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Trump und Kim in Singapur: Die Gesichter des Gipfels

Foto: Ahn Young-joon/ AP

Gipfel in Singapur Worüber Trump und Kim sprechen - und worüber nicht

US-Präsident Trump kann sich in Singapur selbst ein Denkmal setzen - wenn er Nordkoreas Diktator Kim zu einer vollständigen Aufgabe des Atomprogramms zwingt. Doch beide Seiten haben unterschiedliche Ziele.

"Nobel, Nobel": Das riefen Anhänger des US-Präsidenten Donald Trump ihm bei einer Rede im US-Staat Michigan zu. Gemeint war: der Friedensnobelpreis, für den Trump schon mehrmals nominiert war. Ob er die Ehrung nun vielleicht wirklich verdient hat, darüber könnte das Treffen in dieser Woche entscheiden: Am 12. Juni spricht er im ostasiatischen Stadtstaat Singapur mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un.

Sollte Trump Kim dabei auf eine vollständige Denuklearisierung festnageln können, wäre das ein fantastischer Erfolg für den Republikaner und eine gute Nachricht für die Welt. Die drohende Eskalation vom Ende des vergangenen Jahres wäre überwunden, vor allem die Menschen in Südkorea dürften aufatmen. Doch gelingt es Trump nicht, schlimmer noch, wird er in Singapur vom Diktator vorgeführt oder sogar übervorteilt, wäre Trump blamiert und die Region kein Stück sicherer geworden. In diesem Spannungsfeld bewegt sich das Treffen.


Was will Trump, was will der Westen?

Trump, der den Gipfel erst zu-, dann in einem Brief wieder absagte, um ihn nun doch stattfinden zu lassen, hält sich zu den Inhalten relativ bedeckt: "Wir werden sehen, was passiert", sagte er zu Reportern. "Aber es ist sehr wichtig, es werden ein paar sehr wichtige Tage." Klar ist, dass es vor allem um ein Thema gehen wird: die nukleare Abrüstung Nordkoreas.

Sowohl die USA als auch die Vereinten Nationen wollen den Diktator zu einer "vollständigen, verifizierbaren und unwiderruflichen" Aufgabe seines Atomprogramms zwingen. Die Schritte dahin sollen von internationalen Inspekteuren überwacht werden. Erst bei tatsächlichen, belegbaren Fortschritten sollen Wirtschaftssanktionen gelockert werden.

Dass Kim mit unabhängigen Inspekteuren jedoch noch so seine Probleme hat, zeigte der Abriss des Testgeländes Punggye-ri vor wenigen Wochen. Statt Experten wurden lediglich ausländische Journalisten als Zeugen der Sprengungen zugelassen. Die Bilder kann Kim nun gut brauchen, um seine angebliche Ernsthaftigkeit bei der nuklearen Abrüstung zu belegen. Als Beweise taugen sie aber nicht (lesen Sie hier den Bericht eines CNN-Journalisten von vor Ort).

Im Video: "Ich werde binnen einer Minute wissen, ob er es ernst meint"

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Was will Nordkorea?

Pjöngjang hat andere Vorstellungen von erfolgreichen Verhandlungen: Das Regime fordert eine "phasenweise und synchrone" Abrüstung auf beiden Seiten. Genauso wie Kim soll also auch Trump spürbare Zugeständnisse machen und seine Truppen teilweise oder sogar vollständig aus Südkorea abziehen. Kim will zudem eine Sicherheitsgarantie von den USA, damit die Diktatur auch ohne Atomwaffen nicht um ihre Macht fürchten muss.


Welche Interessen verfolgen Russland und China?

Eine Reduzierung der militärischen Präsenz der USA in Ostasien ist auch im Interesse Chinas, das in den vergangenen Wochen mehrmals direkte Gespräche mit dem Regime in Pjöngjang geführt hat. Rückendeckung bekommt die Regierung in Peking aus Moskau: Wenn der nordkoreanische Machthaber auf weitere Raketen- oder Atomtests verzichte, müsse auch die Gegenseite verständliche, deutliche Schritte des Entgegenkommens setzen, sagte Russlands Präsident Wladimir Putin. "Meiner Auffassung nach darf die Aufgabe der Atomwaffen durch Nordkorea keine Einbahnstraße sein." Die Fortsetzung von militärischen Aktivitäten und Manövern sei in diesem Zusammenhang kontraproduktiv.


Was ist vom Gipfel sonst noch zu erwarten?

Es gibt ein Thema, bei dem sich Trump und Kim in Singapur relativ einfach einigen könnten: einen Friedensvertrag zwischen Süd- und Nordkorea. Beide Staaten hatten nach dem Krieg von 1950 bis 1953 lediglich ein Waffenstillstandsabkommen unterschrieben, einen Friedensvertrag gibt es bis heute nicht. Sowohl Kim als auch Moon einigten sich bei ihrem Treffen an der innerkoreanischen Grenze darauf, das nun nachzuholen. Trump könnte sich, sollte tatsächlich ein Papier unterzeichnet werden, als Architekt des koreanischen Friedens feiern lassen, ohne in der Frage des Atomprogramms große Fortschritte zu erreichen.


Welche Themen dürfte Trump gezielt ignorieren?

Um andere wichtige Aspekte wird es hingegen nicht gehen: "Wir sprechen nicht über Menschenrechte", kündigte Trump in Washington vor Reportern bereits an. Im Fokus soll die nukleare Abrüstung Nordkoreas stehen, also die Bedrohung nach außen, die von Nordkorea ausgeht. Die Situation der Menschen im Land wird ausgeklammert - dabei vermuten Experten, dass es fünf oder sechs Arbeitslager in Nordkorea gibt, in denen mehr als 100.000 Menschen interniert sein sollen. Hinzu kommt die Regel der Sippenhaft: Bis zu drei Generationen einer Familie müssen demnach dafür büßen, wenn ein Angehöriger dem Regime Probleme bereitet.

Auch Trump hatte das Thema Menschenrechte immer wieder betont, als sich noch keine Annäherung zwischen ihm und Kim abzeichnete. So hatte US-Vizepräsident Mike Pence bei seiner Reise zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele im südkoreanischen Pyeongchang im Februar, zu der auch Kims Schwester angereist war, noch demonstrativ den Vater des in Korea festgenommenen US-Studenten Otto Warmbier mitgebracht. Warmbier war in Nordkorea aus ungeklärten Umständen ins Koma gefallen, er starb kurz nach seiner Ausreise.

Die Menschenrechtslage in Korea dürfe nicht ignoriert werden, hieß es damals aus Washington. Nun kündigt Trump genau das an.

Das dürfte auch dem japanischen Premier Shinzo Abe nicht gefallen. Er wollte Trump dazu drängen, mit Kim über die aus Japan verschleppten Staatsbürger zu sprechen (Hintergründe dazu erfahren Sie hier). Mehr als einhundert Japaner wurden nach Schätzungen von Experten in den Siebziger- und Achtzigerjahren von Stränden nach Nordkorea verschleppt. Die Angehörigen hoffen noch immer auf Lebenszeichen. Nach Angaben aus Pjöngjang sind aber inzwischen alle der 13 Verschleppten, die das Regime offiziell einräumt, an natürlichen Ursachen gestorben.


Zusammengefasst: Bei den Gesprächen in Singapur zwischen Trump und Kim wird es vor allem um die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel gehen - wobei beide Seiten unterschiedliche Vorstellungen davon haben. Die US-Regierung fordert einen vollständigen und verifizierbaren Abbau, Nordkorea eine Reduzierung der militärischen Präsenz der Amerikaner in Südkorea sowie Sicherheitsgarantien. Einigen könnten sich beide Seiten immerhin auf einen Friedensvertrag für Korea. Die Menschenrechtslage in Nordkorea steht hingegen nicht auf der Agenda.

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