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Trump und Co. gegen Muslime: Mit Hass auf Wählerfang

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Hass, Gewalt und Donald Trump Unter Amerikas Muslimen geht die Angst um

Ein Schweinekopf vor der Moschee, eine Attacke auf einen Ladenbesitzer, ein Waffentrupp vor dem Gemeindehaus: In den USA wächst der Hass auf Muslime. Viele Gläubige leben in Angst - und Donald Trump hetzt täglich weiter.

Daisy Khan kennt sich mit Anfeindungen aus, notgedrungen. Schließlich gilt die 57-Jährige als eine der prominentesten Musliminnen Amerikas. Nach den 9/11-Anschlägen wurde sie massiv attackiert. Acht Jahre später wurde ein islamisches Versöhnungszentrum, das sie mit ihrem Ehemann bauen wollte, von den US-Konservativen als Ground-Zero-Moschee verteufelt und erfolgreich sabotiert. Und nun auch noch das.

"Halb verzweifelt, halb schockiert", so umschreibt Khan, Direktorin der New Yorker Women's Islamic Initiative for Spirituality and Equality (WISE), ihre Reaktion auf die Hasstiraden des Republikaners Donald Trump. Gekrönt wurden diese zuletzt von der Forderung, allen Muslimen die US-Einreise zu verwehren. "Als hätten wir nichts aus der Vergangenheit gelernt", sagt Khan.

Die "New York Times" nannte die Muslimin "das eloquente Gesicht des Islams". Geboren im autonomen indischen Bundesstaat Jammu und Kashmir, kam sie als Teenager in die USA und engagiert sich seit Jahrzehnten für Verständnis und Vertrauen der Religionen. Ihr Mann, der Imam Feisal Abdul Rauf, leitete lange eine Moschee in Manhattan.

Daisy Khan mit Imam Rauf: "Rückwärts statt vorwärts"

Daisy Khan mit Imam Rauf: "Rückwärts statt vorwärts"

Foto: SPIEGEL ONLINE

Wie schwer das mit dem Verständnis aber immer noch ist, merken sie in diesen Wochen. Seit den Anschlägen von Paris und San Bernardino und Trumps Ausfällen gegen ihre Religion fühlen sie sich mehr unter Druck denn je. Denn US-Muslime werden immer offener angegriffen: "Unser Land", klagt Khan, "scheint sich rückwärts statt vorwärts zu bewegen."

Konservative Medien spornen die Attacken indirekt an

Fast täglich gibt es neue Vorfälle. In New York schlug ein Unbekannter einen muslimischen Ladenbesitzer zusammen. In Philadelphia warf jemand einen Schweinekopf vor eine Moschee. In Texas patrouillierten Bewaffnete vor einer Gemeinde: "Alle Muslime sind Terroristen!" Und am Sonntag wurde eine Gruppe Muslime beim Gebet in einem kalifornischen Park von einer wütenden Frau als "Mörder" beschimpft . Das sind längst nicht mehr nur Anekdoten. Die Stimmung ist angespannt, droht zu kippen.

Und das, obwohl:

  • US-Präsident Barack Obama am Sonntag davor warnte, den Kampf gegen islamischen Terror als "Krieg gegen den Islam" misszuverstehen;
  • sich auch die meisten Republikaner von Trump distanziert haben;
  • sich immer mehr Gruppen hinter die Muslime stellen - darunter jüdische Gemeinden.

"Diskriminierung, Einschüchterung, Bedrohung und Gewalt" gegen US-Muslime seien spürbar angestiegen, berichtet der Council on American-Islamic Relations. Die Watchdog-Organisation Southern Poverty Law Center, die Hassverbrechen dokumentiert, spricht schon länger von einem "Klima der Angst" und einer "Zeit des Hasses", hervorgerufen von "opportunistischen Politikern", die gezielt provozieren.

US-Politiker Trump: Absurde Forderungen - gute Umfragewerte

US-Politiker Trump: Absurde Forderungen - gute Umfragewerte

Foto: JONATHAN DRAKE/ REUTERS

Und nicht nur die. Konservative Medien wie Fox News und das Boulevardblatt "New York Post", beide aus dem Hause Rupert Murdochs, scheinen die Anti-Muslim-Attacken zu billigen. Ja, sie sogar indirekt anzuspornen. So verschärfte die "Post" über Nacht ihre Schlagzeile zu San Bernardino - von "Mord-Mission" zu "Muslim-Killer".

Kaum ein Prozent aller US-Bürger sind Muslime

Dabei haben Muslime in den USA eine lange friedliche Geschichte. Die ersten kamen schon im 16. Jahrhundert nach Amerika - lange vor den Ahnen Trumps, dessen Großvater Friedrich Trump 1885 aus Rheinland-Pfalz emigrierte. Der US-Sklavenhandel brachte weitere Muslime über den Atlantik. Die meisten wurden gezwungen, zum Christentum zu konvertieren.

So stellen sie heute nur einen Bruchteil der Bevölkerung. Nicht mal drei Millionen Amerikaner identifizieren sich als Muslime - kaum ein Prozent aller US-Bürger. Sie beten in fast 1900 Moscheen, die erste davon wurde 1929 im entlegenen Bundesstaat North Dakota erbaut.

Muslime kämpften in allen Kriegen Amerikas, vom Bürgerkrieg bis Afghanistan, 5700 dienen derzeit im US-Militär. Unter den Opfern der 9/11-Anschläge waren auch 31 Muslime - Aktienbroker, Wachbeamte, Versicherungsmanager, Kellner. Der New Yorker Polizeikadett Mohammad Salman Hamdani, der umkam, als er erste Hilfe leistete, wurde lange als Terror-Komplize beschuldigt, allen voran von der "Post". Später ernannte ihn der Kongress zum Helden und verewigte seinen Namen im Patriot Act, dem Anti-Terror-Gesetz von 2001.

Es hilft alles nichts: Trumps radikale Rhetorik kommt an, zumindest bei vielen Konservativen. "Er spielt dem IS nur in die Hände, indem er Millionen Muslime verprellt", fürchtet Khan. "Das macht unseren Job, die extremistischen Strömungen zu bekämpfen, umso schwerer."

Was tun? "Beten", sagt Khan. "Das können wir am besten."


Zusammengefasst: Donald Trump wettert fast täglich gegen Muslime - das heizt die Stimmung auf. Viele Menschen in den USA fühlen sich verfolgt, zu Unrecht beschuldigt, diskriminiert. Das Problem: Mit seinen Hassparolen kommt der US-Republikaner bei der konservativen Wählerschaft gut an, gerade nach den Angriffen in Paris und im kalifornischen San Bernadino.

Im Video: Trump fordert Einreiseverbot für Muslime

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