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Nordkorea und USA: Annähern - hin und wieder mal

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Angekündigtes Treffen mit Trump Kims Propaganda-Coup

Auf Augenhöhe mit dem mächtigsten Mann der Welt - so darf sich Nordkoreas Diktator Kim Jong Un bald wohl sehen: Donald Trump will sich persönlich mit ihm treffen. Profitieren könnte ausgerechnet China.

In wenigen Wochen könnten historische Bilder um die Welt gehen: Ein Handschlag zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un. Im vergangenen Jahr hatten sie sich noch gegenseitig beschimpft und mit Militärschlägen gedroht. Nun soll bald das erste Mal ein Mitglied der Kim-Dynastie auf einen US-Präsidenten treffen.

Trump hat entschieden, dass er nicht etwa eine Delegation oder einen Stellvertreter an den Verhandlungstisch beordern, sondern dort selbst sprechen wolle. Gelingt es ihm dabei, Kim zu einer Aufgabe seiner Atomwaffen zu überreden, wäre das eine außenpolitische Sensation. Daran versuchten sich schon Regierungen vor ihm - allerdings mit wenig Erfolg.

So schickte der damalige US-Präsident Bill Clinton im Oktober 2000 seine Außenministerin Madeleine Albright nach Pjöngjang, um sich dort mit dem Machthaber Kim Jong Il zu treffen. Auch damals hatte die südkoreanische Regierung den Weg für die direkten Gespräche zwischen den USA und Nordkorea geebnet.

Kim Jong Il und Madeleine Albright

Kim Jong Il und Madeleine Albright

Foto: Andrew Wong/ REUTERS

Der Albright-Besuch geriet allerdings zum Desaster, wie die "New York Times" rekapituliert . Nicht nur besuchte Kim mit der Außenministerin eine Propaganda-Show, bei der Bilder eines Raketentests gezeigt und beklatscht wurden. Der Diktator stellte ihr auch nur eingeschränkte Abrüstung in Aussicht - verbunden mit Forderungen in Milliardenhöhe.

Ein Desaster könnte nun auch Trump drohen. Allein mit der Zusage, sich persönlich mit Kim Jong Un zu treffen, hat er ihm schon einen Propaganda-Coup beschert. Der mächtigste Mann der Welt, Trump, ist offenbar so eingeschüchtert vom Atomarsenal der Regionalmacht, dass er sich persönlich Zeit für Verhandlungen mit dem nordkoreanischen Machthaber nimmt - das kann zumindest eine Lesart sein. Kim kann das zu Hause nun als Verhandlungen auf Augenhöhe verkaufen und sich damit in der Riege der Weltmächte verorten.

Der US-Journalist Max Fischer weist zudem darauf hin , dass Trump bislang kaum Möglichkeiten hatte, sich in außenpolitischen Verhandlungen zu beweisen. Innenpolitisch seien einige seiner "Deals" allerdings schon ziemlich schlecht für ihn gelaufen. Und nun gehe es eben nicht darum, mit Abgeordneten aus seiner eigenen Partei über die Gesundheitsreform zu verhandeln, sondern mit einer feindlichen ausländischen Macht über deren Atommachtstreben.

Nordkorea ist dank der jüngsten Entwicklungen ohnehin in einer recht komfortablen Situation: Je mehr Zeit mit Verhandlungen vergeht, desto weiter kann Kim sein Raketen- und Kernwaffenprogramm vorantreiben. US-Präsident Trump mag die Schlagzeilen bestimmen, doch die Zeit läuft zu Pjöngjangs Gunsten. Und auch der chinesischen Regierung kommt das entgegen.

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Nordkorea und USA: Annähern - hin und wieder mal

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Die begrüßte Südkoreas Engagement, Kims Einladung und Trumps Zusage am Freitag als "positives Signal". Das war zu erwarten, denn Peking hat sich offiziell immer für direkte Gespräche zwischen Nordkorea und den USA eingesetzt.

China ist vorbereitet

Ganz ungetrübt ist die Freude der chinesischen Regierung aber nicht, denn Peking tritt durch die jüngste Entwicklung in der Korea-Frage in den Hintergrund. Selbst im zensierten chinesischen Internet gab es in den vergangenen Tagen vorsichtige Warnungen, China könnte an die Seite gedrängt werden.

Diesem Eindruck trat am Freitag Hu Xijin entgegen, Chefredakteur der nationalistischen Pekinger "Global Times": Das chinesische Volk, schrieb er, "sollte gefasst und beherrscht bleiben und sich nicht dem Eindruck hingeben, China werde an den Rand gedrängt". Als "große Macht" brauche Peking "keine Sorge zu haben, dass Nordkorea 'sich den USA zuwendet' - denn niemand in Chinas Nachbarschaft wird sich völlig den USA verschreiben".

Chinas zentrales Motiv in der Korea-Frage ist erstens, einen akuten Konflikt zu vermeiden, und zweitens, den Einfluss der Hegemonialmacht USA im westlichen Pazifik zurückzudrängen. Je länger Nord- und Südkorea, Pjöngjang und Washington miteinander verhandeln, desto besser für Peking: Chinas wirtschaftliches und politisches Gewicht in der Region nimmt von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr zu. Sollten die Gespräche eines Tages scheitern oder ein Konflikt ausbrechen, wird Peking besser vorbereitet sein als zuvor. (Lesen Sie hier mehr zu Chinas Sicht auf die Welt.)

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