Trump und die Republikaner Operation gelungen, Partei tot

Bei den US-Republikanern geht es drunter und drüber: Nach Donald Trumps Sieg zeigt sich, wie sehr die Kampagne des Milliardärs die Partei beschädigt hat. Braucht er sie überhaupt noch?

Donald Trump
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Donald Trump

Von , Washington


Er ist jetzt ein bisschen vorsichtiger im Ton. Hier ein Lob, dort eine Huldigung. Ach ja, und wegen dieser Unberechenbarkeit: Da machen Sie sich mal keine Sorgen. "Ich bewerbe mich nicht um die Präsidentschaft, um das Land zu destabilisieren", sagt Donald Trump.

Das ist ein erstaunlicher Satz aus dem Munde des Milliardärs, denn die Destabilisierung schien ja bisher ein Kernelement seiner Kampagne zu sein. Irgendwie alles durcheinanderbringen, damit die Sehnsucht wächst - nach ihm, dem starken Mann, der alles wieder neu ordnet. Durcheinandergebracht hat er tatsächlich ziemlich viel in den vergangenen Monaten. Die Politik in Washington, seine Partei, das Land. Und jetzt, da das Rennen um die Kandidatur entschieden ist? Soll alles halb so wild sein. Lasst uns mal alle zusammen kämpfen, sagt Trump.

Es ist aber so eine Sache mit dem gemeinsamen Kampf. Dass diejenigen, gegen die Trump monatelang einen regelrechten Krieg geführt hat, nun für ihn auf die Straße gehen sollen, ist eine Hoffnung, die sich ein wenig mit der Quadratur des Kreises vergleichen lässt. Es passt irgendwie zu dieser irrsinnigen Kampagne von Donald Trump, dass er selbst in der Stunde seines Sieges nicht richtig wahrzunehmen scheint, wie sehr sein Wahlkampf die Partei zerfetzt hat.

Es gibt natürlich eine Bewegung in seine Richtung, klar, letztlich wollen doch viele beim Sieger sein. Sie wird angeführt von Leuten wie Rick Scott, Gouverneur von Florida. Der tritt jetzt viel im Fernsehen auf. Trump, sagt er, sei der beste Kandidat, den man sich vorstellen kann. Leute wie Scott haben den Vorteil, keine lange Karriere mehr vor sich zu haben und nie in den Genuss einer Trumpschen Verunglimpfung gekommen zu sein. Es ist in einem solchen Falle etwas leichter, sich auf die Seite des Milliardärs zu schlagen.

Ex-Präsidentschaftskandidat Jeb Bush
AP

Ex-Präsidentschaftskandidat Jeb Bush

Die Bushs sagen ab

Doch es gibt etliche Anzeichen dafür, wie sehr die Partei auseinandergebrochen ist. Zwei Präsidenten, der alte und der jüngere Bush, haben angekündigt, sich nicht im Wahlkampf zu engagieren. Das ist kaum verwunderlich, hat Trump den Bush-Clan doch zu einer Bande von Vaterlandsverrätern erklärt, jedenfalls indirekt. Aber es ist doch ein bemerkenswertes Zeichen. Mitt Romney und John McCain, die Ex-Präsidentschaftskandidaten, bleiben dem Parteitag fern, was ebenfalls seine Gründe hat: Romney wurde von Trump als schlechtester Kandidat aller Zeiten bezeichnet, und McCain musste sich anhören, wie Trump seine Kriegsgefangenschaft belächelte.

Dann ist da der Kurs von Paul Ryan, Sprecher im Repräsentantenhaus und der wahrscheinlich wichtigste Republikaner in den kommenden Jahren. Ryan, der auch den Parteitag leiten soll, überraschte am Donnerstag mit der Aussage, er sei "noch nicht bereit", Trump zu unterstützen. Erst müsse Trump sich der Partei annähern. Wir haben unseren Stolz - das soll die Botschaft sein. Sie sitzt. Er sei "noch nicht bereit", Ryans Agenda zu unterstützen, stichelte Trump zurück.

Republikaner Paul Ryan
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Republikaner Paul Ryan

Andere Amtsträger schieben offenen Frust. Er habe keine Lust mehr, "irgendwelche dummen Fragen über Donald Trump zu beantworten", sagt der Gouverneur von Maryland, Larry Hogan. Andere Kollegen unterscheiden penibel darin, Trump zu "unterstützen", aber nicht "gutzuheißen". Konservative Intellektuelle wie Bill Kristol fordern einen unabhängigen Kandidaten. Ben Sasse, ein aufstrebender Senator aus Nebraska, liebäugelt damit, selbst anzutreten. Einzelne Strategen haben sich auf die Seite von Hillary Clinton geschlagen.

Es herrscht totales Durcheinander.

Wie schwierig die Lage für Trump ist, zeigt auch die Suche nach einem Vizepräsidentschaftskandidaten. Die Position ist wichtig für Trump, die richtige Person kann ihm einen mächtigen Seriositätschub verleihen. Nur scheinen diejenigen, die ihm am meisten nutzen, nicht sehr interessiert daran zu sein, an der Seite des 69-Jährigen das Land zu führen.

Schwere Identitätskrise

Nikki Haley, die Gouverneurin von South Carolina, verschickte vorsorglich eine Mitteilung, nicht zur Verfügung zu stehen. Auch Susana Martinez, ihre Kollegin aus New Mexico ließ wissen, dass sie nicht infrage käme. Nun ist es noch einmal eine andere Sache, die Einladung abzulehnen, wenn sie wirklich ausgesprochen wird. Aber die Tatsache, dass manche von sich aus schon abwinken zeigt, wie toxisch Trump offenbar für die eigenen Karriereplanungen gesehen wird.

Nikki Haley, Gouverneurin von South Carolina
AFP

Nikki Haley, Gouverneurin von South Carolina

Den Zustand der Republikaner allein auf Trump zurückzuführen, wäre zu kurz gegriffen. Seine Kampagne hat nur offengelegt, wie groß die Identitätskrise ist, in der sich die Partei befindet, seit sich die radikale Tea-Party-Bewegung mit dem Establishment bekriegt. Seit Jahren suchen die Republikaner nach einer Antwort auf den demografischen Wandel, der ihre Kernklientel schrumpfen und jene Wählergruppen, in denen sie schlecht verankert sind, wachsen lässt. Trump ist auch ein Resultat dieser bislang fehlgeschlagenen Suche. Die unruhige Basis sieht in dem Milliardär den Garant dafür, einen Aufstand loszutreten und das alte Amerika zurückzuerobern.

Inwieweit die Partei dabei überhaupt noch eine Rolle spielen soll, ist völlig unklar. Trump selbst scheint sich jedenfalls nur sehr begrenzt darum zu bemühen, alle hinter sich zu versammeln. Er weiß: Populär ist er gerade deswegen, weil er sich gegen das Establishment auflehnt. Die Partei ist Gast bei Donald Trump, nicht andersherum - so sieht er es. Den Parteitag im Juli will er entsprechend gestalten, er dürfte zur Ein-Mann-Show werden. "Es ist wirklich wichtig, ein wenig Showbusiness in den Parteitag zu bringen", sagt er. "Sonst schlafen die Leute ja ein."

Meinungskompass
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insgesamt 132 Beiträge
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abc-xyz 06.05.2016
1. Gefährlicher Demagoge am Roten Knopf
Man muss die USA nicht verstehen. Es gibt vieles, dass uns Europäern befremdlich erscheint, aber dennoch sind und waren die USA immer die größten Freunde Europas. Sie standen in beiden Weltkriegen und dem Kalten Krieg auf der richtigen Seite. Das will Trump nun ändern und er will es möglichst radikal. Alles, was ihm nicht passt und was seiner Machtsucht helfen könnte, nutzt er aus. Er ist im Kern nur ein Machtmensch, dem Prinzipien völlig gleich sind. Diese Herrschaft der Prinzipienlosigkeit, die durch Diffamierungen, Hass und Lügen seine Säulen hat, lässt jedes Ende (im wahrsten Sinne des Wortes) zu, wobei ich überzeugt bin, dass es kein gutes Ende nehmen wird. Dafür ist Trump zu ungestüm und vorallem unberechenbar.
tomxxx 06.05.2016
2. Vielleicht ist der Typ...
doch nicht so übel, wenn ihm George W. die Unterstützung versagt. Der war unberechenbar! Aber mal ehrlich: Trump hat doch nur das Chaos genutzt, dass die Tea Party mit ihren mafiösen Strukturen aufgebaut hat!
ChristophS82 06.05.2016
3. Ich seh das Negative einfach nicht
Trump hat festgefahrene Strukturen aufgebrochen und sein Erfolg zeigt, dass die Sehnsucht genau danach sehr groß ist. Ähnlich ist es hierzulande doch auch - Posten werden verteilt wie man lustig ist. Familienministerin ins Verteidigungsministerium, Verteidigungsminister ins Innenministerium - Plan von allem haben beide nicht, aber sie sind halt in der Partei groß, da geht das schon. Politik ist so abstoßend geworden, wie es selbst Trump niemals sein könnte. Daher sein Erfolg. Und wenn er Präsident werden sollte, wird er ein guter, weil er sich ganz anders zwischen den Lagern bewegen kann als Clinton oder ein Cruz es könnten.
Biraso 06.05.2016
4. naja
Vergleichbar katastrophal siehts bei den Demokraten auch aus, nur das dort Sanders die Kandidatschaft Hillarys nich streitig machen kann. Unwahrscheinlich aber es ist immer noch möglich. Zu trump, warten wir mal ab, wen er als vize geplant hat. Wird bestimmt ne überraschung werden.
HaioForler 06.05.2016
5.
Zitat von abc-xyzMan muss die USA nicht verstehen. Es gibt vieles, dass uns Europäern befremdlich erscheint, aber dennoch sind und waren die USA immer die größten Freunde Europas. Sie standen in beiden Weltkriegen und dem Kalten Krieg auf der richtigen Seite. Das will Trump nun ändern und er will es möglichst radikal. Alles, was ihm nicht passt und was seiner Machtsucht helfen könnte, nutzt er aus. Er ist im Kern nur ein Machtmensch, dem Prinzipien völlig gleich sind. Diese Herrschaft der Prinzipienlosigkeit, die durch Diffamierungen, Hass und Lügen seine Säulen hat, lässt jedes Ende (im wahrsten Sinne des Wortes) zu, wobei ich überzeugt bin, dass es kein gutes Ende nehmen wird. Dafür ist Trump zu ungestüm und vorallem unberechenbar.
Trump ist harmlos. Man soll sich mal nicht blenden lassen und gleich den "Flächenbrand" und den "Roten Knopf" herausbeschwören. Zweitens: ein "Machtmensch" ist jeder Politiker. Ich bin überzeugt, daß alles viel lauwärmer ist als jetzt angenommen. So rein als Säule.
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