Letztes TV-Duell Trump lässt offen, ob er Wahlergebnis anerkennen wird

90 Minuten lang stritten Hillary Clinton und Donald Trump über Zuwanderung, Steuern, Außenpolitik. Dann ging es um Persönliches - und sofort wurde es ungemütlich. Die wichtigste Antwort blieb Trump schuldig.

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Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Die US-Wahl 2016 läuft: In 37 Bundestaaten und in Washington, DC, kann bereits abgestimmt werden. Es war höchste Zeit für Donald Trump, der in den Umfragen weit hinter Hillary Clinton zurückliegt, im letzten TV-Duell Boden gutzumachen.

Die Warnungen seiner Berater, sachlich zu bleiben, sich nicht so leicht provozieren zu lassen, hat Trump diesmal tatsächlich befolgt. Trump nahm sich deutlich zurück, unterbrach Clinton nicht ganz so oft wie sonst. Clinton wirkte erneut faktenstark, war zugleich auch aggressiver als in den beiden ersten Debatten.

Was auffiel: Trump hat in den vergangenen Tagen wiederholt behauptet, die Wahl werde manipuliert. Seine Kritiker werfen ihm vor, Zweifel an den Grundlagen der US-Demokratie zu säen. Als er am Ende der Debatte gefragt wurde, ob er den Ausgang der Wahl in jedem Fall akzeptieren werde, antwortete er: "Das sage ich Ihnen, wenn es so weit ist."

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Clinton vs. Trump: Schlagabtausch in Las Vegas

Worüber haben die beiden Kandidaten gestritten?

Die Sachthemen:

  • Oberstes US-Gericht

Hillary Clinton sagte, sie sehe die Aufgabe des höchsten US-Gerichtes darin, sich für die Rechte aller Amerikaner einzusetzen, auch für LGBT- und Frauenrechte. Sie habe nicht vor, das 2. Amendment anzugreifen (das jedem Amerikaner das Recht zugesteht, Waffen zu tragen) - sie wolle allerdings verhindern, dass Waffen in die falschen Hände gerieten. Bei der Frage nach dem Abtreibungsgesetz (Roe vs. Wade) betonte Clinton, dass sie sich dafür einsetzen werde, dass Abtreibung weiterhin möglich ist.

Donald Trump sagte, er werde Richter berufen, die das 2. Amendment schützen werden. Fragen nach seiner Haltung zur Abtreibung wich Trump aus - er erwarte aber, dass die Richter, der er berufen werde, Roe vs. Wade verwerfen.

  • Zuwanderung

Donald Trump: "We got some bad hombres here, we have to get them out." Trump hält an seinen Plänen fest, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen. Aus diesem Land kämen die Drogen, an deren Konsum momentan viele US-Jugendliche sterben. Er werde illegale Immigranten ("bad hombres") ausweisen.

Hillary Clinton betonte, dass es elf Millionen illegale Einwanderer in den USA gibt, sie werde nicht zulassen, dass diese ohne Beachtung des Einzelfalls ausgewiesen würden, wie Trump es vorhabe. Als Unternehmer habe Trump genau solche Menschen in illegalen Beschäftigungsverhältnissen ausgebeutet. "Offene Grenzen" werde es jedoch auch mit ihr nicht geben.

  • WikiLeaks und Russland

Clinton wies Russland die Verantwortung für die jüngsten Hackerangriffe auf die US-Regierung, die demokratische Partei und ihr Wahlkampfteam zu. Trump solle dies einräumen. Der weigerte sich und sagte, Clinton sei nur wütend, weil Wladimir Putin die US-Regierung wiederholt "übers Ohr gehauen" habe.

  • Außenpolitik

Clinton griff Trump an, er wolle bestehende Partnerschaften wie Nato schwächen und habe sich zudem sehr leichtfertig über die Gefahr nuklearer Kriege geäußert. Trump wies das zurück. Nur weil er bereits angefangen habe, im Wahlkampf Druck auf Nato-Partner zu machen, seien die plötzlich bereit, ihre Schulden bei den USA zu begleichen.

  • Wirtschaft

Clinton betonte, dass sie Arbeitsplätze schaffen werde und mittlere Einkommensschichten entlasten wolle. Trump sagte das Gleiche - die Kandidaten warfen sich gegenseitig vor, dass ihre Programme zu Steuererhöhungen bzw. höherer Neuverschuldung führen würden.

  • Charakter

Die Vorwürfe sexueller Belästigung, die in den vergangenen 14 Tagen von zehn Frauen gegen ihn erhoben wurden, wies Trump als Lügen zurück. Clinton hielt ihm vor, dass er bei Wahlkampfauftritten sagte, die Frauen seien gar nicht attraktiv genug für seinen Geschmack. Sie strich ihre Erfahrung in hohen politischen Ämtern heraus: Als sie in die Entscheidung involviert war, Osama Bin Laden zu liquidieren, habe Donald Trump "Celebrity Apprentice" moderiert. Die Amerikaner sollten sich im Klaren darüber sein, welche Persönlichkeit sie mit dem höchsten Amt der Vereinigten Staaten betrauen wollten.

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Trumps Erwiderung: "Niemand empfindet mehr Respekt für Frauen als ich." Doch als Clinton ihn beim Streitpunkt Steuererhöhungen in die Zange nahm, zischte Trump: "What a nasty woman", was für eine üble Frau.

Psychotricks im Vorfeld: Donald Trump hatte versucht, seine Rivalin nervös zu machen allein durch die Gäste, die er zur Debatte einlud. Am Mittwochabend waren ein Halbbruder des US-Präsidenten dabei, Malik Obama, der für Trump wirbt, sowie Angehörige von Männern, die bei der Erstürmung der US-Botschaft im libyschen Bengasi 2012 ums Leben kamen; die Hinterbliebenen machen Hillary Clinton als damalige US-Außenministerin verantwortlich. Auch Sarah Palin, Heldin der erzkonservativen Tea-Party-Bewegung, war dabei. Und erneut hatte Trump eine Frau eingeladen, die behauptet, von Bill Clinton sexuell belästigt worden zu sein. Die Reaktion der Clintons: Sie verzichteten diesmal auf die Begrüßung mit der Trump-Familie.

In den vergangenen Tagen war der Wahlkampf vor allem von Vorwürfen Donald Trumps überschattet gewesen, die Wahl 2016 werde manipuliert. Es ist das erste Mal in der Geschichte der USA, dass ein Präsidentschaftskandidat damit das Fundament der amerikanischen Demokratie infrage stellt, und dies noch bevor die Abstimmung überhaupt stattgefunden hat. Trump erntete dafür harte Kritik, nicht zuletzt von Präsident Barack Obama.

Zusammengefasst: Das dritte und letzte TV-Duell zwischen Donald Trump und Hillary Clinton war tatsächlich sachlicher als die beiden ersten. Das lag vor allem daran, dass Donald Trump sich stärker zurücknahm, konzentrierter war und versuchte, mit Argumenten zu überzeugen. Er brauchte einen Erfolg im letzten Duell dringender als Clinton, die in allen Umfragen deutlich vor ihm liegt und auch in entscheidenden Swing States in Führung gehen konnte. Problematisch: Trump war nicht bereit zuzusagen, dass er den Ausgang der Wahl in jedem Fall akzeptieren wird. Dies wird ihm schon seit Tagen angekreidet, weil er Zweifel an den Grundlagen der amerikanischen Demokratie sät. Das hat kein anderer Präsidentschaftskandidat vor ihm je getan.

pad

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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
petruz 20.10.2016
1. Weigerung Wahl zu akzeptieren
Ist das Trumps ernst und war das abgesprochen mit seinen Leuten? Unglaublich...
i.dietz 20.10.2016
2. Es hat sich gelohnt, diese Polit-Show anzusehen
es ist erschreckend zu sehen, wie schnell Hr. Trump aus der Ruhe kommt und nur noch provozierend lospoltert ! Als Politiker vollkommen ungeeignet ! Erschreckend auch für mich, dass in diesem Wahlkampf (übrigens: wie im Mittelalter) über Pro und Contra "Abtreibungen" diskutiert wird ! Ist das Amerika oder doch nur eine kleine rückständige Gemeinde in dem hintersten Flecken der Welt ?
geboren1969 20.10.2016
3. Klarer Sieg für Clinton!
Sachlich und kompetent, auch wenn ich persönlich Hillary Clinton als das geringere Übel sehe. Trump hat nichts Neues von sich gegeben. Nur Vorurteile und z. T sehr rechte Ansichten. Er war zwar ruhiger, hatte aber kaum Argumente gegen Clinton, die in allen Bereichen wesentlich sachkundiger war.
ForistGump2 20.10.2016
4. Sehr schade.
Schade, dass nicht beide zusammen die Präsidentschaft übernehmen können. Beide haben Züge in ihrem Charakter, mit dem sie die USA als Staat absolut authentisch vertreten könnten. Plump, korrupt, rücksichtslos, gewalttätig...
de_populist 20.10.2016
5. Trump sagte das Gleiche?
Sehr schlechter Journalismus, er hatte ganz klar eine komplett andere Vision für die US-Wirtschaft: Entlastungen für Unternehmen, aufkünden von schlechte Handelsabkommen die Jobs in andere Länder ziehen, massive Erhöhung des Wirtschaftswachstums. Hillary hingegen glaubt das Umverteilung und Steuern die Lösung wären. Sie ist auch für die Handelsabkommen und illegale Immigranten im Arbeitsmarkt.
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