#FreePress Hunderte US-Zeitungen vereinen sich gegen Trump

"Journalisten sind nicht der Feind": In den USA sind fast 350 Zeitungen dem Aufruf des "Boston Globe" gefolgt - und haben aufgeschrieben, warum die konstanten Attacken des US-Präsidenten auf die Presse so gefährlich sind.
"Boston Globe" in Boston

"Boston Globe" in Boston

Foto: JOSEPH PREZIOSO/ AFP

Redaktionen in ganz Amerika haben sich an der Aktion beteiligt, darunter sind kleine Lokalzeitungen wie das "Lakeville Journal" und große Traditionshäuser wie die "New York Times", es machten liberale und eher konservative Zeitungen mit: Sie alle sind einem Aufruf der Zeitung "Boston Globe" gefolgt, ein Zeichen gegen die anhaltenden Angriffe des US-Präsident auf die Presse im Land zu setzen.

Donald Trump sieht in den Medien, die kritisch über ihn berichten, Feinde des amerikanischen Volkes. Das sagt er regelmäßig in TV-Kameras, das verbreitet er genauso regelmäßig über seinen Twitteraccount . Er schimpft auf die "Fake News" im Allgemeinen, auf die "scheiternde New York Times" oder die "Lügner bei CNN" im Besonderen, manchmal greift er auch einzelne Journalisten direkt an.

Video: Ivanka, Donald und die Medien - "Ekelhafte Fake News"?

SPIEGEL ONLINE

Journalisten in den USA gelten nicht mehr als Mitbürger, sondern als "Volksfeinde", wie nun der "Boston Globe" schreibt . Trumps Angriffe auf die freie Presse seien ein wichtiger Pfeiler seiner Politik. Das habe gefährliche Konsequenzen, unter anderem, weil das Vertrauen der Menschen in unabhängige Berichterstattung verloren gehe. Es sende zudem ein gefährliches Signal an Despoten von Ankara bis Moskau, von Peking bis Bagdad: dass Journalisten als Feinde behandelt werden können. "Journalisten sind nicht der Feind", schreibt der "Boston Globe".

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Die Zeitung hat online aufgelistet, welche Medienhäuser im Land sich ihrem Aufruf angeschlossen haben. Etwa 350 hätten zugesagt.

  • "Eine freie Presse braucht Sie", titelt die "New York Times" . Im Jahr 2018 würden einige der schädlichsten Attacken von Regierungsmitarbeitern kommen. Es sei absolut richtig, Medien für tatsächliche Fehler zu kritisieren. "Aber darauf zu beharren, dass unliebsame Fakten "Fake News" sind, ist eine Gefahr für die Demokratie. Und Journalisten als 'Volksfeinde' zu bezeichnen, ist gefährlich, Punkt."

Auch kleinere Lokalzeitungen im Land veröffentlichten Meinungsstücke zum Thema:

  • Das "Lakeville Journal"  aus dem Bundesstaat Connecticut schreibt von einer Atmosphäre, in der die Öffentlichkeit den seriösen Medien misstraue und stattessen uninformierten Quellen Glauben schenke. "Das ist auch eine Art, wie Demokratie leidet."
  • "Sie werden wenig Menschen finden, die ihre Arbeit als Diener der Öffentlichkeit so ernst nehmen wie Journalisten", heißt es im "Journal Star of Peoria"  aus Illinois. "Es ist kein Job, es ist eine Berufung." Die Attacken des Präsidenten auf die Presse müssten aufhören.
  • Die Zeitung "Eugene Weekly"  erscheint im Bundesstaat Oregon und schreibt nun: "Trumps ständige Drohungen sind eine echte Gefahr, nicht nur für die Menschen, die schreiben, fotografieren, redigieren und Nachrichten überbringen - sondern für die Demokratie selbst."

Es gab auch Zeitungen, die sich bewusst gegen eine Teilnahme an der Aktion entschieden haben.

  • Das "Wall Street Journal"  schloss sich dem Aufruf des "Boston Globe" nicht an. Trump habe - genauso wie seine Medienberater - das Recht auf freie Meinungsäußerung, heißt es in einem Kommentar.
  • Die "Baltimore Sun" schrieb, man stimme zwar zu, dass Journalisten nicht als "Volksfeinde" und die Medien nicht als "Fake News" beschimpft werden sollten. Eine koordinierte Aktion zahlreicher Nachrichtenorganisationen unterstütze allerdings den Eindruck, man arbeite gemeinsam "gegen diesen republikanischen Präsidenten".
aar/AP
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