trumps Machenschaften erfahren. Das, was Trump gestern mit Jim Acosta getan hat, ist übrigens typisch für ihn: Es ist einfacher, sich auf den zu stürzen, der die Fragen stellt, als selbst Antworten zu geben und für diese gerade zu stehen.

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