Stefan Kuzmany

Gipfeltreffen von Trump und Kim Ganz, ganz großartig!

Ein ausgezeichneter Gipfel! Ein historischer Tag! Beste Beziehungen zwischen Trump und Kim! Und bald auch keine Atomwaffen mehr in Nordkorea? Wenn das alles nur wahr sein könnte.
Kim Jong Un und Donald Trump

Kim Jong Un und Donald Trump

Foto: SAUL LOEB/ AFP

Kein Traum, wir haben es doch live im Fernsehen gesehen: Der Diktator Nordkoreas und der US-Präsident reichen sich die Hände. Der eine will seine Atomwaffen abschaffen, der andere gibt ihm dafür eine Sicherheitsgarantie. Wirklich wahr: Sie hatten ein "sehr historisches" Treffen, "besser als erwartet", und sie haben eine "sehr gute Beziehung" aufgebaut, der Amerikaner Trump und der "sehr talentierte" Kim. So ist es, denn Donald Trump hat es so gesagt. Und er hat gesagt, dass der Frieden greifbar nahe ist.

Wir haben es doch gesehen, aber trotzdem fällt es schwer, daran zu glauben.

Kim Jong Un lässt sein Volk hungern, lässt Menschen entführen, sperrt Gegner in Lager und lässt sie umbringen, sein Staat betreibt Drogenhandel und Geldfälscherei. Dieser Mann wurde nun mit einem Treffen mit dem, so nannte man US-Präsidenten jedenfalls früher, Anführer der freien Welt belohnt und geadelt. Der Diktator Kim, der eigentlich entmachtet und wegen vielfältiger Verletzung der Menschenrechte vor Gericht gestellt gehört, darf sich nun also in Sicherheit wiegen und sich freuen auf eine Einladung ins Weiße Haus. Kann man ihm glauben, dass er sich tatsächlich an die Vereinbarung hält und alle Atomwaffen vernichtet - und sich damit der Zuverlässigkeit Donald Trumps ausliefert?

Denn Donald Trump wiederum, der demokratisch gewählte Präsident der USA, hat in den ersten anderthalb Jahren seiner Amtszeit doch zur Genüge unter Beweis gestellt, was er von internationalen Abkommen hält: rein gar nichts. Zuletzt kündigte er die gerade eben mühsam ausgehandelte G7-Abschlusserklärung auf, weil er sich über eine Äußerung des kanadischen Premiers geärgert hatte. Er droht seinen engsten Partnern mit einem kompletten Abbruch der Handelsbeziehungen. Er bricht den Atom-Deal mit Iran, obwohl sich das Land an alle Vorgaben gehalten hatte.

Video: Das war der Gipfel

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In Wahrheit noch nichts erreicht

Die USA unter Donald Trump sind kein verlässlicher, rationaler Verhandlungs- und Bündnispartner mehr. Seit der launische Twitter-Präsident an der Macht ist, sind Verträge mit Washington nicht mehr das Papier wert, auf dem sie stehen.

Nein, es fällt schwer, an Frieden und Annäherung auf der koreanischen Halbinsel zu glauben, weil der Verdacht nahe liegt, dass die Welt es hier nicht mit zwei Friedensfürsten zu tun hat, sondern mit nur an sich selbst interessierten, aufmerksamkeitshungrigen Taschenspielern: Mit Kim, der sich eine Lebensverlängerung seiner Diktatur ausrechnet. Und mit Trump, der sich so dringend mit einem großen außenpolitischen Erfolg schmücken möchte. Sie haben beide schon in den ersten Minuten dieses Gipfeltreffens bekommen, was sie sich am meisten gewünscht haben: schöne Bilder und das Staunen der Welt.

Jetzt sollen den Worten angeblich Taten folgen. Wir sollten uns nicht zu früh freuen. Solange Donald Trump nicht mindestens 24 Stunden ohne einen vulgären Tweet ausgekommen ist, der alles erreichte wieder zerstört, sollten wir dem Frieden nicht trauen. Solange wir nicht von einem freien nordkoreanischen Oppositionellen glaubhaft bestätigt bekommen, dass sich sein Land wirklich öffnet, sollten wir dem nordkoreanischen Diktator keinen Respekt zollen. Und solange das nordkoreanische Atomarsenal nicht tatsächlich und nachprüfbar unter internationaler Kontrolle vernichtet ist - solange ist in Wahrheit noch nichts erreicht.

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Trump und Kim in Singapur: Ein bisschen Frieden

Foto: SAUL LOEB/ AFP

Aber vielleicht wird ja wirklich alles so gut, wie Donald Trump erzählt. Vielleicht brauchte es paradoxerweise ausgerechnet zwei skrupellose und verlogene Menschen, um in Rekordzeit einen historischen Durchbruch des Guten zu erreichen. Vielleicht zeugt diese seltsame Paarung der Selbstsüchtigen tatsächlich ein Ergebnis zum Wohle aller.

Aber vielleicht haben wir doch nur bunte Bilder gesehen, zwei aufgeblasene Egos auf der Weltbühne und ihre bombastische Show: heute großartig. Und morgen schon wieder vergessen.

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