Nächster Gipfel von Trump und Kim Wiedersehen in Vietnam

Donald Trump und Kim Jong Un wollen sich erneut treffen, dieses Mal in Vietnam. In China dürfte die Ortswahl wenig Begeisterung auslösen. Auch Japan ist in Sorge.
Bilder des Singapur-Gipfels, zu sehen in Seoul

Bilder des Singapur-Gipfels, zu sehen in Seoul

Foto: Ahn Young-joon/ AP

Wie wichtig ihm die gemeinsame Linie mit Peking ist, das bewies Kim Jong Un vor wenigen Wochen. Lange vor dem geplanten zweiten Treffen mit US-Präsident Donald Trump reiste der nordkoreanische Machthaber in die benachbarte Volksrepublik. Dort verständigte er sich nicht nur mit Präsident Xi Jinping über die gemeinsame Rolle der Länder in der Region, sondern nahm auch an einem besonderen Bankett teil: Xi hatte es zum 35. Geburtstag des Nordkoreaners ausrichten lassen.

Umso mehr verwundert es, welchen Ort sich Trump und Kim für ihr zweites Treffen ausgesucht haben, das am 27. und 28. Februar stattfinden soll. Bei seiner Rede zur Lage der Nation verriet Trump: Es wird Vietnam sein.

Das Land war bereits länger als möglicher Tagungsort im Gespräch gewesen - und damit verbunden die Frage, wie eine solche Wahl auf die Machthaber in China wirken könnte, ob sie sogar als Provokation aufgefasst werden könnte. Schließlich streiten die Regierungen in Hanoi und Peking immer noch über Inseln im Südchinesischen Meer. So beanspruchen unter anderem sowohl China als auch Vietnam das Spratly-Gebiet für sich. (Lesen Sie hier mehr dazu.)

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Im Gespräch war ursprünglich auch gewesen, das Treffen erneut in Singapur stattfinden zu lassen. Der Stadtstaat hatte im vergangenen Juni den ersten Gipfel von Trump und Kim ausgerichtet. Beide hatten sich dort auf eine "komplette Denuklearisierung" der koreanischen Halbinsel geeinigt. Nur wenig später tauchten der Website "38 North" zufolge  aber Satellitenbilder auf, die zeigten, dass das nordkoreanische Regime die Infrastruktur um den Atomreaktor Yongbyon weiter ausbaute.

Auch die Verhandlungen im Vorfeld des nächsten Treffens brachten noch keine nennenswerten Fortschritte. Die US-Regierung fordert weitere Maßnahmen von Pjöngjang, während Kim auf bereits eingeleitete Schritte seiner Regierung verweist und ein Ende der Wirtschaftssanktionen gegen sein Land erreichen will. Dabei steht Trump nach den mageren Ergebnissen des jüngsten Treffens unter Druck, nun tatsächliche Resultate zu präsentieren.

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Trump und Kim in Singapur: Ein bisschen Frieden

Foto: SAUL LOEB/ AFP

Vietnams Premierminister Nguyen Xuan Phuc zeigte sich schon vor Wochen dazu bereit, den Gipfel auszurichten. Seine Regierung werde ihr "Bestes tun, um das Treffen zu ermöglichen", sagte er im Interview mit dem Branchendienst Bloomberg.

Als möglicher Ort wird die 1,1-Millionen-Einwohner-Stadt Da Nang diskutiert. Das berichtete unter anderem der US-Sender CNN. In der Küstenstadt direkt am Südchinesischen Meer hatte Trump bereits 2017 an dem Asien-Pazifik-Gipfel teilgenommen.

Vietnam ist sowohl für die USA als auch für den Verbündeten Südkorea eine naheliegende Wahl, wenngleich sich die beiden Staaten und Vietnam im Vietnamkrieg noch verfeindet gegenübergestanden hatten. Inzwischen haben sich die Beziehungen aber längst normalisiert. Heute ist Vietnam ein Handelspartner beider Staaten, für Südkorea ist es sogar der viertwichtigste.

Zudem gilt es auch durch den wirtschaftlichen Aufschwung der vergangenen Jahre als mögliches Vorbild für Nordkorea. "Die Tatsache, dass wir kooperieren und nicht kämpfen, ist ein Beweis dafür, dass, wenn ein Land beschließt, an der Seite der Vereinigten Staaten zu wachsen, die USA auch ihre Versprechen einlöst", sagte Außenminister Pompeo laut "New York Times" bei einem Besuch in Hanoi vor wenigen Wochen. "Dieses Wunder könnte Ihr Wunder sein", sagte er in Richtung Nordkorea.

Skepsis des US-Verbündeten Japan

Experten weisen allerdings darauf hin, dass beide Länder nicht direkt vergleichbar sind - schon allein wegen des "Führerkults" um die Kim-Dynastie, wozu es in Vietnam keine Parallele gibt. Nordkorea und Vietnam haben dennoch lange und enge Verbindungen. Das Regime in Pjöngjang erkannte die kommunistische Führung in Vietnam bereits 1950 an. Während der Hungersnot in Nordkorea in den Neunzigerjahren schickte Hanoi Reis und andere Hilfsgüter.

Ein Verbündeter der USA zeigt sich bereits jetzt skeptisch: Der "New York Times" zufolge haben Analysten in Japan Sorge, dass sich Trump mit Kim auf einen Deal einigen könnte, der den Interessen Tokios wenig entsprechen würde. So könnte Trump Kim dazu drängen, auf einen Ausbau seines Atomarsenals zu verzichten und Langstreckenraketen abzubauen, die US-Gebiet erreichen könnten. Ob der US-Präsident jedoch auch darauf bestehen wird, dass Kurzstreckenraketen, die etwa Japan treffen könnten, ebenfalls abgebaut werden müssten, wird demnach bezweifelt.

Zwar zeigte sich Japans Premierminister Shinzo Abe beim Wirtschaftsforum in Davos zuversichtlich, dass Trump und er bei der Nordkorea-Strategie auf einer Linie seien. Ein Treffen zwischen Trump und Abe ist im Vorfeld des Termins Ende Februar aber nicht geplant.

Mein Nordkorea - Videotagebuch aus einem abgeschotteten Land

dbate