US-Medien über Trumps Militärschlag in Syrien Krieg geht immer
Flugzeugträger "USS Carl Vinson"
Foto: REUTERS/ U.S. NavyMit den Bomben der Operation "Desert Storm" brach die heiße Phase des zweiten Golfkriegs los, des ersten live im US-Fernsehen übertragenen Kriegs. Die nächsten drei Monate waren reines Quotengold für CNN - und Präsident George Bush erreichte die höchsten Popularitätswerte aller Zeiten, die erst sein Sohn nach den 9/11-Anschlägen noch übertreffen würde.
Nichts verkauft sich so gut wie Krieg. Auch jetzt wieder: Begeistert stürzen sich die US-Medien auf Donald Trumps Syrien-Abenteuer und machen sich so zu Komplizen des Weißen Hauses - auch wenn diese neueste Trump-Realityshow streckenweise so billig inszeniert ist wie eine Seifenoper.
Bilder, Szenen, Schlüsselreize: Trump, Meister der Manipulation, bediente sich altbewährter Symbolik, um Amerikas Kriegslust zu schüren.
Die Rede an die Nation, deren Patriotenpathos freilich in schlampiger Produktion unterging. Das Video fauchender "Tomahawks" am mediterranen Nachthimmel. Die allseits beliebte "Zeitleiste", diktiert von Sprecher Sean Spicer ("20.30: Ausländische Staatschefs benachrichtigt!"). Das Foto aus dem "Situation Room", in diesem Fall ein Nebenzimmer in Trumps Privatklub Mar-a-Lago, wo sie die legendäre Szene der Aktion gegen Osama bin Laden vom Mai 2011 amateurhaft zu kopieren versuchten.
Trump und Sicherheitsberater im Mar-a-Lago
Foto: DPA/ The White HouseTrotz aller Klischees bissen die Medien an. Kommentatoren von rechts wie links krönten Trump reflexartig zum "Präsidenten der Vereinigten Staaten", als werde man das erst mit einer Kriegshandlung. MSNBC-Anchor Brian Williams, der sich im Irakkrieg die Sporen verdient hatte, fand die Bilder der Marschflugkörper "wunderschön". Bret Stephens vom "Wall Street Journal", sonst ein Kritiker, salutierte. "Trumps Herz kam zuerst", schrieb selbst die "New York Times" und rief "eine Wende in seiner Präsidentschaft" aus.
Nur 24 Stunden nachdem Trump auf dem bisher tiefsten Punkt angekommen zu sein schien, von Chaos und Skandalen umgeben, war er auf einmal der Liebling der amerikanischen Polit-Schreiber. Der Mann, der sich einst mit einem Attest um den Vietnam-Dienst drückte und zuletzt als inkompetente "Puppe" Wladimir Putins galt, hatte sich mit 59 "Tomahawks" neu erfunden. "Er musste nur einen Krieg anfangen", schrieb der Kolumnist Sam Sacks auf Twitter.
Die nächsten Versatzstücke liefern nun die Medien selbst: Sie bereiten den "Einmalschlag" zum virtuellen Videospiel auf, für noch mehr Quoten und Klicks. Grafiken, 3D-Rekonstruktionen, Satellitenbilder, Pentagon-Ziellisten ("Flugzeuge, Flugzeugschutzbauten, Benzin- und logistische Lager, Munitionsbunker"): Derlei Kriegsporno lässt schnell vergessen, dass bei der Aktion 15 Menschen starben, denn das sieht man nicht. Und dass diese drei Stunden so viel kosteten wie fast der gesamte US-Kulturetat, den Trump streichen will - militärisch aber kaum mehr waren als ein glorifizierter Stinkefinger. Von unabsehbaren geopolitischen Turbulenzen mal gar nicht zu sprechen.
Dass Politiker und Wähler schnell zu willigen Kriegsfans mutieren, ist beklagenswert genug. Doch dass die US-Medien, als letzte Instanz der Kritik und Kontrolle, ebenso versagen, erschreckt noch mehr. Sobald Raketen aufsteigen und Bomben fallen, würden vor allem die von immer neuen visuellen Reizen lebenden TV-Sender "auf Anhieb zu staatlichen Medien", schreibt Glenn Greenwald - der 2013 die Enthüllungen des CIA-Whistleblowers Edward Snowden publizierte - auf der Website "Intercept".
Die Frage ist: Wie lange ziehen diese zynischen Kriegsspiele? Die Aufmerksamkeitsspanne der meisten Amerikaner ist heute nur noch minimal - und die des Präsidenten ebenfalls. Wohin fliegen die nächsten Raketen? Am Wochenende hatte Trump die Uniform des Feldherrn schon wieder abgeworfen und verbrachte zehn Stunden auf dem Golfplatz.