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Trumps neue Afghanistan-Strategie "Wir werden angreifen"

Auslandseinsätze des US-Militärs wollte Donald Trump eigentlich schnell beenden. "Amerika zuerst" - das war sein Wahlversprechen. Nun will er als Präsident den Krieg in Afghanistan verschärfen. Was steckt hinter der Kehrtwende?

Wenn es etwas gibt, das Donald Trump an seinem Präsidentenamt richtig gut gefällt, dann ist es die Rolle des Oberbefehlshabers der Streitkräfte. Bei seiner großangekündigten Rede zur neuen Afghanistan-Strategie vor Soldaten im Stützpunkt Fort Myer in Virginia war er voll in seinem Element: Trump salutierte vor der US-Flagge, lobte die Opferbereitschaft und Vaterlandsliebe der Soldaten und setzte die Miene des grimmigen Feldherren auf.

"Wir werden angreifen", verkündete er martialisch und erläuterte dann, was er in Afghanistan vorhat. Viele Details verriet er nicht, im Wesentlichen besteht Trumps neue Strategie aber aus drei zentralen Punkten, die durchaus Ähnlichkeit mit der Strategie der vorherigen Regierung aufweist (das vollständige Redeprotokoll finden Sie hier ).

  • Er will den Kampf gegen Taliban und Ableger der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) ausweiten, um zu verhindern, dass Afghanistan zum Rückzugsort für Terroristen wird, die dann die USA oder ihre Verbündeten angreifen könnten. Dieser Fehler sei von den USA im Irak gemacht worden, argumentierte Trump. Nach dem vorschnellen Abzug, habe sich dort der IS ausbreiten können. Ziel sei es nun, den Krieg in Afghanistan zu gewinnen, verkündete der Präsident. Dazu werde er aber keine Abzugstermine und auch keine genaue Truppenstärke nennen, "um dem Feind keine Informationen zu geben".
  • Die afghanische Regierung soll mehr Hilfe erhalten, um mit der eigenen Armee gegen die Taliban zu kämpfen. Gleichzeitig soll die Regierung in Kabul dazu gebracht werden, endlich stärker gegen Korruption und Misswirtschaft vorzugehen. Trump schloss auch Verhandlungen mit den Taliban nicht aus, um irgendwann zu einem Frieden zu kommen.
  • Nachbarstaaten wie Pakistan sollen stärker unter Druck gesetzt werden, damit sie nicht weiter zum Rückzugsort für Taliban und Terroristen werden, die über die Grenze aus Afghanistan kommen. Außerdem sollen auch andere Verbündete zu weiterer Mithilfe gebracht werden. Auch Indien solle sich endlich mehr für den Konflikt in seiner Nachbarschaft engagieren, forderte Trump.
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Welche Position Trump bisher vertrat

Trumps neue Strategie ist für ihn eine erstaunliche Kehrtwende. "America First" - "Amerika zuerst", das war eigentlich sein großes Versprechen im Wahlkampf. Alte Allianzen wie die Nato nannte er "obsolet", den Auslandseinsatz der US-Armee in Afghanistan hielt er für unsinnig. "Wir sollten dort schnell abziehen", forderte er. "Warum verplempern wir unser Geld?" Die Milliarden von Dollar für das Militär seien Daheim doch viel besser angelegt.

Nun hat Trump - mal wieder - seine Meinung geändert, zumindest in Sachen Afghanistan. Die vielen gelernten Militärs in seinem engsten Beraterkreis haben ihn offenbar dazu überredet, den Kampf in dem Land nicht aufzugeben: Der neue Stabschef John Kelly, Sicherheitsberater H.R. McMaster und Verteidigungsminister James Mattis warben schon seit Längerem für eine Aufstockung des Truppenkontingents. Im Gespräch ist die Entsendung von zunächst 4000 zusätzlichen Soldaten. Derzeit sind es gut 8000.

Der Einfluss der Militärs

Kelly und Co. kennen die Stimmung in der Armee, etliche Kommandeure von der Front beklagten sich bei ihnen, dass die Taliban und der IS-Ableger in Afghanistan drauf und dran seien, das Land zu übernehmen. Eine schnelle Truppenaufstockung sei geboten, um der afghanischen Armee bei ihrem Kampf gegen ihre Gegner besser helfen zu können, argumentierten sie.

Auch führende Kongressabgeordnete wie etwa John McCain hatten Trump bereits seit Monaten zum Handeln gedrängt. Laut einem Bericht des Pentagons waren zum Jahreswechsel nur noch 57 Prozent der Bezirke unter der Kontrolle der Zentralregierung - ein Rückgang zum Vorjahr um 15 Prozent.

Soldaten im Stützpunkt Fort Myer in Virginia

Soldaten im Stützpunkt Fort Myer in Virginia

Foto: Carolyn Kaster/ AP

Auf Trump, der Militärs bewundert und gerne von "meinen Generälen" spricht, hat das offenbar Eindruck gemacht. Allerdings hat er sich seine Entscheidung nicht leichtgemacht. Sein erster Instinkt sei gewesen, abzuziehen, sagte er bei seiner Rede in Virginia. Wenn man dann aber als Präsident im Oval Office sitze, sehe man die Dinge anders.

Die Rolle von Stephen Bannon

Trumps Kehrtwende waren heftige interne Debatten vorausgegangen. Vor allem Stephen Bannon, bis vergangenen Freitag Trumps Chefstratege, war klar gegen die Truppenaufstockung und hatte stattdessen den Aufbau einer Söldnertruppe ins Spiel gebracht. Der Ultranationalist sieht in der Entsendung zusätzlicher Soldaten einen Verstoß gegen Trumps "America First"-Agenda.

Bannon hatte sich auch stets gegen ein allzu starkes Engagement der USA im Koreakonflikt ausgesprochen. Kelly, McMaster und Mattis stellten sich gegen Bannon. Die immer stärker werdende Position der Generäle im Weißen Haus war wohl mit ein Grund dafür, dass Trump und Bannon nun getrennte Wege gehen. "Die Trump-Präsidentschaft, für die wir gekämpft haben, ist vorüber", stellte Bannon frustriert fest.

Was bedeutet das für die Zukunft?

Die große Frage lautet nun, ob mit Trumps Kehrtwende in Afghanistan ein breiterer Strategiewechsel verbunden ist, ob Trump also nun zu einer eher traditionell-republikanischen Außenpolitik übergeht - weitere Auslandseinsätze eingeschlossen.

Das ist durchaus möglich, aber viel wird sicher davon abhängen, wie seine neue Politik bei seinen Wählern an der republikanischen Basis ankommt. Sie hatten sich schließlich mehr militärische Enthaltsamkeit gewünscht. Auch um dort nicht allzu viel Unruhe auszulösen, hat Trump wohl absichtlich auf die Nennung konkreter Truppenzahlen verzichtet.

Fest steht aber schon jetzt: Sollte Trump mit seinem neuen Kurs an seiner Basis auf Widerstand stoßen, wird er sicherlich die nächste 180-Grad-Wende einleiten. Zumindest wäre das dann wieder ein echter Trump.