SPIEGEL ONLINE

"Nerven verloren" Treffen von Trump und Pelosi endet mit Eklat

Der US-Präsident steht wegen seiner Syrienpolitik in der Kritik - und kann damit laut Oppositionschefin Nancy Pelosi nicht umgehen. Bei einem Treffen soll er sie nun massiv beleidigt haben. Sie wiederum teilte vor der Presse gegen ihn aus.

Am Mittwoch hat sich US-Präsident Donald Trump mit führenden Vertretern der oppositionellen Demokraten getroffen - und allem Anschein nach verlief dieser Termin alles andere als konstruktiv. "Er war beleidigend, besonders gegenüber der Sprecherin", sagte Chuck Schumer, der Fraktionschef der Demokraten im Senat. Er bezog sich damit auf die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi: Trump habe sie als "drittklassige Politikerin" beleidigt.

"Das war kein Dialog", sagte Schumer. "Es war eine Art Schimpftirade. Eine üble Tirade, die sich nicht auf die Fakten konzentriert hat." Aus Pelosis Mund klang das ganz ähnlich. Sie erklärte vor Journalisten, Trump habe bei dem Treffen "die Nerven verloren", im Original sagte sie: "What we witnessed on the part of the president was a meltdown. Sad to say." Man müsse für seine Gesundheit beten.

Demokraten Schumer, Pelosi und Hoyer vor dem Weißen Haus

Demokraten Schumer, Pelosi und Hoyer vor dem Weißen Haus

Foto: MICHAEL REYNOLDS/EPA-EFE/REX

Die Demokraten waren ins Weiße Haus gekommen, um mit Trump über seine Syrienpolitik zu sprechen. Dafür steht er derzeit auch in seiner eigenen Partei heftig in der Kritik. Trump hatte die US-Truppen aus Nordsyrien abgezogen und damit einer türkischen Militäroffensive in der Region den Weg geebnet: Die Regierung in Ankara geht dort gegen Kurdenmilizen vor - mit denen die USA bisher im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zusammengearbeitet hatte.

Kurz vor dem Treffen von Demokraten und Trump im Weißen Haus hatte das Repräsentantenhaus eine Resolution verabschiedet, mit der der Rückzug der US-Truppen aus Nordsyrien verurteilt wurde. Die Resolution wurde mit 354 zu 60 Stimmen verabschiedet - das heißt, dass sich zahlreiche Politiker aus Trumps eigener Partei angeschlossen hatten.

Pelosi sagte, ihrer Ansicht nach sei Trump von diesem Abstimmungsergebnis "sehr aufgewühlt" gewesen. Kurz zuvor noch hatte der US-Präsident seinen Syrienkurs als "strategisch brillant" bezeichnet.

Steny Hoyer, der Fraktionsvorsitzende der Demokraten im Repräsentantenhaus, sagte vor Journalisten, bei dem Treffen habe es "sehr beleidigende Anschuldigungen vonseiten des Präsidenten der Vereinigten Staaten" gegeben.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Republikaner hingegen zeichneten ein etwas anderes Bild des Treffens. Ihren Angaben zufolge war es Pelosi, die aus dem Raum gestürmt sei. Er sei sehr enttäuscht, dass die demokratische Führung das Gespräch abgebrochen habe, sagte Michael McCaul, einer der Toprepublikaner im Außenpolitik-Ausschuss des Repräsentantenhauses.

Und der Fraktionschef der Republikaner im Repräsentantenhaus, Kevin McCarthy, erklärte, es sei unangemessen gewesen, wie Pelosi Trump angesprochen habe. Nachdem sie den Raum verlassen habe, sei das Treffen produktiv weitergegangen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Und Trump selbst? Der veröffentlichte mehrere Tweets über das Treffen. In einem bezeichnete er Pelosi und Schumer einmal mehr als "Die-Nichts-Machen-Demokraten", sie seien beide aus dem Raum "gestürmt". In einem weiteren Tweet schrieb er zu einem Foto von Pelosi bei dem Treffen: "Der verwirrte Ausraster der nervösen Nancy" (sie verwendet dieses Foto inzwischen als Header auf ihrem eigenen Twitter-Account).

Zudem behauptete Trump, Pelosi benötige dringend Hilfe. "Entweder ist mit ihr 'da oben' etwas nicht in Ordnung, oder sie mag einfach unser großartiges Land nicht." Pelosi habe bei dem Treffen im Weißen Haus eine "totalen Zusammenbruch" erlitten. "Es war sehr traurig anzusehen. Betet für sie, sie ist sehr krank." Und zu einem anderen Foto der Topdemokraten fragte er rhetorisch: "Glaubt ihr, sie mögen mich?"

aar/Reuters/AP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.