"Nerven verloren" Treffen von Trump und Pelosi endet mit Eklat

Der US-Präsident steht wegen seiner Syrienpolitik in der Kritik - und kann damit laut Oppositionschefin Nancy Pelosi nicht umgehen. Bei einem Treffen soll er sie nun massiv beleidigt haben. Sie wiederum teilte vor der Presse gegen ihn aus.

Carlos Jasso/ REUTERS

Am Mittwoch hat sich US-Präsident Donald Trump mit führenden Vertretern der oppositionellen Demokraten getroffen - und allem Anschein nach verlief dieser Termin alles andere als konstruktiv. "Er war beleidigend, besonders gegenüber der Sprecherin", sagte Chuck Schumer, der Fraktionschef der Demokraten im Senat. Er bezog sich damit auf die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi: Trump habe sie als "drittklassige Politikerin" beleidigt.

"Das war kein Dialog", sagte Schumer. "Es war eine Art Schimpftirade. Eine üble Tirade, die sich nicht auf die Fakten konzentriert hat." Aus Pelosis Mund klang das ganz ähnlich. Sie erklärte vor Journalisten, Trump habe bei dem Treffen "die Nerven verloren", im Original sagte sie: "What we witnessed on the part of the president was a meltdown. Sad to say." Man müsse für seine Gesundheit beten.

Demokraten Schumer, Pelosi und Hoyer vor dem Weißen Haus
MICHAEL REYNOLDS/EPA-EFE/REX

Demokraten Schumer, Pelosi und Hoyer vor dem Weißen Haus

Die Demokraten waren ins Weiße Haus gekommen, um mit Trump über seine Syrienpolitik zu sprechen. Dafür steht er derzeit auch in seiner eigenen Partei heftig in der Kritik. Trump hatte die US-Truppen aus Nordsyrien abgezogen und damit einer türkischen Militäroffensive in der Region den Weg geebnet: Die Regierung in Ankara geht dort gegen Kurdenmilizen vor - mit denen die USA bisher im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zusammengearbeitet hatte.

Kurz vor dem Treffen von Demokraten und Trump im Weißen Haus hatte das Repräsentantenhaus eine Resolution verabschiedet, mit der der Rückzug der US-Truppen aus Nordsyrien verurteilt wurde. Die Resolution wurde mit 354 zu 60 Stimmen verabschiedet - das heißt, dass sich zahlreiche Politiker aus Trumps eigener Partei angeschlossen hatten.

Pelosi sagte, ihrer Ansicht nach sei Trump von diesem Abstimmungsergebnis "sehr aufgewühlt" gewesen. Kurz zuvor noch hatte der US-Präsident seinen Syrienkurs als "strategisch brillant" bezeichnet.

Steny Hoyer, der Fraktionsvorsitzende der Demokraten im Repräsentantenhaus, sagte vor Journalisten, bei dem Treffen habe es "sehr beleidigende Anschuldigungen vonseiten des Präsidenten der Vereinigten Staaten" gegeben.

Die Republikaner hingegen zeichneten ein etwas anderes Bild des Treffens. Ihren Angaben zufolge war es Pelosi, die aus dem Raum gestürmt sei. Er sei sehr enttäuscht, dass die demokratische Führung das Gespräch abgebrochen habe, sagte Michael McCaul, einer der Toprepublikaner im Außenpolitik-Ausschuss des Repräsentantenhauses.

Und der Fraktionschef der Republikaner im Repräsentantenhaus, Kevin McCarthy, erklärte, es sei unangemessen gewesen, wie Pelosi Trump angesprochen habe. Nachdem sie den Raum verlassen habe, sei das Treffen produktiv weitergegangen.

Und Trump selbst? Der veröffentlichte mehrere Tweets über das Treffen. In einem bezeichnete er Pelosi und Schumer einmal mehr als "Die-Nichts-Machen-Demokraten", sie seien beide aus dem Raum "gestürmt". In einem weiteren Tweet schrieb er zu einem Foto von Pelosi bei dem Treffen: "Der verwirrte Ausraster der nervösen Nancy" (sie verwendet dieses Foto inzwischen als Header auf ihrem eigenen Twitter-Account).

Zudem behauptete Trump, Pelosi benötige dringend Hilfe. "Entweder ist mit ihr 'da oben' etwas nicht in Ordnung, oder sie mag einfach unser großartiges Land nicht." Pelosi habe bei dem Treffen im Weißen Haus eine "totalen Zusammenbruch" erlitten. "Es war sehr traurig anzusehen. Betet für sie, sie ist sehr krank." Und zu einem anderen Foto der Topdemokraten fragte er rhetorisch: "Glaubt ihr, sie mögen mich?"

aar/Reuters/AP

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macarthur996 17.10.2019
1. USA Regierungspolitik
peinlich dieses gegenseitige Benimm Spiel. viel bewegender ist, das in Nordsyrien Menschen getötet und verstümmelt werden. viel trauriger ist, dass an der mexikanischen Grenze kleine Kinder von Mama und Papa getrennt werden. dagegen hat diese " Begegnung " zwischen Regierungs- und Kongress- Mitgliedern in den USA, für mich, einen infantilen, unreifen Eindruck hinterlassen
quark2@mailinator.com 17.10.2019
2.
Die Welt wird offenbar von unreifen Kindern regiert. Und damit meine ich nicht nur Trump, denn auch diese permanenten Durchstechereien und Insiderberichte sorgen dafür, daß wir statt vernünftiger Abwägung und sachlichem Handeln nun eine Welt voller neurotischer Schreihälse haben. Der Wahlkampf findet permanent statt und zwar nicht in der Sache, sondern indem man die Person direkt angreift. Das alles wäre nur lächerlich und ggf. sogar amüsant, wenn die USA nicht soviel Einfluß hätten und wenn das gleiche Niveau nicht auch in der EU zu haben wäre. Die elektronischen Medien unterlaufen jede halbwegs kontrollierte Informationsangabe, jeder will seine Deutung zuerst raushauen und nimmt sich daher wenig Zeit zum Nachdenken. Ein kaum erträglicher Zustand.
raoul2 17.10.2019
3. Wer kann's ihr verdenken?
Niemand - erst recht nicht Frau Pelosi, die ja in der Sache eine überwältigende Mehrheit im Kongreß hinter sich weiß - muß sich von einem durchgeknallten "Präsidenten" gleich am Anfang des "Gesprächs" respektlos beleidigen lassen. Trump wird sich daran gewöhnen müssen, daß es mehr Parlaments-Mitglieder geben kann, die seine Meinung ganz und gar nicht teilen. Sollte es tatsächlich irgendwann geschehen, daß er und sein Vize Pence aus ihren Ämtern vertrieben werden, wird es ausgerechnet seine verhaßte "Gegenspielerin" Pelosi sein, die automatisch bis zu nächsten Wahl das Amt bekleidet. Dann hilft dem schlechtesten Präsidenten aller Zeiten auch kein Ausrasten mehr. Und wir können uns den guten Wünschen - seine geistige und körperliche Gesundheit betreffend - nur noch mitleidig anschließen (falls er dann nicht doch sehr schnell das Land verlassen verlassen würde). Hach, wär' das schön ...
hannibalanteportas 17.10.2019
4. Das war leider zu erwarten
Ein vorhersagbares Schmierentheater. "Strategisch brilliant" war der Rückzug nur für Erdogan, den IS und insbesondere Putin. Der Diktator am Bosporus kann schön Krieg führen, um seine eigene Agenda weiterzuführen, von den Innenpolitischen Problemen abzulenken und bekommt noch den Gefallen einiger Fußballer, dass sie einen Angriffskrieg auch noch promoten. Der IS wird sich entweder konsolidieren oder verstreuen, weitere Leute radikalisieren und Anschläge verüben. Und Putin kann sich als Bewahrer des Friedens inszenieren und seinen Einfluss vergrößern. "Die USA sind unzuverlässig , auf uns Russen kann man zählen."
patriae. 17.10.2019
5.
Letzten Endes steht hier Aussage gegen Aussage und die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Man kann Trump nicht mögen, dass heißt aber noch lange nicht, dass die Demokraten unschuldslämmer sind.
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